Reaktionen in Stuttgart: Wie eine Holocaust-Überlebende auf das Stolperstein-Verbot reagiert

Eva Weyl, die am Freitag in Stuttgart zwei Gemälde ihrer in Auschwitz ermordeten Großtante Alica Haarburger abholte, ist entsetzt über das Verbot von Stolpersteinen in einer deutschen Kommune.
Lichtgut/Max Kovalenko- Heidenau untersagt weitere Stolpersteine im öffentlichen Raum – Entscheidung sorgt für Sorge.
- Holocaust-Überlebende Eva Weyl zeigt sich entsetzt und kritisiert die Unterstützung durch die CDU.
- Stuttgarter Initiativen sprechen von „skandalös“ und sehen eine Allianz mit der AfD.
- Vergleich mit München wird zurückgewiesen, Motive in Heidenau gelten als „fadenscheinig“.
- In Stuttgart werden am 18. November neue Stolpersteine verlegt, Eva Weyl will teilnehmen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Am Tag, nachdem der Gemeinderat der sächsischen Kleinstadt Heidenau auf Antrag von Stadträten der AfD, der CDU und des „Bündnisses Oberelbe für mehr Demokratie“ mehrheitlich entschieden hat, keine weiteren Solpersteine für Nazi-Opfer im öffentlichen Raum zuzulassen, steht die aus Amsterdam angereiste Holocaust-Überlebende Eva Weyl in der Neckarstraße in Stuttgart, um hier zwei Gemälde ihrer von den Nazis ermordeten Stuttgarter Großtante, der Malerin Alice Haarburger in Empfang zu nehmen.
In die überschwängliche Freude über den Erhalt der Bilder, die sie im Juli im Zuge einer Versteigerung beim Auktionshaus Nagel erworben hat, mischt sich bei der 91-Jährigen Entsetzen über die Nachricht aus Sachsen. „So etwas hätte ich nie für möglich gehalten!“, sagt Eva Weyl kopfschüttelnd. Bei der AfD wundere sie das nicht, „aber dass die CDU da mitmacht! Das ist doch eine menschenfreundliche Partei!“ Die alte Dame fragt sich, was das für Folgen haben werde und „ob man sich in Deutschland dagegen wehrt“. Sachsen sei zwar weit weg, doch das betreffe ja alle.
Ähnlich ergeht es ihrer Freundin Gudrun Greth, die sie an diesem Tag begleitet - zuerst ins Stadtarchiv, das ebenfalls Bilder von Alice Harburger besitzt, und dann zur Bilderübergabe ins Auktionshaus Nagel: „Wir sind beide entsetzt“, sagt Greth von der Stolperstein-Initiative Stuttgart Ost. Für sie ist die Entscheidung in Heidenau „ein Dammbruch“. Alle, die sich in Stuttgart in der Erinnerungsarbeit engagierten, seien schockiert. Die Überlegungen in Heidenau, den Nazi-Opfern auf einem Friedhof zu gedenken, findet sie geschmacklos.
Deutlich Worte kommen auch von den Koordinatoren der 16 Stuttgarter Stolperstein-Initiativen, Ute Hechtfischer und Werner Schmidt. „Das stößt bei uns auf großes Unverständnis“, teilen sie mit. „Dass CDU-Gemeinderäte diesen Antrag unterstützen und damit eine unheilige Allianz mit der rechtsextremen AfD eingehen, ist skandalös.“ Eine Vergleichbarkeit mit München, wo der Gemeinderat 2015 beschlossen hat, keine Stolpersteine im öffentlichen Raum zu verlegen, halten Hechtfischer und Schmidt nicht für gegeben. Dort sei man der Bitte Charlotte Knoblochs gefolgt, der Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, einer Holocaust-Überlebenden, die nicht wolle, dass man noch einmal mit Stiefeln auf Menschen trete. Diese persönliche Haltung sei zu respektieren.
Die Beweggründe in Heidenau sehen die Stolperstein-Koordinatoren völlig anders gelagert. Die Gemeinderäte, die dem Antrag zugestimmt hätten, wollten „die Erinnerung an die Opfer der NS-Verbrechen aus der Stadt und aus dem Alltag der Bewohner auf einen ,zentralen Gedenkort' verbannen, möglicherweise auf einen Friedhof. „Und genau von dort will der Initiator der Stolpersteine, der Künstler Gunter Demnig die Erinnerung in die Straßen holen.“
Hechtfischer und Schmidt halten die von den Gemeinderäten in Heidenau vorgetragenen Überlegungen für „mehr als fadenscheinig“. Die Bürgervertreter hatten sich besorgt gezeigt, dass die Stolpersteine beschmutzt oder beschädigt werden könnten. Leider sei die Stadtverwaltung in Heidenau mit ihren guten Argumenten nicht durchgedrungen. Nun stelle sich die Frage, wie Derartiges in Zukunft verhindert werden könne.
Am 18. November werden in Stuttgart die nächsten Stolpersteine verlegt. Auch Eva Weyl wird wieder kommen, der Verlegung beiwohnen und mit Schulklassen sprechen. Gudrun Greth hofft, dass sich bis dahin möglichst viele Menschen zu Wort melden und Haltung zeigen. „Da ist auch der Oberbürgermeister gefordert“, findet sie. „Das gilt auch für die Parteien.“


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