US-Marschflugkörper für die Bundeswehr
: Tomahawk: Große Reichweite, aber keine Wunderwaffe

Die vor zwei Jahren versprochenen US-Marschflugkörper Tomahawk werden nun doch geliefert - aber unter den neuen Bedingungen Trumps: Deutschland muss zahlen und selbst fürs Personal sorgen.
Von
Markus Brauer
Berlin/Washington
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Ein BGM-109 Tomahawk  bei einem Testflug über dem Pazifischen Ozean.

Ein BGM-109 Tomahawk bei einem Testflug über dem Pazifischen Ozean.

Imago/piemags
  • Deutschland kauft Tomahawk-Marschflugkörper aus den USA – Lieferung mit Typhon-Startrampen.
  • Neue Bedingung: Deutschland zahlt und stellt eigenes Personal, US-Bedienung entfällt.
  • Tomahawk: bis zu 2500 km Reichweite, fliegt sehr niedrig, Präzisionsangriffe aus großer Entfernung.
  • Einsatz von Land aus geplant, Typhon-System startet auch SM-6; Stückkosten bis rund 2 Mio. Dollar.
  • Befürworter sehen Abschreckung, Kritiker warnen vor Eskalationsrisiko durch Stationierung.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Beim Nato-Gipfel haben Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und sein Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) noch eisern über den wichtigen Deal mit US-Präsident Donald Trump geschwiegen. Aber gleich nach der Rückkehr aus Ankara machte Merz ihn publik. Der Kauf von US-Marschflugkörpern vom Typ Tomahawk in den USA war die große Neuigkeit seiner Regierungserklärung im Bundestag. Damit soll eine bessere Abschreckung Russlands ermöglicht werden.

Was sind Tomahawk-Marschflugkörper?

Der Typ Tomahawk ist der bekannteste Marschflugkörper der USA, eine allwettertaugliche Lenkwaffe für extrem niedrige Angriffe. Das Fluggerät des US-Herstellers Raytheon gibt es in verschiedenen Versionen mit Reichweiten bis zu 2500 Kilometern.

Die herkömmliche Version erreicht eine Geschwindigkeit von rund 900 Kilometern pro Stunde. Sie fliegen dabei lediglich in einer Höhe von einigen Dutzend Metern, so dass sie nur schwer geortet und bekämpft werden kann.

Die US-Streitkräfte haben die Lenkwaffe vor fast 43 Jahren in den Dienst gestellt wurde. Erstmals wurde sie bei der „Operation Desert Storm“ („Wüstensturm“) 1991 im Irak eingesetzt.

Tomahawk-Marschflugkörper werden für Präzisionsangriffe aus großer Entfernung genutzt. Sie können von Schiffen, U-Booten und vom Boden aus abgeschossen werden und treffen ihre Ziele in der Regel mit einer Genauigkeit von wenigen Metern. Die für Deutschland bestimmte Version soll an Land stationiert werden. Daher werden Abschussrampen vom Typ Typhon mitgeliefert.

Typhon, im Englischen als Strategic mid-range fires system (SMRF, strategisches Feuersystem mittlerer Reichweite) bezeichnet, ist eine mobile Raketenstartrampe des US-Heeres. Sie wird zum Start von SM-6-Raketen und Tomahawk-Marschflugkörpern eingesetzt.

Typhon, im Englischen als Strategic mid-range fires system (SMRF, strategisches Feuersystem mittlerer Reichweite) bezeichnet, ist eine mobile Raketenstartrampe des US-Heeres. Sie wird zum Start von SM-6-Raketen und Tomahawk-Marschflugkörpern eingesetzt.

Sgt. Perla Alfaro/DVIDS/dpa

Was unterscheidet diese Lenkwaffen von ballistischen Raketen?

Marschflugkörper verfügen anders als ballistische Raketen über einen permanenten eigenen Antrieb. Nach dem Start werden Tomahawks von einem Treibstoff angetrieben, später übernimmt ein kleines Triebwerk den Flug. Sie werden auf vorher definierte Ziele gelenkt und tragen häufig Tragflächen zur Stabilisierung der Flugbahn.

Ein Marschflugkörper startet vom Lenkwaffen-Zerstörer USS Sterett (Archivbild).

Ein Marschflugkörper startet vom Lenkwaffen-Zerstörer USS Sterett (Archivbild).

Imago/StockTrek Images

Sie  können Sprengköpfe mit einem Gewicht von 450 Kilogramm transportieren und können nach dem Abfeuern ein programmiertes Ziel wie Flugabwehrsysteme, Kommandozentralen und Militärflugplätze automatisch angreifen.

Bei einer Flughöhe von weniger als 200 Metern sind die rund sechs Meter langen und bis zu 1,5 Tonnen schweren Flugkörper von gegnerischem Radar nur schwer zu orten. Die Stückkosten können je nach Version bis zu 2 Millionen US-Dollar betragen.

Ein Tomahawk-Marschflugkörper startet vom Lenkwaffenkreuzer USS Cape St. George im Einsatz im Mittelmeer (Archivbild).

Ein Tomahawk-Marschflugkörper startet vom Lenkwaffenkreuzer USS Cape St. George im Einsatz im Mittelmeer (Archivbild).

