CDU-Spitzenkandidat Hagels schöne Gefühlswelt

CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel (links) wurde beim Landesparteitag am Samstag in Stuttgart von Bundeskanzler Friedrich Merz unterstützt. Foto: Bernd Weißbrod/dpa

Jetzt ist Manuel Hagel zum Spitzenkandidaten der CDU für die Landtagswahl 2026 gewählt. Bis jetzt präsentiert sich der 37-Jährige aber nur als Marketing-Produkt.

Ostern ist vorbei, aber die CDU lockt die Wählerschaft weiterhin mit einem bunt bemalten Überraschungsei, von dem man nur weiß, dass Manuel Hagel darin hockt. Was der 37-Jährige aus Ehingen an der Donau im Angebot hat, bleibt ungewiss. Im Zweifel ist es CDU-Mainstream, damit eckt er am wenigsten an. Die Rede zu seiner formellen Wahl zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl im Frühjahr 2026 fiel ein weiteres Mal vage aus. Er bot seiner Partei viel Gefühliges – vom „ganz speziellen baden-württembergischen Lebensgefühl“ bis zu den „unschuldigen Kinderaugen auf der Krebsstation“. Doch was bedeutet es, wenn er regieren will „mit Klarheit im Kopf, Feuer im Herzen und dem festen Willen, Gutes zu schaffen“? Hagel hielt eine allzu konstruierte Rede, in der sich als Freund des Futur II bekannte, dessen grammatikalische Anwendung auf die vollendete Zukunft zielt. Er wollte damit auf besonders schlaue Weise seinen Gestaltungswillen kundtun, so etwa in dem Sinn: „Wir werden die Welt gerettet haben.“ Leider brachte er sodann die Futur-II-Konstruktion selbst nicht korrekt über die Lippen. Das ist nicht schlimm, passiert aber, wenn man als mehr erscheinen möchte, als man ist.

 

Der CDU-Hoffnungsträger präsentierte neben Bekanntem (weniger Bürokratie) drei konkrete Ideen. In „Innovationszonen“ – der Begriff erinnert an das Konzept von „Sonderwirtschaftszonen“, wie sie zum Beispiel in China bestehen – sollen Normen und Vorschriften probeweise ausgesetzt werden. Das klingt interessant. Jedoch blieb die zentrale Frage ohne Antwort, um welche landesrechtlichen Regelungen – nur darauf hat die hiesige Politik Zugriff – es gehen könnte. Und wer entscheidet darüber in einem grundsätzlich rechtseinheitlichen Raum? Hagel stellte ein Kinderschutzgesetz in Aussicht, von dem offen blieb, ob darin vorhandene Gesetze gebündelt werden sollen – oder neue hinzukommen. Mehr Regeln sind ja verpönt. Außerdem streifte Hagel den Gedanken, eine zehnte Landesuniversität zu gründen. Ob das nur wieder ein alsbald leise platzender Luftballon war? Schwer zu sagen.

Keine billige Polemik. Immerhin

Zu dem für das Land zentralen Thema der Energiesicherung fiel ihm jedenfalls nichts ein, auch nichts zu den zwanzig Prozent Schülern, die im Bildungssystem untergehen. Zum Klimaschutz kam auch nichts. Darüber zu sprechen, gilt in der Union als nicht opportun. Auch Kanzler Friedrich Merz, der einen Gastauftritt auf dem Landesparteitag gab, sparte dieses Thema gänzlich aus. Positiv zu verzeichnen war, dass Hagel auf billige Polemik gegen die parteipolitische Konkurrenz verzichtete. Er wollte seiner Partei, siehe oben, ein gutes Baden-Württemberg-Gefühl vermitteln. Aber schöne Gefühle allein befähigen nicht zum Regieren.

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