Wie zukunftsfähig ist Deutschland?
: Volkswirte fordern Reform-Offensive

Wie sichern wir Deutschlands Zukunft? Was muss dringend bearbeitet werden? Namhafte Wirtschaftsforscher fordern einen Regulierungsabbau. Und zwar möglichst schnell.
Von
Annika Grah
Stuttgart
Jetzt in der App anhören

Biotechnologie gilt als Schlüssel für den Standort.

imago/Westend61

Nach Einschätzung von namhaften Wirtschaftsforschern muss der von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) ausgerufene „Herbst der Reformen“ dringend genutzt werden, um strukturelle Probleme anzugehen. „Ein vorrangiges Thema ist die Reform der Sozialversicherungssysteme: Ohne Anpassungen drohen Erwerbstätige und Unternehmen durch stetig steigende Beitragssätze immer stärker belastet zu werden“, sagte der Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung, Achim Wambach. Auf dem Energiemarkt müsse der Netzausbau beschleunigt werden. „Nicht zuletzt ist echter Regulierungsabbau erforderlich“, sagte Wambach. Neue Auflagen wie das geplante Tariftreuegesetz setzten die falschen Signale.

Serie beschäftigt sich mit Zukunftsfähigkeit Deutschlands

In einer Serie beschäftigt sich unsere Zeitung mit der Frage, wie zukunftsfähig Deutschland ist. Wie steht es ums Gesundheitssystem, um die Sozialsysteme, die Energieversorgung, die Innovationsfähigkeit? Welche Belastung entsteht durch bürokratische Hürden und Pflichten?

Folgende Teile sind bereits erschienen:

  • Der Bürokratie geht es an den Kragen
  • Im Gesundheitssystem sind große und kleine Umbauten nötig
  • Leitartikel: Bürokratieabbau ist nichts für Angsthasen
  • Der volkswirtschaftliche Geschäftsführer des Instituts der Deutschen Wirtschaft, Hubertus Bardt, sieht die Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandorts in Gefahr. „Die demografische Schrumpfung, der zunehmende Protektionismus und der neue Wettbewerb von Chinas Staatskapitalismus stellt große Herausforderungen, auf die wir mit Veränderungsbereitschaft, Geschwindigkeit und besseren Standortbedingungen reagieren müssen“, sagte er.

    Prognos-Volkswirt fordert Mut

    Aber wie reformwillig ist das Land? Der Chefvolkswirt der Prognos AG, Michael Böhmer: „Die größte Herausforderung, vor der Deutschland steht, ist die innere Haltung zu Reformen.“ Man denke zu klein, statt grundlegende Änderungen anzugehen. Das gelte für die Rente ebenso wie für den Bürokratieabbau und die Digitalisierung. „Wenn die Politik den Mut zeigt, sich selbst und der Gesellschaft Anstrengungen zuzumuten, wird Deutschland wieder zu früherer wirtschaftlicher Stärke zurückfinden können.“ Nach Schätzungen des Ifo-Instituts kosten bürokratische Hindernisse jährlich bis zu 146 Milliarden Euro an Wirtschaftsleistung.

    Zukunftschancen in Deutschland regional unterschiedlich

    Die diesjährige Bestandsaufnahme des Forschungsinstituts Prognos zeigte indessen, dass die Regionen unterschiedlich aufgestellt sind. Die Zukunftschancen in Baden-Württemberg und Bayern sind größer als im Norden, während die ostdeutschen Länder mit Risiken zu kämpfen haben. Entscheidend sei der Ausbau erneuerbarer Energien. Für die Forscher des Ifo-Instituts sind Innovation in Schlüsseltechnologien wie KI, Biotechnologie, Mikroelektronik oder Quantentechnologie Basis für Wachstum. Sie kritisieren, die Politik subventioniere eher Großprojekte etablierter Unternehmen.

    StZ Kompakt - Der Morgen
    Montag - Sonntag um 6.00 Uhr
    Starten Sie mit den wichtigsten Themen aus Stuttgarter Sicht in den Tag und erhalten Sie sonntags die besten Geschichten der Woche.