Ramallah
: Neue Gewalt im Westjordanland – 14‑jähriger Palästinenser durch Schüsse verletzt

Ein 14-Jähriger wird bei einem israelischen Einsatz verletzt, der Vater eines mutmaßlichen Attentäters getötet, weil er laut Israel einen Soldaten angreifen wollte. Die Lage im Westjordanland bleibt angespannt.
Von
red/dpa
Ramallah/Tel Aviv
21.10.2024, Israel, Be'eri: Israelische rechtsextreme Aktivisten beten während einer Veranstaltung im Rahmen des Laubhüttenfestes oder Sukkot-Festes in der Nähe der Grenze zum Gazastreifen. Radikale Siedler und Mitglieder des israelischen Parlaments haben sich zu der Veranstaltung unter dem Motto «Rückkehr nach Gaza» getroffen. Foto: Ilia Yefimovich/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Im Norden des von Israel besetzten Westjordanlands ist es erneut zu gewaltsamen Vorfällen seitens gewalttätiger Siedler gekommen (Archivfoto).

dpa
  • Neue Gewalt im Westjordanland: ein Palästinenser in Dschenin von Soldaten erschossen.
  • Armeeangabe: der Mann wollte einen Soldaten mit einem Messer angreifen, es gab keine Verletzten.
  • Palästinensische Berichte sagen, Einsatzkräfte stürmten sein Haus; er sei der Vater eines Attentäters.
  • In Sababda wurde ein 14-Jähriger bei einem Einsatz verletzt – das Militär prüft den Vorfall.
  • Siedler belagern in Kusra Häuser, Vorräte werden knapp; E1-Projekt mit 1.200 Einheiten sorgt für Unruhe.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Im Norden des von Israel besetzten Westjordanlands ist es erneut zu gewaltsamen Vorfällen gekommen. Die israelische Armee meldete, sie habe in der Nacht einen Palästinenser getötet, der laut der Armee versucht habe, einen israelischen Soldaten mit einem Messer anzugreifen. Palästinensischen Berichten zufolge stürmten israelische Einsatzkräfte dessen Haus. Palästinensische Medien berichteten zudem, dass bei einem israelischen Einsatz im Ort Sababda ein 14 Jahre alter Junge durch Schüsse israelischer Kräfte verletzt worden sei. Israels Militär sagte auf Anfrage, sie gehe dem nach.

Zum ersten Vorfall sagte Israels Armee weiter, Soldaten seien in der Stadt Dschenin, die als Hochburg militanter Palästinenser gilt, im Einsatz gewesen. Soldaten hätten auf den mutmaßlichen Angreifer geschossen. Auf israelischer Seite habe es keine Verletzten gegeben. Palästinensischen Medien zufolge widersetzte sich der Getötete israelischen Einsatzkräften, als diese sein Haus stürmten. Dabei sei er erschossen worden.

Mehrere Medien berichteten übereinstimmend, der Mann sei der Vater eines Palästinensers gewesen, der im April 2022 bei einem Anschlag in Israels Küstenmetropole Tel Aviv drei Menschen tötete.

Radikale Siedler belagern weiter Häuser in Kusra

In dem Dorf Kusra, das ebenfalls im Norden des Westjordanlands liegt, belagern radikale israelische Siedler Berichten zufolge unterdessen weiterhin die Häuser mehrerer palästinensischer Bewohner. Die palästinensische Nachrichtenagentur Wafa meldete unter Berufung auf den Dorfvorsteher Abdul Asim al-Wadi, dass die Betroffenen weiterhin ihre Häuser nicht verlassen könnten. Demnach sind Lebensmittel und einige Medikamente bereits knapp.

Ein Angehöriger der Bewohner sagte jüngst, diese blieben in ihren Häusern aus Angst, Siedler könnten sie andernfalls besetzen. Der siedlerfreundliche US-Botschafter Mike Huckabee nannte die Siedler in Kusra zuletzt „israelische Terroristen“. 

Verschärfte Gewalt seit Hamas-Massaker

Die Lage im besetzten Westjordanland hat sich seit dem Hamas-Angriff am 7. Oktober 2023 in Israel und dem dadurch ausgelösten Gaza-Krieg noch einmal verschärft. Nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums wurden im Westjordanland seitdem mehr als 1105 Palästinenser bei israelischen Militäreinsätzen, bewaffneten Auseinandersetzungen und eigenen Anschlägen getötet.

Aber auch die Gewalt radikaler israelischer Siedler gegen Palästinenser hat stark zugenommen. Dem israelischen Militär wird dabei immer wieder vorgeworfen, nicht entschlossen genug gegen solche Angriffe vorzugehen. 

Israelische Soldaten blockieren eine Straße im Westjordanland. (zu dpa: «Neue Gewalt im Westjordanland»)

Ilia Yefimovich/dpa

Umstrittenes Siedlungsprojekt im Westjordanland

Für Unruhe im Westjordanland sorgt zudem, dass Israel zugleich ein äußerst umstrittenes Siedlungsvorhaben vorantreibt. Das Bauministerium hatte diese Woche eine Ausschreibung für den Bau von mehr als 1.200 Wohneinheiten für das Projekt veröffentlicht. Konkret geht es um das sogenannte E1-Gebiet zwischen Ost-Jerusalem und der Siedlung Maale Adumim.

Eine Bebauung in dem Gebiet würde das Westjordanland faktisch in einen nördlichen und einen südlichen Teil aufspalten. Damit würde die Schaffung eines zusammenhängenden Territoriums für einen künftigen palästinensischen Staat erschwert oder gar unmöglich gemacht.