Entlastungen beim Spritpreis
: „Zynisch“ und „opportunistisch“: Wirtschaftsweise kritisiert Tankrabatt scharf

Kurzfristige Aktionen und „keine Kraft für die wirklich wichtigen Reformen“: Die Wirtschaftsweise Veronika Grimm übt klare Kritik an der Bundesregierung.
Von
afp
Köln
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Tanken: Ein Autofahrer hängt an einer Tankstelle eine Zapfpistole in die Zapfsäule. (zu dpa: «Tankrabatt und Preisdeckel - Was bringen die Maßnahmen?»)

Die Spritpreise an der Tankstelle sind explodiert, die Bundesregierung will sie mit Tankrabatt und Spritpreisdeckel senken. Das stößt auf Kritik.

Lennart Preiss/dpa
  • Wirtschaftsweise Veronika Grimm kritisiert den neuen Tankrabatt als „zynisch“.
  • Sie sieht opportunistische Politik und warnt vor Frust bei Wählerinnen und Wählern.
  • Grimm fordert strukturelle Reformen, kurzfristige Aktionen schadeten dem Wohlstand.
  • Bundesregierung senkt ab Oktober die Energiesteuer auf Benzin und Diesel um 14 Cent.
  • Angekündigt wurde auch ein Spritpreisdeckel ab dem 1. Januar – Ministerin Reiche ist skeptisch.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die Wirtschaftsweise Veronika Grimm hat die Entscheidung der Bundesregierung für einen neuen Tankrabatt scharf kritisiert. Es sei „zynisch“, auf Kosten der jungen Generation das Fahren von Autos mit Verbrennungsmotor zu subventionieren, sagte die Ökonomin dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ (Sonntagsausgabe).

Grimm fordert strukturell wichtige Reformen statt Tankrabatt

Durch opportunistische Politik werde versucht, die Wähler nicht zu verprellen, „aber am Ende führt es nur dazu, dass viele Wähler sich frustriert von den etablierten Parteien abwenden, weil sie ihren Job eben nicht machen“, sagte Grimm. „In diesem Fall betrifft das sowohl diejenigen, die die Klimawirkung dieser Maßnahme ablehnen, als auch die Unternehmer, die nur noch den Kopf schütteln angesichts dieser kurzsichtigen Handlungsmaxime.“

Weil sich die Politik auf die kurze Frist fokussiere, habe sie „keine Kraft für die wirklich wichtigen strukturellen Reformen“, sagte Grimm. „Dies dürfte für die Bürgerinnen und Bürger mehr Wohlstandsverlust bedeuten als vorübergehend höhere Spritpreise.“

In der Politik scheine immer noch nicht angekommen zu sein, was auf dem Spiel stehe, erklärte Grimm, die Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung ist. Die Bevölkerung merke das sehr wohl.

„Wirtschaftsweise“ Veronika Grimm: ARCHIV - 12.11.2025, Berlin: Veronika Grimm spricht bei der Vorstellung des Jahresgutachtens 2025/26 des Sachverständigenrates, der sogenannten Wirtschaftsweisen zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. (zu dpa: «Wirtschaftsweise Grimm: Strukturreformen statt Notfallpakete») Foto: Britta Pedersen/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Wirtschaftsweise Veronika Grimm fordert strukturell wichtige Reformen statt kurzfristiger Aktionen. (Archiv)

Britta Pedersen/dpa

Ministerin Reiche skeptisch bei Spritpreisdeckel

Die Bundesregierung hatte am Freitagabend angekündigt, ab Oktober erneut die Energiesteuer auf Kraftstoffe zu senken. Wie bereits im Mai und Juni soll bis zum Jahresende die Energiesteuer auf Benzin und Diesel um 14 Cent pro Liter gesenkt werden. Inklusive darauf fällig werdender Umsatzsteuer summiert sich der Tankrabatt so auf 17 Cent pro Liter.

Die Bundesregierung hatte außerdem neben dem Tankrabatt einen Spritpreisdeckel spätestens ab dem 1. Januar angekündigt. Um die Versorgungssicherheit nicht zu gefährden, sollen dafür Gespräche mit der Mineralölwirtschaft geführt werden. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) bekräftigte allerdings umgehend ihre Skepsis gegenüber einem solchen Instrument.