Mit weniger als 25 Prozent Füllstand erreichen deutsche Gasspeicher historische Tiefststände im Winter – die Branche warnt vor Engpässen womöglich schon ab 20 Prozent.

Die deutschen Gasspeicher haben alarmierend niedrige Füllstände unterschritten, was nun zu einer Sondersitzung des Bundestagsausschusses für Wirtschaft und Energie führt. Mit einem aktuellen Füllstand unter 24 Prozent im bundesweiten Durchschnitt (Stand 16. Februar) – in Bayern noch weniger – sind die Gasvorräte so gering wie noch nie zuvor zu dieser Jahreszeit.

 

Die Grünen haben sich mit ihrer Forderung nach dieser außerordentlichen Sitzung durchgesetzt, die am Dienstag (17. Februar) allerdings als nicht-öffentliche Zoom-Konferenz hinter verschlossenen Türen stattfindet.

Intransparente Gasspeicher-Sitzung im Bundestag

Teilnehmen werden Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) sowie der Präsident der Bundesnetzagentur Klaus Müller (Grüne), der für die Überwachung der deutschen Gasversorgung zuständig ist. Dabei mangelte es im Vorfeld an Transparenz und medialer Reaktionsbereitschaft, was von Beobachtern immer als Warnsignal interpretiert werden kann.

Weder die Bundesnetzagentur noch die Leitung des für die Versorgung in Bayern und Süddeutschland kritischen Speichers Haidach äußerten sich am Montag, 16. Februar, auf Anfrage zu den dortigen Füllständen. Der Speicher Haidach ist größer als alle anderen in Bayern zusammen und liegt auf österreichischem Gebiet. Deutschland hat rund 50 Prozent Anspruch auf die Entnahme - früher war die Anlage nur mit dem deutschen Netz verbunden, über das auch die westösterreichischen Bundesländer Tirol und Vorarlberg vollständig versorgt wurden.

Speicherfüllstand in Haidach

Über eine reine Online-Recherche ist der Füllstand in Haidach allerdings nicht ohne Schwierigkeiten voll zu überblicken. Eigentlich gibt es dort zwei Speicher. Der Untergrundspeicher Haidach (SEFE) ist laut europäischem AGSI-Portal noch zu 29,9 Prozent gefüllt - der Untergrundspeicher "7fields" von Uniper zu 37 Prozent. Unklar war im Detail jedoch, welchen Anteil Deutschland hier jeweils hat - und ob möglicherweise ein Teil der Vorräte zur strategischen Gasreserve in Österreich zählt.

Auf dem deutschen INES-Portal werden die Speicherkapazitäten im Inland indes teilweise gepoolt nach Betreiber angezeigt. Rückschlüsse auf einzelne Anlagen sind zum Teil nur mit weiteren Berechnungen möglich.

Gas für Süddeutschland

Beobachter und Branchenkenner sehen in Haidach einen möglicherweise neuralgischen Punkt für die Gasversorgung in der süddeutschen Wirtschaft.

Denn wenn der Speicherstand im Norden zu stark absinkt, könnte der Transport durch sinkenden Druck im Fernleitungsnetz ohne Reserven im Süden unter Umständen schwieriger werden, heißt es. Potenziell sei dies zumindest stundenweise kritisch für Lastspitzen an kalten Tagen, falls der Mangel nicht durch gute LNG-Disposition aufgefangen werden könne, so die Befürchtung für den Extremfall.

CDU-Wirtschaftsministerin Katherina Reiche – Spitzname „Gas-Kathi“ – muss im Bundestag Rede und Antwort stehen. Foto: Sven Hoppe/dpa

Frost leert die Gasspeicher

Der rapide Rückgang der Gasvorräte wird auf das kalte Wetter der vergangenen Wochen zurückgeführt. Bereits im vorigen Sommer hatte die Energiebranche vor knappen Vorräten bei sehr kalten Witterungsverhältnissen gewarnt. Trotzdem unternahm das Wirtschaftsministerium offenbar zu wenig, um die Reserven zu erhöhen. Branchenvertreter befürchten nun gewisse Engpässe bei der Versorgung, sollten die Temperaturen in den kommenden Wochen niedrig bleiben.

Das Bundeswirtschaftsministerium und die Bundesnetzagentur bestreiten diese potenzielle Gefahr allerdings. Sie verweisen auf freie Kapazitäten der LNG-Terminals an der Küste, über die bei Bedarf mehr Flüssiggas importiert werden solle. Zudem könne auf Gasspeicher in Nachbarländern zurückgegriffen werden.

Gasmangel schon ab 20 Prozent Füllstand?

Die Situation wirft Fragen zur langfristigen Versorgungssicherheit auf und könnte möglicherweise auch zu Preissteigerungen führen, falls zusätzliche Gasimporte notwendig werden.

Mahnende Stimmen weisen zudem darauf hin, dass die Ausspeisung von Gas aus den Speichern womöglich bereits bei 20 Prozent Füllstand aus physikalischen Gründen deutlich schwieriger werden könnte. Dieses mutmaßlich kritische Niveau könnte Ende Februar oder Anfang März erreicht sein. Bei den 20 Prozent handelt es sich allerdings nicht um eine feste Grenze, sondern um eine Art heuristischen Wert, der in den vergangenen Jahren wiederholt in der öffentlichen Diskussion aufgetaucht ist.

Süddeutschland als Schwachpunkt bei Krisenübung LÜKEX

Es kommt aber auch darauf an, wie sich die Füllstände regional verteilen. So ist zum Beispiel der Etzel-Speicher der EnBW bei Wilhelmshaven an der Nordsee mit über 40 Prozent noch gut gefüllt, während es im Süden wesentlich knapper aussieht. Gerade Süddeutschland war auch bei der Krisenübung LÜKEX im Jahr 2018 als möglicher Schwachpunkt identifiziert worden - damals allerdings noch ohne LNG-Lieferungen und mit starker Abhängigkeit von der inzwischen sabotierten Nordstream-Pipeline. In Baden-Württemberg gibt es aus geologischen Gründen kaum Speicherkapazitäten vor Ort.

Dennoch sollten die Pipeline- und LNG-Importe laut Experten im Prinzip ausreichen, um den Bedarf jederzeit zu decken, heißt es bislang. Zumindest, wenn nichts extrem Überraschendes passiert. Auch das Niveau der Gaspreise am Spotmarkt zeigt im Februar keine übermäßige Anspannung.