Streit um CSD
: Stuttgart muss eine liberale Stadt bleiben!

Die CDU verlässt in Stuttgart den Konsens zum CSD. Angesichts des Rechtsrucks wäre der demokratische Schulterschluss nötiger denn je, kommentiert Uwe Bogen.
Kommentar von
Uwe Bogen
Stuttgart
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Die Regenbogenfahne zieht am Samstag erneut durch Stuttgart.

dpa/Christoph Schmidt

Bisher gab es in Stuttgart zum Christopher Street Day (CSD) einen breiten Konsens – bei allem politischen Streit im Laufe des Jahres und dem sonst üblichen Ringen um die besten Argumente. Dieser Konsens, den alle Parteien mit Ausnahme der AfD getragen haben, lautete: Stuttgart ist eine liberale Stadt, die für Vielfalt und Toleranz steht.

Dass die CDU nun ausgerechnet diese gemeinsame Position verlässt, am Pride-Wochenende lediglich an einer Ecke mit einem kleinen Infostand steht, aber nicht mehr laut und sichtbar durch die City fährt, ist mehr als ein parteitaktischer Rückzug. Zunächst hatte der CDU-Fraktionsvorsitzende Alexander Kotz erklärt, allein am Geld liege es, der Truck sei mit 10 000 Euro zu teuer – und eine kostenlose Fußgruppe ist wohl zu anstrengend. Doch dann ließ der CDU-Kreisvorsitzende Max Mörseburg tief blicken und verriet den wahren Grund für die Absage, als er den CSD eine „linke Partyveranstaltung“ nannte: Die CSD-Verantwortlichen hätten zu oft Stimmung gegen die Union gemacht. Damit meinte er: Dies räche sich nun.

Der bisherige Zusammenhalt bröckelt

Berlin lässt grüßen: Dort haben der Bundeskanzler und die Bundestagspräsidentin mit der Ablehnung einer Regenbogenflagge am Reichstagsgebäude und einem Zirkuszelt-Vergleich klare Kante gezeigt und der Buntheit Grenzen aufgezeigt. In Zeiten, in denen rechte Kräfte wie die AfD offen gegen queere Lebensweisen hetzen (obwohl deren Vorsitzende selbst in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft lebt), wäre ein Schulterschluss aller anderen Parteien in Stuttgart nötiger denn je. Dass diese Einheit jetzt bröckelt, schadet nicht nur queeren Menschen, sondern der demokratischen Kultur insgesamt.

Hagel stellt sich in Sachen Regenbogenfahne gegen Berliner Parteifreunde

Auch innerhalb der CDU wird kritisiert, dass man bei einer der größten Demos der Stadt nicht mehr dabei ist und damit den gesellschaftlichen Zusammenhalt infrage stellt. Den Ursprung der Proteste dürfe man nicht vergessen, ist zu hören, bei der globalen Pride-Bewegung gehe es um Menschenrechte, Gleichberechtigung und Sichtbarkeit. Es sei fatal, mahnen Liberale in der Union, wenn man den CSD allein den linken Kräften überlasse.

CDU-Fraktionschef Alexander Kotz: Ein CSD-Truck zu teuer.

Foto: dpa

Dass es auch anders geht, beweist der CDU-Ministerpräsidentenkandidat Manuel Hagel: Ausdrücklich hat er die Entscheidung der Landtagspräsidentin begrüßt, jetzt zum CSD die Regenbogenflagge am Landtag zu hissen – und sich damit gegen die Berliner Parteifreunde gestellt, die dies beim Bundestag strikt ablehnen.

Damit Stuttgart die liberale Stadt bleibt, die nicht zuletzt auf die Tradition des CDU-Manns Manfred Rommel zurückgeht, sollten die Brückenbauer in der Union zum CSD zurückkehren. Vielfalt ist nicht nur ein Grundrecht, sondern auch der Reichtum, der eine Stadt nach vorne bringt.

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