Bundestagswahl
: „Wir sind klarer Sieger“: So hat der Wahlkreis Waiblingen gewählt

Die FDP wäre im Wahlkreis Waiblingen klar im Bundestag, die AfD nicht so stark wie im republikweiten Schnitt: Die Wahl weicht im Remstal durchaus vom Gesamtergebnis ab.
Von
Sascha Schmierer und Annette Clauss
Rems Murr Kreis
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Auf Tuchfühlung mit Parteichef Friedrich Merz: Christina Stumpp in Berlin.

dpa/Marcus Brandt

Strahlende Gesichter bei den Christdemokraten, Ernüchterung bei der SPD – und Jubel bei der AfD: Als um 18 Uhr die ersten Hochrechnungen über die Bildschirme flimmern, zeichnet sich ab, wie sich die Verhältnisse im Rems-Murr-Kreis verschieben werden. Nach der Auszählung der Wahlbezirke in den Kommunen steht fest: Die CDU findet zu früherer Stärke zurück, die SPD verliert deutlich an Boden, die Grünen bleiben unter ihren Erwartungen – und die AfD verzeichnet beachtliche Zugewinne.

Im Wahlkreis Waiblingen würde auch die FDP den Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde locker schaffen – die 6,8 Prozent sind allerdings ein Ergebnis, das den Liberalen beim Blick auf die bundesweite Zitterpartie wenig bringen dürfte. Bis spät in die Nacht war nicht klar, ob die Lindner-Riege nach dem Aus für die Ampel-Koalition vom Wähler nur mit deutlichen Stimmenverlusten abgestraft wird oder komplett aus dem Bundestag fliegt.

CDU-Sieg im Wahlkreis Waiblingen: Stumpp sichert Mandat

Christina Stumpp (CDU) konnte sich hingegen bereits früh relativ sicher sein, dass ihr Direktmandat nicht in Gefahr ist. Die stellvertretende Generalsekretärin der Christdemokraten – bei der Wahlfeier der CDU im Konrad-Adenauer-Haus am Sonntagabend im pinken Blazer direkt neben Kanzlerkandidat Friedrich Merz auf dem Podium – wird ihren Arbeitsplatz in Berlin behalten. 33,3 Prozent hat die CDU im Wahlkreis Waiblingen erhalten – das ist deutlich mehr als die 28,9 Prozent der Stimmen, die den Christdemokraten bundesweit zugerechnet werden.

„Die Ampel ist abgewählt, die Kanzlerpartei verliert deutlich, wir haben klar die Wahl gewonnen“, sagt Christina Stumpp in Berlin. Schon kurz nach dem Bekanntwerden der ersten Hochrechnungen ist die Erleichterung im CDU-Lager deutlich spürbar. In ARD und ZDF spricht Parteichef Merz vom Politikwechsel, an der Basis beglückwünschen sich die Wahlhelfer für das Engagement im Hochtempo-Wahlkampf der vergangenen Wochen. Bedrückter ist die Stimmung bei der SPD. 16,3 Prozent hat die bisherige Kanzlerpartei bundesweit erhalten, im Wahlkreis Waiblingen sind es 14,7 Prozent.

Von einer „zweigeteilten Stimmung“ spricht SPD-Kandidat Urs Abelein mit Blick auf das Ergebnis. Da ist die Enttäuschung, dass sich die schlechten Prognosen für seine Partei tatsächlich erfüllt haben. Andererseits ist der 34-jährige Hobby-Imker auch froh, dass die Zeit des sehr intensiven Wahlkampfs nun ein Ende hat. Zum Ergebnis der Bundestagswahl sagt der Ingenieur aus Waiblingen-Neustadt: „Ich glaube nicht, dass das gut für unser Land ist – speziell das AfD-Ergebnis.“ Nun müsse man schauen, welche Regierungskonstellation möglich sei.

„Das Ergebnis ist grundsätzlich keine große Überraschung“, sagt Sarah Heim von den Grünen. Nun heiße es abwarten, auf welches Ergebnis ihre Partei unterm Strich komme. „Ich hoffe, dass es die FDP und BSW nicht in den Bundestag schaffen“, kommentiert die Kandidatin am Wahlabend die Zitterpartie bei der politischen Konkurrenz. Das gute Ergebnis der Partei Die Linke zeige aber auch, dass es die Grünen im Wahlkampf nicht geschafft habe, linkes Wählerpotenzial anzusprechen. „Man hätte mehr auf die linke Strömung innerhalb der Partei und deren Themen setzen müssen“, kritisiert sie den Kurs von Kanzlerkandidat Robert Habeck. Im Wahlkreis Waiblingen sind die Grünen bei 12,8 Prozent der Stimmen gelandet, das bundesweite Ergebnis liegt bei gerade mal 12 Prozent

AfD feiert Rekordresultat: Stimmung auf der Wahlparty euphorisch

Die Stimmung bei der AfD-Wahlparty sei ausgesprochen gut, berichtet Lars Haise: „Wir hoffen und drücken die Daumen, dass der Balken noch über 20 Prozent geht.“ Trotz medialem Gegenwind und allen Kampagnen habe seine Partei das beste Ergebnis bei einer Bundestagswahl einfahren können. „Die AfD steht besser da als zuvor“, kommentiert Haise. Im Wahlkampf habe er viel mehr Zulauf registriert: „Die Infostände waren gerammelt voll.“ Die hohe Wahlbeteiligung wertet Lars Haise als Indiz dafür, dass „die Leute die Nase voll haben und Veränderung wollen“. 20,5 Prozent der Bundesbürger haben die rechtsextreme Partei gewählt, im Wahlkreis Waiblingen sind es 18,6 Prozent.

Für die FDP bleibt das Ergebnis ernüchternd. Der Wirtschaftsprofessor Stephan Seiter, aktueller Bundestagsabgeordneter, muss bangen, ob es seine Partei in den Bundestag schafft. Bei der Wahlparty der Rems-Murr-FDP im Remshaldener Hirsch ist das Zittern um den erneuten Einzug in den Bundestag greifbar. „Es ist nur ein Muggaseggele“, sagt Stephan Seiter, was fehle. Die ARD sieht die Liberalen mit 4,9 Prozent knapp unter der magischen Marke, das ZDF rechnet mit einer Punktlandung exakt auf der Fünf-Prozent-Hürde. Je weiter es Richtung Mitternacht geht, desto weniger steht hinterm Komma. Wo es letztlich hingeht, ist bis spät in die Nacht nicht klar.

FDP bangt um Bundestagseinzug: Seiter wird es wohl nicht schaffen

Stephan Seiter geht allerdings davon aus, dass er dem neuen Bundestag mit einem neunten Platz auf der Landesliste auch dann nicht angehören wird, wenn seine Partei den Sprung in den Bundestag noch schaffen sollte. Ob die FDP von den Wählerinnen und Wählern für den Bruch der Ampelkoalition abgestraft worden ist, will der Fellbacher am Wahlabend nicht abschließend beurteilen. „Das müssen wir in Ruhe analysieren. Es gab ja auch kritische Stimmen, für die das Ampel-Aus viel zu spät gekommen ist“, sagt Seiter.

Hinweis: Dieser Artikel basiert auf den vorläufigen Auszählungsergebnissen vom Abend des 23. Februar. Endgültige Resultate können davon abweichen.

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