Umfrage zur Landtagswahl Özdemir toppt Hagel – CDU sticht Grüne
Person oder Partei? Einen Teil ihrer Spannung bezieht die Wahl am 8. März aus dem Umstand, dass der stärkste Spitzenkandidat der lediglich zweitstärksten Partei angehört.
Person oder Partei? Einen Teil ihrer Spannung bezieht die Wahl am 8. März aus dem Umstand, dass der stärkste Spitzenkandidat der lediglich zweitstärksten Partei angehört.
Handelte es sich bei der Landtagswahl um eine Oberbürgermeisterwahl, die Sache wäre entschieden – so deutlich liegt der Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir vor seinem CDU-Widersacher Manuel Hagel. Bei der neuen Umfrage von Stuttgarter Zeitung und SWR würden sich bei einer Direktwahl des Ministerpräsidenten derzeit 39 Prozent für Özdemir aussprechen, aber nur 19 Prozent für Hagel.
Der CDU-Landeschef konnte im Vergleich zur Oktober-Umfrage zwar um zwei Prozentpunkte zulegen, während Özdemir zwei Prozentpunkte verlor. Doch Hagel ist vielen Menschen immer noch kein Begriff. Das zeigt auch die Erfahrung im Wahlkampf. Özdemir hingegen genießt weithin Bekanntheit.
Der AfD-Spitzenkandidat Markus Frohnmaier, ein 34-jähriger Studienabbrecher aus dem ultrarechten Spektrum mit Kontakten zum Putin-Regime in Russland, wird von immerhin neun Prozent der Befragten als Ministerpräsident gewünscht. Die Wahl zum Regierungschef wäre der einzige Grund für Frohnmaier, nach Stuttgart zu kommen, denn für den Landtag kandidiert der Vertraute von AfD-Chefin Alice Weidel nicht. Die anderen Spitzenkandidaten wurden bei der Frage nach dem gewünschten Ministerpräsidenten nicht berücksichtigt.
Die Landtagswahl ist allerdings keine Oberbürgermeisterwahl; eine Direktwahl des Ministerpräsidenten ist nicht vorgesehen, dieser wird vielmehr vom Landtag bestimmt. Der Blick auf die Parteien verändert die Erfolgsprognose für die Wahl am 8. März. Denn eine relative Mehrheit der Befragten wünscht eine CDU-geführte Landesregierung. 40 Prozent der Befragten sagen das. 32 Prozent plädieren für die Grünen als bestimmende Kraft in der Regierung. Die Grünen können um drei Prozentpunkte zulegen, während die CDU stagniert.
Dazu kommt allerdings, dass die CDU bei der Frage nach der allgemeinen Sachkompetenz mit 25 Prozent vorne liegt, die Grünen folgen mit 17 Prozent. Die AfD erreicht 16 Prozent. Nur fünf Prozent favorisieren SPD oder Linke als besonders kompetent. Die FDP verliert sich bei der Kompetenzzuschreibung mit drei Prozent in den Grenzregionen der Wahrnehmbarkeit.
Grünen-Spitzenkandidat Özdemir sagte dieser Tage, die FDP habe in Berlin zweimal versagt: „Sie hat der Jamaika-Koalition den Stecker gezogen, und sie hat die Ampel-Koalition chaotisiert.“ Das hätten die Menschen nicht vergessen.
CDU-Landeschef Hagel liebäugelte zuletzt mit einer so genannten Deutschland-Koalition aus CDU, SPD und FDP. Das sind zum einen taktische Signale: Hagel kann auf diese Weise den Preis für ein neues Bündnis mit den Grünen in die Höhe treiben. Zum anderen gibt es in der CDU eine sehr starke Strömung, die genug hat von Klimaschutz und anderen Themen, die als grün wahrgenommen werden. Nach der neuen Umfrage kämen CDU, SPD und FDP jedoch auf nur bedingt aussichtsreiche 42 Prozent.
CDU-Spitzenkandidat Hagel kann für sich verbuchen, dass sein Abgrenzungskurs gegen die AfD wirkt. Vor Veröffentlichung der neuen Umfrage war ein leichter Rückgang der CDU zugunsten der AfD erwartet worden. Dies ist nicht eingetreten.
Der Zuwachs für die Grünen wiederum scheint eher der SPD abträglich zu sein. Zu denken gibt freilich, dass ausweislich der Umfrage etwa ein Drittel der Stimmen für eine Regierungsbildung gar nicht infrage kommen. AfD, Linke und sonstige Bewerber vereinigen ein Stimmenpotenzial von 35 Prozent. Linke und AfD scheiden für die anderen Parteien als Koalitionspartner aus.
Im liberalen Teil der CDU hält man zwar eine Äquidistanz zu AfD und Linken für nicht mehr angemessen. Der eigentliche Gegner stehe rechts, heißt es. Aber die Linke einbeziehen wollen weder CDU noch Grüne oder SPD, auch nicht die rechtslibertär abdriftende Südwest-FDP.