Parteien auf der Didacta Viel Aufregung um AfD-Stand auf Bildungsmesse

Auch dieses Jahr werden bei der Didacta wieder Hunderte Aussteller erwartet. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Parteien als Aussteller sind neu bei der Bildungsmesse Didacta. Um den Stand der Landes-AfD gibt es im Vorfeld kontroverse Debatten: Soll man die Messe deswegen boykottieren – oder lieber gelassen bleiben?

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Andreas Müller (mül)

Politische Parteien waren bisher nicht als Aussteller auf der Didacta präsent. Doch in diesem Jahr, da die Bildungsmesse (11. bis 15. Februar) kurz vor der Bundestagswahl stattfindet, ist das anders. Gleich drei politische Kräfte sind in Halle 7 mit benachbarten Ständen vertreten: die CDU-Landtagsfraktion, der Grünen-Landesverband und die AfD Baden-Württemberg. Im kurzen Winterwahlkampf wird eben jedes Forum genutzt.

 

Bei mehr als 750 Ausstellern und einem überwiegend fachlich fokussierten Publikum dürften die Parteistände keine große Rolle spielen. Doch seit sich die Teilnahme der „Alternative für Deutschland“ herumgesprochen hat, herrscht helle Aufregung in Teilen der Bildungslandschaft. „Demokratie braucht Bildung, Bildung braucht Demokratie“ lautet das Motto der diesjährigen Didacta, die unter der Schirmherrschaft des Kultusministeriums von Theresa Schopper (Grüne) steht. Wie passt dazu die Beteiligung der AfD, die im Südwesten als rechtsextremistischer Verdachtsfall vom Verfassungsschutz beobachtet wird und sich bildungspolitisch mit höchst umstrittenen Initiativen profiliert?

Aufruf zu Protesten bei den Veranstaltern

Gar nicht, finden viele Akteure aus dem Bildungsbereich. Vor wenigen Tagen wurde der Eintrag aus dem Ausstellerverzeichnis in den sozialen Medien gepostet, seither geht es hoch her in den Foren. „Schockiert“ und mit „absolutem Unverständnis“ äußern sich Kritiker über die Teilnahme, gerade nach der turbulenten Woche im Bundestag sei diese ein neuer Tiefschlag. Die Fachmesse dürfe nicht auch noch zum Einfallstor für die Rechtspopulisten werden, heißt es da. Schon wird diskutiert, ob man die Didacta dieses Jahr boykottieren oder zumindest dort gegen die AfD demonstrieren solle. Allenthalben ergehen Aufforderungen, die Veranstalter mit Protestnoten zu überfluten.

„Wir beobachten die kontroverse Diskussion … aufmerksam“, bekundet ein Sprecher der Messe Stuttgart, die von Land, Stadt und Region getragen wird. Inhaltlich vermeidet er jede Stellungnahme. Man bewerte die Teilnahme oder den Auftritt von Ausstellern grundsätzlich nicht. Voraussetzung für die Zulassung sei, „dass die gezeigten Inhalte nicht gegen Gesetze verstoßen und unserem Produkt- und Dienstleistungsverzeichnis entsprechen“. Darüber hinaus habe die Messe keine Handhabe, um Interessenten abzuweisen. Mit ihrem diesjährigen Leitthema Demokratiebildung, so der Sprecher, stehe die Didacta „für ein demokratisches, vielfältiges und tolerantes Miteinander“.

Lehrerverband äußert sich zurückhaltend

Das Messe-Motto widerspreche „allem, was die AfD vertritt“, meint ein Sprecher der Landtags-Grünen. Die Didacta sei ein „Format mit Zukunft“, doch die Partei wolle „bildungspolitisch in die Vergangenheit“. Zurückhaltender äußert sich der Deutsche Lehrerverband als Partner der Messe. Man nehme „zur Kenntnis“, dass jede im Bundestag oder Landtag vertretene Partei als Aussteller präsent sein könne, sagt der Präsident Stefan Düll. Der Verband positioniere sich „klar gegen jede Form von Extremismus und Diskriminierung“ und trete für eine „offene, tolerante und inklusive Gesellschaft“ ein. An Teilnehmer und Besucher der Didacta appelliert Düll, „sich respektvoll und konstruktiv zu verhalten und den Dialog zu suchen, um gemeinsam an einer besseren Zukunft zu arbeiten“. Andere Organisationen arbeiten offenbar noch an Stellungnahmen. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hatte voriges Jahr zur kritischen Auseinandersetzung mit der AfD aufgerufen. Lehrerinnen und Lehrer sollten im Unterricht klar herausarbeiten, dass es sich um eine „Partei mit verfassungsfeindlichen Tendenzen handele“, sagte die Bundesvorsitzende Maike Finnern.

Im Kultusministerium von Theresa Schopper heißt es, man habe keinerlei Einfluss auf die Auswahl der Aussteller. Ein Sprecher riet jedoch zur Gelassenheit. Angesichts des stark fachlich und pädagogisch geprägten Publikums habe man „wenig Sorge, dass die Thesen größere Verbreitung finden“. Auch der bekannte Bildungsblogger und „Netzlehrer“ Bob Blume will der AfD nicht zu viel Aufmerksamkeit schenken. Der Umgang der Messe mit der Partei sei zwar „zumindest unglücklich“, aber man solle lieber über die „vielen großartigen Projekte“ zur Stärkung der Demokratie sprechen.

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