Roger Waters: Pink-Floyd-Legende beleidigt Ed Sheeran

Pink-Floyd-Mitbegründer Roger Waters tritt im Rahmen seiner Deutschland-Tour «This Is Not A Drill» in der Olympiahalle auf.
dpaNach dem Rückzug sämtlicher Support-Acts bekommt Ed Sheeran nun auch Gegenwind von einem der bekanntesten Musiker der Rockgeschichte: Pink-Floyd-Mitgründer Roger Waters stellt sich öffentlich hinter Macklemore – und greift Sheeran in einem Instagram-Video persönlich an.
Die Kontroverse um Macklemores Rauswurf aus Ed Sheerans „Loop Tour“ zieht immer weitere Kreise. Nun hat sich auch Roger Waters eingeschaltet. Der Mitgründer von Pink Floyd veröffentlichte auf Instagram eine kurze Videobotschaft, die sich direkt an Sheeran richtet.
Schon die Einblendung zu Beginn lässt wenig Zweifel daran, was Waters von dem britischen Popstar hält: „Ed Who?“ - „Ed Wer?“.
Anschließend blickt Waters in die Kamera und kündigt „eine kleine Nachricht für Ed Sheeran“ an.
„Es gibt zwei Arten von Menschen auf dieser Welt“, sagt Waters. Menschen, „die das Richtige tun“ – und zu diesen zählt er ausdrücklich Macklemore. Auf der anderen Seite stünden Menschen wie Sheeran, „die das Falsche tun“.
Dabei wird Waters deutlich persönlicher. Mitten im Satz hält er sich zunächst davon ab, das englische F-Wort zu benutzen, bezeichnet Sheeran anschließend aber als einen „little prick“, also als „kleines Arschloch“ und verabschiedet sich.
Sheeran bestreitet, Macklemore selbst gefeuert zu haben
Allerdings ist genau diese persönliche Verantwortungszuschreibung umstritten.
Sheeran hatte nach Macklemores Ausscheiden erklärt, die Entscheidung sei nicht von ihm selbst, sondern vom Tourveranstalter getroffen worden. Mehrere Stadien hätten angekündigt, Konzerte nicht stattfinden zu lassen, sollte Macklemore weiterhin Teil des Line-ups sein. Sheeran erklärte, er habe versucht, zwischen Veranstaltern, Spielstätten und Aktivisten zu vermitteln, habe die endgültige Entscheidung aber nicht kontrollieren können.
Macklemore wiederum hatte zuvor berichtet, dass insbesondere Robert Kraft, dessen Unternehmensgruppe das Gillette Stadium betreibt, Druck ausgeübt habe. Kraft bestätigte, Macklemore nicht in seinem Stadion auftreten lassen zu wollen, begründete dies jedoch mit früheren Aussagen und Auftritten des Rappers, die er als antisemitisch bewertet. Macklemore weist die Gleichsetzung seiner Israel-Kritik mit Antisemitismus zurück.
Waters seit Jahren lautstarker Unterstützer der Palästinenser
Dass sich ausgerechnet Roger Waters in die Debatte einschaltet, kommt dabei wenig überraschend.
Der heute 83-Jährige gehörte 1965 zu den Gründungsmitgliedern von Pink Floyd und prägte später insbesondere Alben wie „The Wall“. Seit vielen Jahren engagiert sich Waters öffentlich für die Palästinenser und unterstützt die internationale Boycott, Divestment and Sanctions-Bewegung (BDS), die wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Druck auf Israel ausüben will.
Seine politischen Auftritte und Aussagen sind allerdings selbst seit Jahren Gegenstand heftiger Kontroversen. Jüdische Organisationen und andere Kritiker haben Waters wiederholt Antisemitismus vorgeworfen, unter anderem wegen bestimmter Bühnendarstellungen und Äußerungen zu Israel. Waters weist diesen Vorwurf zurück und erklärt, seine Kritik richte sich gegen die Politik der israelischen Regierung und nicht gegen jüdische Menschen.
Der Druck auf Sheeran wird immer größer
Waters' Wortmeldung ist der nächste prominente Beitrag zu einer Auseinandersetzung, die längst über Macklemore hinausgeht.
Nachdem Macklemore wegen seiner pro-palästinensischen Äußerungen nicht mehr bei den kommenden Shows auftreten wird, zogen sich auch Finneas, Aaron Rowe, Lukas Graham und Beoga von Sheerans Tour zurück. Mehrere von ihnen begründeten ihren Schritt ausdrücklich mit Solidarität mit Macklemore sowie Palästina, und der Ansicht, Künstler dürften wegen politischer Aussagen nicht zum Schweigen gebracht werden.
Macklemore selbst hat die Kontroverse inzwischen noch einmal verschärft: Er kündigte an, seine Netto-Einnahmen von einer Million Dollar aus der Sheeran-Tour an Organisationen zu spenden, die Palästinenser unterstützen, und forderte Robert Kraft öffentlich auf, die Summe ebenfalls zu spenden.
Waters verzichtet in seinem Video dagegen auf eine ausführliche politische Argumentation. Seine Botschaft dauert nur wenige Sekunden – und ist vor allem ein persönlicher Angriff.
Für Sheeran bedeutet sie dennoch, dass der Streit um Macklemore weiterhin neue prominente Stimmen anzieht. Nach dem Rückzug seiner Support-Acts kommt die Kritik nun auch von einem Musiker, der seit Jahrzehnten zu den prominentesten Unterstützern der palästinensischen Sache in der westlichen Musikbranche gehört.


