Netzreaktionen zum WM-Aus
: „Mit der Leichtigkeit eines sterbenden Buckelwals“ - Fans wüten gegen Team und Trainer

Deutschland ist raus. Und das Netz ist sich einig: Die Niederlage gegen Paraguay ist Sinnbild für den Niedergang Deutschlands. Immerhin der Bundeskanzler ist stolz auf die Mannschaft. Aber warum?
Von
Eberhard Wein
Stuttgart
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FIFA Fussball Weltmeisterschaft 2026, Sechszehntelfinale, Deutschland vs. Paraguay, 29.06.2026, Boston Stadium: FIFA Fussball Weltmeisterschaft 2026, Sechszehntelfinale, Deutschland vs. Paraguay, 29.06.2026, Boston Stadium Nick Woltemade Deutschland Kai Havertz Deutschland unzufrieden unglücklich traurig enttäuscht *** 2026 FIFA World Cup, Round of 32, Germany vs. Paraguay, June 29, 2026, Boston Stadium Nick Woltemade Germany Kai Havertz Germany dissatisfied unhappy sad disappointed Copyright: xBahhoxKarax

Schon im Sechzehntelfinale ist Schluss für Kai Havertz und das DFB-Team. Aber wenigstens sitzt man nicht allein im Flieger.

IMAGO/Bahho Kara
  • Deutschland scheidet im Sechzehntelfinale gegen Paraguay aus – große Online-Kritik.
  • Kanzler Friedrich Merz lobt Einsatz und Teamgeist, viele Nutzende widersprechen.
  • Schiedsrichterärger um aberkanntes Tor; doch viele sehen tiefere strukturelle Probleme.
  • Nagelsmann steht in der Kritik: Kaderbau, Auftritt im Sportstudio und Torwartwahl.
  • Zwischen Spott und Zweckoptimismus: Trost über Niederlande und Blick auf „2030“.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Deutschland ist raus. Und im Netz ist man sich einig: Das frustrierende Ausscheiden der Nationalmannschaft im Sechzehntelfinale der Fußball-Weltmeisterschaft gegen ebenso wacker kämpfende wie destruktiv spielende Paraguayer ist ein Sinnbild für den Niedergang Deutschlands. Seit 2018 bekommt das erfolgsverwöhnte Team nichts mehr auf die Reihe. Natürlich wird auch dem Schiedsrichter ein gehöriges Maß an Mitschuld gegeben, der in der Verlängerung ein Tor von Jonathan Tah wegen eines angeblichen Foulspiels aberkannte. Doch das soll für viele nicht die einzige Ausrede sein. Schließlich gibt es ja immer noch die Regenbogenflagge.

Doch beginnen wir mit Deutschlands oberstem Fußballfan. Zumindest Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat sich offenbar an der Spannung der nächtlichen Partie berauschen können.  „Was für ein Spiel, @DFB-Team“, schreibt der Kanzler ergriffen auf dem Nachrichtendienst X und ist sich sicher, dass „Einsatz und Teamgeist unser Land begeistert“ haben. „Wir sind stolz auf Euch.“

So richtig einstimmen in dieses Bekenntnis will aber kaum jemand. Eher ist es Anlass, am Fußballverstand des Kanzlers zu zweifeln und auf seine eigenen politischen Misserfolge zu sprechen zu kommen.  „Das Schönreden desaströser Leistungen ist offenbar Ihre Kernkompetenz“, heißt es. Viele sehen recht humorlos Parallelen zwischen dem Scheitern im Fußball und dem angeblichen Abstieg des gesamten Landes. Andere halten ihm vor, nicht alles mit dem gleichen Maß zu messen: „So eine Leistung wird anerkannt, aber wenn man ein bisschen auf Bürgergeld chillt...“

Für Merz könnte es nun schwieriger werden, glauben manche - und geben sich als ebenso scharfe wie humorlose Analysten. Der deutsche Michel habe das Recht, das Ende des Tankrabatts, den wirtschaftlichen Niedergang und die Sozialreformen nun ohne Sedierung durch ein fußballerisches Großereignis in vollen Zügen zu genießen.

Von dort ist es nur noch ein kurzer Weg, um unselige Debatten der Vergangenheit neu aufzuwärmen. Schon 2018 soll ja Mesut Özil ganz allein am deutschen Desaster Schuld gewesen sein. Dass selbst die germanische Kernkompetenz des Elfmetertretens nicht mehr beherrscht wird, könnte möglicherweise an zu viel Multikulti in der Truppe gelegen haben, vermuten manche. Dieser User fordert gar eine Deutschenquote für die Nationalmannschaft und zeigt dazu ein Bild der Mannschaft von 2006. Wobei: es sind ja sowieso nur Deutsche spielberechtigt - und Miroslav Klose und Lukas Podolski sind bekanntlich in Polen geboren.

Während  auf Elon Musks Übel-Plattform X auch die gute alte Regenbogenflagge wieder einmal als Grund für das Ausscheiden herhalten muss, beschäftigt man sich beim Konkurrenten Bluesky eher mit fußballerischen Dingen. Dort ist es vor allem Bundestrainer Julian Nagelsmann, der - neben dem Schiedsrichter - für den nicht ganz so glücklichen Turnierverlauf verantwortlich gemacht wird. „Asynchron und dysfunktional, dieser Kader ist schief und von einem lernresistenten Arroganzling gebaut“, lautet die gnadenlose Analyse. Und auch wenn sich der Betroffene selbst weiterhin zur Verfügung stellt, ist sich die Community einig: „Nagelsmann hat fertig.“

Auch die Körpersprache des Trainers kommt nicht gut an. Nagelsmann meckere am Seitenstreifen wie ein deutscher Tourist, der kein Schnitzel bekomme. Nach seiner Torwartentscheidung und seinem Auftritt im Sportstudio, wo er nach dem Spiel gegen Ecuador nicht über die Schwächen reden wollte, sei sein Schicksal besiegelt. Nach dem Ausscheiden fangen die Probleme allerdings erst richtig an. „Jetzt wird's schwierig“, meint einer.

Deutschland habe mit der Leichtigkeit eines sterbenden Buckelwals gespielt, analysiert ein anderer. Es sei jetzt aber wirklich höchste Zeit für Aura, fordert ein dritter. Aber es gibt auch Zweckoptimisten. Immerhin bleibe dem Team nun eine Demontage gegen Frankreich erspart. Und dann greife Manuel Neuer natürlich spätestens 2030 wieder an.

Wackeren deutschen Fußballfans bleibt zumindest ein Trost: Wenn es jetzt nach Hause geht, sitzen liebe Nachbarn mit im Flugzeug. Im zweiten Nachtspiel hat auch die Niederlande verloren. Was Anlass gibt für die Neuinterpretation eines alten Klassikers: Ohne Holland fahr'n wir nicht nach Haus. Und wem das nicht reicht, der sei daran erinnert: Wir sind auf jeden Fall besser als Italien.