Tattoo-Aktion „Heimat für alle“: Stuttgarter Tattoostudios veranstalten Flash Day für Vielfalt

Jan Schuttack und Vicky Braun auf dem Sofa im Welt der Wunder-Tattoostudio.
/Lena FuxBock auf ein neues Tattoo? Am 15. März schließen sich sechs Stuttgarter Tattoo-Studios zusammen, um ein Zeichen für eine vielfältige Heimat für alle und gegen Ausgrenzung zu setzen. Wer sich an diesem Tag ein Tattoo stechen lässt, unterstützt damit einen guten Zweck – denn die Einnahmen aller am Flash Day gestochenen Tattoos fließen zu hundert Prozent an Organisationen, die sich gegen Rechts einsetzen. Wir haben mit zwei der Organisator:innen gesprochen und gefragt, worauf man sich neben einem neuen Tattoo noch freuen kann.
Aus einer Idee wird eine gemeinsame Aktion
Wie wahrscheinlich viele junge Menschen beschäftigt sich Vicky Braun aus dem Tattoostudio „Welt der Wunder“ in Stuttgart-Süd mit der aktuellen politischen Lage. In ihr wächst der Wunsch, sich zu positionieren.
Die Idee: Einen Tattoo-Flash-Day veranstalten, um Haltung zu zeigen. Und das am besten nicht allein. Um als Tattoo-Community ein Zeichen für Vielfalt, Respekt und ein friedliches Miteinander zu setzen, sucht Vicky gleichgesinnte Tätowierer:innen aus Stuttgart. „Ich habe dann einfach mal alle möglichen Studios angeschrieben, ohne eine große Auswahl vorab getroffen zu haben“, erzählt die Tätowiererin. Die Reaktionen fallen direkt positiv aus.
Vor allem bei Jan Schuttack, selbst Tätowierer aus dem Tattoo-Studio „Butterberg“, das sich ebenfalls in Stuttgart-Süd befindet. Zwei Tage später setzen sich die beiden auf einem alten, rosa Federkernsofa in Vickys Studio zusammen und fangen an, die ersten Schritte zu planen. „Der Vibe zwischen uns beiden hat direkt gestimmt, weshalb wir auch gut zusammenarbeiten können. Wir haben denselben Antrieb“, berichtet Vicky.
Ein Vorhaben für einen guten Zweck
Das Motto des Flash Days, „Heimat für alle“, entstand spontan bei einem ihrer Treffen. „Eine Heimat entsteht durch Freund:innen und durch Momente, die man teilt. Heimat bedeutet, dass sich Leute geborgen fühlen und zusammenkommen. Und eine Heimat ist für alle: Jede:r darf ihre oder seine Heimat finden, wo sie oder er möchte“, macht Vicky deutlich. Am Tag selbst soll ein Gefühl von Zusammenhalt und Gemeinschaft entstehen – vor allem in bewegten politischen Zeiten und nach der Bundestagswahl. „Tattoostudios sind oft ein Safespace. Das wiederum passt dann auch dazu, dass ein Tattoostudio eine Art Heimat sein kann“, ergänzt Jan.
Neben der Aktion selbst ist die Vernetzung der Studios untereinander, die sich durch die Organisation der Tattoo-Aktion ergeben hat, sehr wertvoll, erzählen die beiden. „Alle haben wirklich Bock“, sagt Jan. Die Aktion habe die Community mobilisiert und zur Zusammenarbeit angeregt, alle ziehen an einem Strang. So kommt es auch, dass ein paar Tätowierer:innen, die normalerweise in getrennten Studios arbeiten, sich der Praktikabilität wegen am Flash Day ein Studio teilen.
Go get a Tattoo
Preise, Motive und Öffnungszeiten am Flash Day von den einzelnen Studios selbst festgelegt. Manche verkaufen zusätzlich künstlerische Prints, andere ziehen eventuell nebenher einen kleinen Flohmarkt hoch. „Die einzige Vorgabe ist, dass die Einnahmen an eine Spendenorganisation gegen Rechts gehen sollen. Und dass alle Einnahmen gespendet werden“, erklären Vicky und Jan.
Die Tattoos werden deshalb nicht bei der tätowierenden Person bezahlt, sondern über einen QR-Code. Das Geld landet so direkt bei der Organisation selbst. „Dann können zum Beispiel auch Menschen spenden, die die Aktion cool finden, sich aber nicht tätowieren lassen möchten“, erklärt Jan.
Ein Hinweis zum Schluss: Im Studio „Happy Tears“ findet der Flash Day eine Woche später statt, also am 22. März 2025.
Studio Butterberg, Strohberg 13, Stuttgart-Süd, 15.3.
Lautmalerei Tattooatelier, Wörishofener Str. 29A, Stuttgart-Bad Cannstatt, 15.3.
Welt der Wunder Tattoo, Olgastr. 116, Stuttgart-Süd, 15.3.
Oddlife, Charlottenstr. 21C, Stuttgart-Mitte, 15.3.
Happy Tears Tattoo, Weimarstr. 17, Stuttgart-West, 22.3.
2te Reihe, Schlosserstr. 11A, Stuttgart-Mitte, 15.3.
