Gefälschte Insa-Umfrage: Nein, die AfD liegt nicht bei 46 Prozent

Landtagswahl am 6. September in Sachsen-Anhalt (Symbolbild).
IMAGO/Christian Ohde- Vor der Wahl in Sachsen-Anhalt kursiert eine gefälschte Insa-Umfrage mit 46 Prozent für die AfD.
- Die Mitteldeutsche Zeitung bestreitet den Auftrag und prüft rechtliche Schritte – die Grafik ist manipuliert.
- Hinweise auf KI-Bildgenerierung: fehlerhaftes Landeswappen und ein nicht existierendes Gebäude.
- Echte Umfragen sehen die stärkste Partei bei etwa 40 bis 42 Prozent, die CDU bei rund 22 Prozent.
- Faktenchecks führten teils zu gelöschten Posts, doch die Verunsicherung im Netz bleibt.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Kurz vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt sorgt eine angebliche Wahlumfrage in den sozialen Netzwerken für erhebliche Unruhe. Eine bei vielen kursierende Grafik suggeriert, dass die AfD einen historischen Höchstwert von 46 Prozent erreicht habe und damit die absolute Mehrheit fast sicher hätte. Doch Recherchen und Faktenchecks zeigen eindeutig, dass diese Umfrage eine Fälschung ist. Auf Plattformen wie X und Facebook teilten zahlreiche Nutzer ein Balkendiagramm. Es erweckt den Anschein, als handele es sich um eine offizielle Befragung des Markt- und Sozialforschungsinstituts INSA im Auftrag der Mitteldeutschen Zeitung. Laut „Tag 24“ wurde es unter anderem von einem AfD-Kreisverband verbreitet.
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Gefälschte Insa-Umfrage für Sachsen-Anhalt
- AfD: 46 Prozent
- CDU: 20 Prozent
- Die Linke: 10 Prozent
- SPD: 5 Prozent
- BSW: 11 Prozent
- Grüne: 4,5 Prozent
Mit diesen Zahlen würde die führende Partei im kommenden Landtag eine absolute Mehrheit der Sitze erreichen und könnte ohne Koalitionspartner regieren. Bei genauerer Betrachtung fällt das Kartenhaus aus Falschbehauptungen allerdings schnell in sich zusammen:
Grafik mit KI manipuliert
Die Mitteldeutsche Zeitung stellte umgehend klar, dass sie eine solche Umfrage bei dem genannten Institut nie in Auftrag gegeben hat. Die Zeitung distanzierte sich deutlich von der Grafik und kündigte an, rechtliche Schritte gegen die Urheber der vermeintlichen Umfrage zu prüfen. Dass sich die Summe der Werte auf 96 statt 100 Prozent beläuft, wäre zwar noch durch „Sonstige“ erklärbar. Eine nähere Analyse der Grafik mit Werkzeugen wie „SynthID“ offenbart jedoch visuelle Ungereimtheiten, die typisch für Bildgeneratoren auf Basis künstlicher Intelligenz sind. Das offizielle Landeswappen von Sachsen-Anhalt ist fehlerhaft dargestellt, und das im Hintergrund abgebildete Gebäude existiert in der Realität überhaupt nicht. Auf die Abbildung verzichten wir hier.
Echte Umfragen für Sachsen-Anhalt
Die in Sachsen-Anhalt stärkste Partei erzielt in den tatsächlichen Umfragen zwar sehr hohe Werte, die 46-Prozent-Marke erreicht sie dort jedoch nicht. Eine echte Insa-Umfrage vom August 2026 sah die führende Partei bei 42 Prozent und die CDU bei 22 Prozent. Eine Erhebung von Infratest dimap im Auftrag der ARD kam zu einem ähnlichen Ergebnis. Hier lag die stärkste Partei bei knapp 42 Prozent, die CDU bei 22 Prozent und die Linke bei 11 Prozent.
Im ZDF-Politbarometer liegt die AfD bei 40 Prozent. Das US-amerikanische Wettportal Polymarket ging auf Basis von realen Einsätzen in Kryptowährung zuletzt von 23 Prozent Wahrscheinlichkeit für Ulrich Siegmund als Ministerpräsident aus. In der letzten Augustwoche war die Zahl um 20 Prozentpunkte abgestürzt. Polymarket hatte 2024 den Trump-Wahlsieg korrekt vorhergesagt, unterliegt jedoch starken Schwankungen und zum Teil auch Manipulationen.
Desinformation im Wahlkampf
Dass gefälschte Grafiken kurz vor einer wichtigen Wahl auftauchen, ist jedenfalls kein Zufall. Sie dienen oft dazu, die politische Stimmung gezielt zu beeinflussen. Einerseits sollen Anhänger mobilisiert und in Siegesgewissheit gewiegt werden, andererseits wird versucht, das Narrativ einer scheinbar unaufhaltsamen Dynamik zu etablieren.
Einige der Akteure, die die gefälschte Grafik zunächst geteilt hatten, haben ihre Beiträge nach Einsetzen von Faktenchecks (unter anderem durch die dpa) wieder gelöscht. Der Schaden in Form von Verwirrung und Desinformation im Netz bleibt jedoch bestehen.