Kommunalwahl in Gerlingen AfD sitzt künftig im Gemeinderat
Die Rechtsaußenpartei erringt im Gerlinger Gremium einen Sitz. Die Grünen verlieren Stimmen. Stärkste Kraft ist jetzt die CDU.
Die Rechtsaußenpartei erringt im Gerlinger Gremium einen Sitz. Die Grünen verlieren Stimmen. Stärkste Kraft ist jetzt die CDU.
In Gerlingen wird erstmals die AfD im Gemeinderat vertreten sein. Auch wenn es nur ein Sitz ist, den die Partei erringen konnten, der Einzug der Rechtsextremen dürfte für die traditionell bürgerlich geprägte Strohgäugemeinde eine Zäsur darstellen. 2,39 Prozent der Wahlberechtigten Gerlinger haben sich bei der Kommunalwahl dafür entschieden, AfD zu wählen. 4858 Stimmen konnten die beiden Kandidaten Ralph Flöter und Dennis Rybka auf sich vereinen.
Wie im Bundestrend geht der Einzug der AfD auch in Gerlingen im Wesentlichen zu Lasten der Grünen, die deutlich schlechter abschneiden als im Jahr 2019 und einen Sitz im Gemeinderat verlieren – jetzt drei statt zuvor vier. Die Grünen kommen nur noch auf 15,5 Prozent (2019: 19,5). Stärkste Fraktion im Gremium wird künftig die CDU sein, die 23,7 Prozent der Stimmen auf sich vereint (2019: 21,9). Die Freien Wähler (FW), bislang stärkste Kraft, verliert moderat und liegt jetzt bei 22,6 Prozent (2019: 23,4). Beide Fraktionen können damit ihre fünf Sitze im Gemeinderat verteidigen.
Die Wählervereinigung Junge Gerlinger (JG) legt zu und kommt auf 16,6 Prozent (2019: 15,5) der abgegebenen Stimmen. Die JG zieht damit an den Grünen vorbei und ist künftig drittstärkste Kraft im Gemeinderat. Wie bisher sind den Jung-Politikern vier Sitze sicher.
Die SPD gewinnt leicht und steht nun bei 10,6 Prozent (2019: 9,8), wird aber wie die FDP erneut lediglich mit zwei Sitzen im Gemeinderat vertreten sein. Die Freien Demokraten erzielen 8,8 Prozent (2019: 9,9). Stadtrat Martin Nufer (Freie Wähler) ist mit 6358 Wählerstimmen neuer Stimmenkönig in Gerlingen.
Nicht überraschend, ist der Einzug der AfD am Montagabend das dominierende Thema unter den Gerlinger Stadträten: CDU-Fraktionssprecher Christian Haag freut sich zwar über das Abschneiden seiner Partei. Dass die AfD nun erstmals einen Stadtrat stellt, sei aber „ein Wehrmutstropfen“, so Haag. „Man wird sehen müssen, wie man miteinander auskommt“, sagt der Fraktionssprecher. Es gehöre zur Demokratie, das Ergebnis zu akzeptieren, „ob es einem gefällt oder nicht.“
FW-Sprecher Martin Nufer erklärt den Verlust des Spitzenplatzes seiner Partei vorrangig mit dem Abgang der langjährigen Stimmenkönigin Petra Bischoff. In Hinblick auf die Stimmen, die die AfD erzielt hat, hält Nufer es für angebracht, über eine Sperrklausel auch auf kommunaler Ebene nachzudenken.
Björn Maier (Grüne) erklärt, „es schmerzt als starke demokratische Kraft sehr, dass die Grünen einen Sitz verlieren und die AfD einen Sitz gewinnt“. Die Gründe für das schlechte Abschneiden seiner Partei verortet Maier vorrangig im Trend auf Bundesebene. „In Gerlingen sind wir mit mehr als 15 Prozent noch relativ stark.“ Dass sich das politische Klima im Gemeinderat nun ändert, hält der Grüne für nicht unwahrscheinlich. „Für uns ist klar, dass wir politisch nicht mit der AfD zusammenarbeiten“, betont Maier.
Die scheidende Sprecherin der JG im Gemeinderat, Judith Stürmer, erklärt in Hinblick auf den neuen AfD-Stadtrat Ralf Flöter, es sei eine Herausforderung, der man sich stellen müsse. „Ich bin froh, dass es nur ein Sitz ist und dass wir in Gerlingen im Landkreisvergleich sehr geringe AfD-Anteile haben“, sagt Stürmer. Die hohe Wahlbeteiligung von 68,2 Prozent (2019: 66,5 %) bewertet Bürgermeister Dirk Oestringer (parteilos) positiv: „Die Stadtgesellschaft ist politisch noch interessierter geworden.“, so Oestringer. Im 22 Sitze umfassenden Gerlinger Gemeinderat werden künftig zehn neue Stadträte vertreten sein. Der neue Gemeinderat konstituiert sich am 24. Juli.