Trump, Putin, Populismus – Europa steht mächtig unter Druck. Einige Stuttgarter wollen für Demokratie, Freiheit und Grönland auf die Straße gehen – und das regelmäßig.
Vermutlich geht es in jüngerer Zeit vielen Menschen so wie Stefan Bammesberger und Holger Armbruster. Eine schlechte Nachricht jagt die nächste. Im Osten Europas tobt der Krieg in der Ukraine, im Westen verlieren die USA immer mehr den Status des verlässlichen Partners. Wladimir Putin erhebt Anspruch auf den Donbass, Donald Trump auf Grönland. Die Verunsicherung wächst, zahlreiche Europäer machen sich Sorgen um die Zukunft. Gerät man mitsamt der Demokratie unter die Räder?
„Ich habe bei mir selbst eine gewisse Schockstarre festgestellt“, erzählt Bammesberger. Man versuche beinahe schon automatisch, solche Themen im privaten Umfeld nicht anzusprechen, um keine schlechte Stimmung zu erzeugen. „Es gibt schon sehr viele Grenzüberschreitungen derzeit auf allen Ebenen“, sagt der junge Familienvater aus Stuttgart. Man wolle wegschauen, könne es aber nicht. Der vorläufige negative Höhepunkt sei für ihn die Diskussion um Grönland gewesen. „Ich habe mich gefragt, was denn noch passieren muss, damit die Menschen auf die Straße gehen, um ihre Unterstützung zu zeigen.“
Mit einer kleinen Gruppe von Leuten sei man schließlich zum Entschluss gekommen, dass man selbst etwas auf die Beine stellen muss. „Demokratie und europäischer Zusammenhalt sind längst nicht mehr selbstverständlich“, sagt Armbruster. Europa sei kein abstraktes Projekt: „Es betrifft unseren Alltag, unsere Freiheit und unsere Zukunft. Ich glaube fest daran, dass Demokratie davon lebt, dass Menschen Verantwortung übernehmen und Präsenz zeigen – gerade dann, wenn es unbequem wird.“
Gemeinsam haben die Stuttgarter die Initiative Stronger Together EU aus der Taufe gehoben. Bewusst als Graswurzelbewegung, ohne Partei oder Verein. Die ersten Mitstreiter sind gefunden. „Ein großes Anliegen ist es uns, das Thema nicht nur in Internetforen und der digitalen Welt zu platzieren, sondern ein Forum in der echten Welt zu bieten“, sagt Bammesberger. Deshalb will man künftig an jedem ersten Samstag im Monat in Stuttgart auf die Straße gehen, um für Europa und Demokratie zu werben. Dafür hat man auch Kontakt zur Vereinigung Pulse of Europe aufgenommen, die ebenfalls immer wieder entsprechende Veranstaltungen organisiert.
Los geht es an diesem Samstag, 7. Februar. Treffpunkt ist zur symbolischen Uhrzeit um fünf vor zwölf im Schlossgarten an der Oper. Anschließend bewegen sich die Teilnehmer ohne große Reden, aber mit Musik, Bannern, Fahnen und Flyern zum Marktplatz. Von 11.30 Uhr an gibt es einen Schminkstand vor dem Opernhaus.
Den Organisatoren ist klar, dass sie zum Auftakt wohl nicht die ganz große Menschenmenge auf die Beine bringen werden. „Aber wir hoffen, dass die Bewegung schrittweise wächst und wir damit etwas ins Rollen bringen“, sagt Bammesberger. Und vielleicht, so der Traum der Europa- und Demokratiefreunde, gelinge es, ein paar aufmunternde Bilder zu schaffen, die ihren Weg auch nach Grönland finden. Damit die Schockstarre sich auflöst.