Kenneth Moll/US NAVY/dpa

Was kostet der Flugkörper?

Ein einzelner Tomahawk-Marschflugkörper kostet je nach Generation und Ausführung etwa 1,3 bis über 2 Millionen Dollar (1,14 bis 1,75 Millionen Euro). Ältere Modelle lagen preislich bei 500.000 bis 1 Million Dollar (437.000 bis 870.000 Euro).

Warum sind die Mittelstreckenwaffen wichtig für Deutschland?

Die europäischen Nato-Staaten verfügen derzeit noch nicht über eigene Mittelstreckenwaffen - im Gegensatz zu  Russland. Iskander-Raketen, die mit Atomsprengköpfen bestückt werden können sind, in der Exklave Kaliningrad stationiert und könnten von dort auch Ziele in Deutschland erreichen. Moskau verlegte ab 2022 auch russische Kampfjets mit Luft-Boden-Hyperschall-Raketen vom Typ Kinschal dorthin.

Russland hat außerdem ein Waffensystem mit dem Namen SSC-8 (Russisch: 9M729) entwickelt, eine landgestützte Variante des seegestützten „Kalibr“-Marschflugkörpers. Dieses soll in der Lage sein, Marschflugkörper abzufeuern, die mehr als 2000 Kilometer weit fliegen können.

Start ein "Kalibr"-Marschflugkörpers von einem russischen Kriegsschiff.

Start eines "Kalibr"-Marschflugkörpers von einem russischen Kriegsschiff (Archivbild).

Imago/Russian Look

Die USA kündigten wegen dieses Systems mit Rückendeckung der Partner vor einigen Jahren den INF-Vertrag zum Verzicht auf landgestützte ballistische Raketen und Marschflugkörper mit Reichweiten zwischen 500 und 5500 Kilometern.

Warum sind die Tomahawks nur eine Übergangslösung?

Mittelfristig wollen mehrere Nato-Verbündete ein eigenes Waffensystem für weitreichende Präzisionsangriffe („Deep precision strike) auf Hochwertziele eines Gegners beschaffen. Dazu wurde 2024 auf dem Nato-Gipfel in Washington das Projekt Elsa („European Long-Range Strike Approach“) angestoßen.

Die Nato-Verbündeten Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Schweden Polen und Italien wollen einen eigenen Marschflugkörper mit einer Reichweite von mehr als 2000 Kilometern sowie Drohnen entwickeln.

Wie kam der Verkauf zustande?

Beim Nato-Gipfel im Jahr 2024 hatten die USA unter Präsident Joe Biden für 2026 in Aussicht gestellt, Tomahawks sowie Raketen vom Typ SM-6 und neu entwickelte Hyperschallwaffen in Deutschland zu stationieren - kostenlos und inklusive Personal zur Bedienung der Waffen.

Nach der deutschen Kritik am Iran-Krieg kündigte Trump an,  dass die Verlegung eines sogenannten „Long Range Fires Battalion“ zur Bedienung der Mittelstreckenwaffen gestoppt wurde.

Deutschland trat in Verhandlungen mit den USA ein, um die Marschflugkörper zu kaufen. Auf dem Nato-Gipfel wurde bereits am Dienstag ((7. Juli) von den Verteidigungsministern eine Absichtserklärung unterzeichnet. Darin sagen die USA zu, im August die offizielle Genehmigung für den Verkauf der Marschflugkörper und die Abschussrampen Typhon zu erteilen. Die Zahl wird geheim gehalten, der Preis auch. Die Entsendung von US-Personal zur Bedienung ist nicht geplant.

Auf diesem von der US-Marine zur Verfügung gestellten Bild feuert der Lenkwaffenzerstörer USS Laboon einen Tomahawk-Marschflugkörper ab (Archivbild). Das ist eine der Raketen, wie Deutschland sie kaufen will.

Auf diesem von der US-Marine zur Verfügung gestellten Bild feuert der Lenkwaffenzerstörer USS Laboon einen Tomahawk-Marschflugkörper ab (Archivbild). Das ist eine der Raketen, wie Deutschland sie kaufen will.

Mass Communication Spc. 3rd Clas/U.S. Navy/dpa

Welche Risiken birgt der Kauf?

Befürworter argumentieren, dass das Kriegsrisiko sinkt, weil die Tomahawks die Abschreckung erhöhen und die Schwelle zum Einsatz der Waffen anheben. Kritiker monieren, dass moderne Mittelstreckenraketen zur Eskalation beitragen können, weil schon ihre Stationierung die Gegenseite provozieren kann. Der russische Präsident Wladimir Putin hatte bereits 2024 angekündigt, auf eine Stationierung der Tomahawks „spiegelgerecht“ reagieren zu wollen.

Die Waffen gelten als besonders effektiv, weil sie von mobilen Abschussrampen abgefeuert werden, die sich hervorragend tarnen lassen. Zudem sind sie als Lenkflugkörper konzipiert und damit äußerst schnell und treffsicher. All das führt dazu, dass die Gegenseite im Fall eines vermuteten Angriffs innerhalb von Minuten reagieren müsste. Die kleinste Fehleinschätzung könnte verheerende Folgen haben.

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