Sahra Wagenknecht äußert sich zur Landtagswahl
: BSW schließt Koalition mit der AfD in Sachsen-Anhalt aus

In einem Podcast hat Sahra Wagenknecht Stellung zu einer möglichen Zusammenarbeit mit der AfD in Sachsen-Anhalt genommen.
Von
Lukas Böhl
Berlin
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Sahra Wagenknecht: ARCHIV - 29.08.2026, Sachsen-Anhalt, Halberstadt: Sahra Wagenknecht, Gründerin und Bundesvorsitzende der Partei BSW, spricht während einer Wahlkampfveranstaltung auf der Bühne ihrer Partei. Rund 1000 Besucher nahmen an der Veranstaltung teil. (zu dpa: «Wagenknecht: Merz führt uns näher an Krieg mit Russland») Foto: Matthias Bein/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Sahra Wagenknecht: ARCHIV - 29.08.2026, Sachsen-Anhalt, Halberstadt: Sahra Wagenknecht, Gründerin und Bundesvorsitzende der Partei BSW, spricht während einer Wahlkampfveranstaltung auf der Bühne ihrer Partei. Rund 1000 Besucher nahmen an der Veranstaltung teil. (zu dpa: «Wagenknecht: Merz führt uns näher an Krieg mit Russland») Foto: Matthias Bein/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Matthias Bein/dpa

Sahra Wagenknecht lehnt eine Regierungskoalition des BSW mit der AfD in Sachsen-Anhalt ab. Eine Zusammenarbeit bei einzelnen Sachfragen sowie Gespräche mit der AfD nach der Landtagswahl schließt sie dagegen ausdrücklich nicht aus. Statt einer klassischen Koalition wirbt sie für einen überparteilichen Ministerpräsidenten und ein Kabinett, das sich im Landtag wechselnde Mehrheiten sucht.

BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht hat sich gegen eine Koalition ihrer Partei mit der AfD in Sachsen-Anhalt ausgesprochen. In einem ausführlichen Interview in dem Podcast „{ungeskriptet} by Ben“ begründete sie die Absage sowohl mit der fehlenden Regierungserfahrung des BSW als auch mit politischen Differenzen zur AfD.

Warum das BSW nicht mit der AfD koalieren will

Auf die direkte Frage, warum sie eine Koalition mit der AfD ausschließe, verwies Wagenknecht zunächst auf die Situation ihrer eigenen Partei. Das BSW würde erstmals in den Landtag von Sachsen-Anhalt einziehen und verfüge über zahlreiche Kandidaten, die bislang nicht als Berufspolitiker gearbeitet hätten. Eine sofortige Koalition mit einer politisch wesentlich erfahreneren Partei hält sie deshalb grundsätzlich für problematisch.

Das gelte nach ihren Worten nicht nur für die AfD, sondern ebenso für die CDU. Das BSW laufe als junge Partei Gefahr, in einer solchen Regierung politisch übervorteilt zu werden. Wagenknecht zieht dabei erkennbar Lehren aus den Erfahrungen des BSW in Thüringen. Die dortige Regierungsbeteiligung bewertet sie inzwischen als Fehler und wirft Teilen des Landesverbandes vor, zentrale Positionen des BSW nicht ausreichend vertreten zu haben.

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Wagenknecht sieht erhebliche Unterschiede zur AfD

Ihre Ablehnung einer Koalition begründet Wagenknecht allerdings nicht allein mit strategischen Erwägungen. Sie verweist auch auf erhebliche politische Unterschiede zur AfD.

Insbesondere kritisiert sie nach eigener Einschätzung autoritäre Vorstellungen innerhalb der Partei. In einer gemeinsamen Koalition könne das BSW Entscheidungen eines von der AfD geführten Ressorts möglicherweise nicht ausreichend verhindern und müsse dennoch politische Verantwortung dafür übernehmen. Als Beispiel nennt Wagenknecht ein mögliches Innenministerium unter Führung der AfD.

Zugleich äußert sie Zweifel daran, dass die AfD derzeit über ausreichend geeignetes Personal für die Führung einer Landesregierung verfüge. Eine ähnliche Einschränkung macht sie allerdings auch für das BSW, sollte dieses erstmals in den Landtag von Sachsen-Anhalt einziehen.

Wagenknecht unterscheidet dabei klar zwischen einer Koalition und einer Zusammenarbeit bei einzelnen politischen Vorhaben. Es sei aus ihrer Sicht sinnvoll, gemeinsam mit der AfD für Anträge oder Gesetze zu stimmen, wenn es dafür inhaltliche Übereinstimmungen gebe und entsprechende parlamentarische Mehrheiten vorhanden seien.

Damit grenzt sie den Kurs des BSW zugleich von einer klassischen „Brandmauer“-Strategie ab. Wagenknecht argumentiert seit längerem dafür, die AfD entsprechend ihrer parlamentarischen Stärke in politische Entscheidungsprozesse einzubeziehen, ohne deshalb eine dauerhafte Regierungszusammenarbeit einzugehen.

Überparteilicher Ministerpräsident statt AfD-BSW-Koalition

Für Sachsen-Anhalt schlägt Wagenknecht stattdessen ein anderes Regierungsmodell vor. Nach der Wahl solle nach Möglichkeit eine überparteiliche Persönlichkeit zum Ministerpräsidenten gewählt werden. Diese Person solle anschließend ein Kabinett zusammenstellen, bei dessen Besetzung nach Wagenknechts Vorstellungen vor allem fachliche Kompetenz entscheidend sein soll.

Eine solche Regierung hätte keine feste Koalitionsmehrheit. Stattdessen müsste sie für ihre Vorhaben jeweils Mehrheiten im Landtag organisieren. Je nach Thema könnten daran unterschiedliche Parteien beteiligt sein – ausdrücklich auch AfD und BSW.

Wagenknecht verbindet damit die Hoffnung, sowohl eine erneute sogenannte Brandmauerkoalition gegen die AfD als auch eine alleinige Dominanz der AfD zu verhindern. Sie macht zugleich deutlich, dass sie eine absolute Mehrheit der AfD nicht für wünschenswert hält.

Gespräche mit der AfD nach der Wahl möglich

Eine politische Ausgrenzung der AfD lehnt Wagenknecht dennoch ab. Nach der Landtagswahl wolle das BSW allen im Parlament vertretenen Parteien Gespräche anbieten. Sie gehe davon aus, dass auch Gespräche mit der AfD stattfinden würden.

Damit ist die Position für Sachsen-Anhalt klar abgegrenzt: Das BSW schließt eine formelle Koalition mit der AfD aus, nicht aber Gespräche oder gemeinsame parlamentarische Mehrheiten bei einzelnen Sachfragen.

Wagenknechts bevorzugtes Modell wäre eine überparteilich geführte Landesregierung mit wechselnden Mehrheiten. Ob sich dafür nach der Wahl eine parlamentarische Mehrheit finden lässt und ob andere Parteien – insbesondere die AfD – zu einem solchen Modell bereit wären, ist offen.