Wahlkreis Neckar-Zaber
: Gramling legt um 20 000 Stimmen zu – das reicht für den Bundestag

Einige CDU-Politiker sind bei der Bundestagswahl trotz Direktmandat gescheitert. Das liegt am neuen Wahlrecht. Fabian Gramling aus dem Wahlkreis Neckar-Zaber schaffte es.
Von
Oliver Schaewen
Ludwigsburg
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Fabian Gramling nahm am Sonntag Glückwünsche entgegen.

Werner Kuhnle

Am Montag schnaufte Fabian Gramling durch. Ein langer Wahlabend lag hinter ihm – sein Sieg mit 39,3 Prozent der Erststimmen im Wahlkreis Neckar-Zaber stand zwar früh fest, doch erlebten CDU-Parteifreunde in anderen Wahlkreisen ein böses Erwachen. Wer als Christdemokrat in Baden-Württemberg unter 34,8 Prozent blieb, schaffte es trotz Direktmandat nicht.

Gramlings Glück: Der Bundestagsabgeordnete ist in seinem Wahlkreis rund um Bietigheim-Bissingen die unbestrittene Nummer eins. Im Vergleich zur Wahl vor dreieinhalb Jahren mit 30,4 Prozent legte er noch einmal fast neun Prozent zu. Statt rund 56 000 Wähler, stehen nun etwa 76 000 Wähler hinter ihm. Ein Ergebnis, das nicht nur durch die hohe Wahlbeteiligung von 85,7  Prozent zu erklären ist, sondern auch durch den Amtsbonus, eine solide Außenwirkung und einen – wie Gramling selbst findet – engagiert geführten Wahlkampf.

Das stillgelegte Kernkraftwerk Neckarwestheim liegt im Wahlkreis Neckar-Zaber.

Foto: dpa/Uwe Anspach

Im Landesvergleich der CDU-Kandidaten belegt der 37-jährige Wirtschaftsexperte Rang sechs. Konkurrenz machte ihm in erster Linie der AfD-Antipode Dieter Glatting – mit 61-Jahren und der Empfehlung, die Fraktion in Berlin unter anderem bei der von ihr beabsichtigten Wiedereinführung von Kernkraft zu beraten. Möglicherweise bremste das den ehemaligen Mitarbeiter für Atomkraft-Sicherheit aber auch aus: Glatting blieb mit 19,5 Prozent unter seinem Zweitstimmen-Ergebnis von 20,3 Prozent. Listenplatz 22 reichte nicht – es hätte Nummer 19 sein müssen.

Atomkraft: Gramling plädiert für langfristige Technologieoffenheit

Apropos Atomkraft: Fabian Gramling, in seiner Fraktion für Wirtschaft und Energie zuständig, plädiert zwar für Technologieoffenheit und eine langfristige Perspektive für deutsche Kernfusion-Unternehmen im eigenen Land, schließt aber eine Wiederinbetriebnahme des Atomkraftwerks in Neckarwestheim allein schon aus technischen und zeitlichen Gründen aus. „Wir müssen uns jetzt auf Gaskraftwerke, Netzausbau und Speicherkapazitäten konzentrieren und schnell die Rahmenbedingungen klären.“

Ein Stopp der ungeregelten Migration, Arbeitsplatzsicherheit und die innere Sicherheit: Diese Themen sind im Sinne eines Politikwechsels in einer Koalition für Gramling zentral. In welchen Bereichen er künftig mitwirkt, könne er noch nicht sagen, würde aber in Wirtschaft und Energie weiterhin seinen Schwerpunkt sehen.

Gerne vor dem AfD-Mann Glatting wäre der SPD-Kandidat Mario Sickinger gelandet. Das Ziel hat der 30-Jährige aus Beilstein mit 15 Prozent der Erststimmen zwar verfehlt, er kann sich aber damit trösten, dass er fast den Landesdurchschnitt von 15,8 Prozent erreicht hätte und bei den Zweitstimmen sogar mit 14,4 Prozent leicht über dem SPD-Durchschnitt von 14,2 Prozent im Land Baden-Württemberg lag.

Der Grünen-Kandidat Lars Schweizer musste Federn lassen

Federn lassen musste der Grünen-Kandidat Lars Schweizer. Der Freiberger hatte bei der Wahl 2021 einen Wert von 15,7 Prozent erzielt, lag aber am Sonntag nur bei 11,6 Prozent – und damit 2,4 Prozent unter dem Landesdurchschnitt. Auch bei den Zweitstimmen performte Schweizer in ähnlicher Höhe unter dem Schnitt der Grünen-Kandidaten.

Zufrieden ist die Linke Julia Schlembach, die ein Plus von 2,5 Prozent einfuhr und bei 5,1 Prozent landete, etwas unter dem Landesdurchschnitt von 5,7 Prozent. Wird das allgemein gute Abschneiden der Linkspartei auch auf erhöhte Social-Media-Aktivität zurückgeführt, hielt sich Schlembach zurück. Sie hat knapp 250 Follower auf Instagram, während es zum Beispiel Fabian Gramling auf 4672-Instagram-Anhänger und 518 ständige TikTok-Abnehmer bringt. Am ehesten an diese Zahlen kommt Lars Schweizer heran mit 1608 Instagram-Followern.

Enttäuschend verlief die Wahl für die FDP auch im Wahlkreis Neckar-Zaber. Der Erdmannhäuser Pharmaberater Andrey Belkin erreichte in den Erststimmen 4 Prozent, bei den Zweitstimmen 6,3 Prozent – ein Minus von mehr als acht und zehn Prozent. Seine persönlichen Werte entsprechen in etwa dem der FDP im Landestrend.

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