Jetzt hier abstimmen!: „Autokrise“, „San Francisco“, „Hassliebe“ – Stuttgart-Unwort des Jahres gesucht

Hat OB Noppers San Francisco-Vergleich, die Automobilkrise oder die Hassliebe zwischen Ex-Nationaltrainer Julian Nagelsmann und VfB-Star Deniz Undav das Zeug zum Stuttgart-Unwort des Jahres? Auch andere Auswahlmöglichkeiten gibt es.
IMAGO/Eibner (li.), Bernd Weißbrod/dpa (Mi.), IMAGO/Kirchner-Media (re.)- Stuttgart sucht das Unwort des Jahres 2026 – die Redaktion stellt zehn Begriffe zur Wahl.
- Zur Auswahl stehen u. a.: „Fernwanderweg“, „Stammstreckensperrung“, „Autokrise“.
- Politische Schlagworte im Feld: „San Francisco“, „Rehbraun“, „Wittwer-Abriss“.
- Dauerbrenner bei Bauprojekten: „Opernsanierung“ und die allgegenwärtige „Baustelle“.
- Verkehr und Sport sorgen mit „Superblock“ und „Nagelsmann-Undav-Hassliebe“ für Streitstoff.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
„Crashout“, Du bist gut genug“ oder „Six Seven“ – seit Kurzem kann wieder aus zehn Begriffen das Jugendwort des Jahres gewählt werden. Tagesschau-Moderatorin Susanne Daubner hat am Dienstag die Jugendwort-Kandidaten vorgestellt. Von Grußformeln über TikTok-Trendbegriffe bis hin zu Ausrastern ist alles Mögliche vertreten. Doch weg von der Jugend: Unsere Redaktion hat sich gefragt: Was wäre wohl das Stuttgart-Unwort des Jahres?
Wir suchen das Stuttgart-Unwort des Jahres 2026
Auswahlmöglichkeiten gibt es schließlich wie Sand am Meer. Wer in Stuttgart auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen ist und sich täglich bei einem Sprint vom Bahnhofseingang bis zu den Gleisen die Hacken wundläuft, würde vermutlich den „Fernwanderweg“ zum Stuttgarter Unwort Nummer eins küren. Anfang des Jahres ging ein Video auf Social Media viral, in dem ein Nutzer in voller Bergsteigermontur über die S21-Umleitungsstrecke „wanderte“. Stuttgarter Politiker protestierten im Rahmen einer 24-Stunden-Wanderung gegen das S21-Chaos und sogar in der Wander-App Komoot hat ein Spaßvogel die Strecke gelistet.
Auch Gewinn-verdächtig, weil im Kreise der ÖPNV-Nutzer momentan höchst aktuell und jedes Jahr wiederkehrend: die „Stammstreckensperrung“. Zum Leid vieler Pendler ist die S-Bahn-Stammstrecke im Raum Stuttgart vom 20. Juli bis 12. September wegen Erneuerungsarbeiten gesperrt.
Bleiben wir bei Fortbewegungsmitteln – in der Autostadt Stuttgart steht da nämlich (noch) immer das motorisierte Gefährt hoch im Kurs. Fragt sich nur: Wie lange noch? Denn die einst schillernde Automobilindustrie, in der Landeshauptstadt angeführt von Firmen wie Daimler und Porsche, kämpft dieser Tage mit einer schweren wirtschaftlichen Schieflage: Unternehmen haben mit sinkenden Gewinnen, massivem Stellenabbau und dem Druck zur Neuausrichtung, unter anderem durch den asiatischen Markt, zu kämpfen. Die „Autokrise“ steht folglich auch auf der Unwort-Liste.
Stuttgarts Politiker liefern mögliche Unworte
Steuert Stuttgart also auf ein Schicksal zu, wie es die US-Metropole Detroit im Zuge der US-Auto- und Finanzkrise ereilt hat? Im Jahr 2013 war die Stadt pleite. Mittlerweile erlebt sie wieder einen Aufschwung, dafür steht die schwäbische Landeshauptstadt vor Herausforderungen.
Nicht Detroit, aber eine andere US-Stadt hat sich unserer Meinung nach einen Platz auf der Stuttgarter Unwort-des-Jahres-Liste verdient. Die Rede ist von „San Francisco“. Auch, wenn Oberbürgermeister Frank Nopper das vermutlich nicht verstehen würde. Zieht er die Stadt in Kalifornien doch gerne für einen lobhudelnden Stuttgart-Vergleich heran. Nachdem der OB Stuttgart erst beim CDU-Parteitag im Februar 2026 lobend als „deutsches San Francisco“ bezeichnete, die Zacke etwa mit den dortigen Cable Cars verglich, und dafür reichlich Spott erntete, legte er beim Auftakt der CSD-Kulturwochen im Juli noch einmal nach und verglich die CSD-Demos der beiden Städte. Dabei – wie sollte es anders sein – ging Stuttgart mit seiner, in diesem Jahr sogar dreitägigen und damit längeren CSD-Hocketse, natürlich als Gewinner hervor.
In den Pool der Stuttgart-Unwörter geschafft hat es auch ein Begriff, der ebenfalls dank eines hiesigen Politikers in Ungnade gefallen ist. In einem acht Jahre alten Videoclip, den eine Grünen-Politikerin im Frühjahr online postete, schwärmte der CDU-Politiker und heutige Landesinnenminister Manuel Hagel von den rehbraunen Augen einer Schülerin, vor deren Klasse er, damals noch als Landtagsabgeordneter, sprach. Die Bemerkung machte Schlagzeilen und fiel dem Spitzenkandidaten für das Amt des baden-württembergischen Ministerpräsidenten im laufenden Landtagswahlkampf 2026 auf die Füße. Heute schafft es das „Rehbraun“ unter die Kandidaten für das Stuttgart-Unwort des Jahres.

Der CDU-Politiker und Landesinnenminister Manuel Hagel stand für seine Aussagen in dem Videoclip in der Kritik. (Archivbild)
Marijan Murat/dpaDerzeit ebenfalls in aller Munde und deshalb ein Anwärter auf das Stuttgart-Unwort des Jahres 2026: der „Wittwer-Abriss“. Seit bekannt ist, dass das Buchhaus Thalia/Wittwer den Standort am Schlossplatz verlassen wird, diskutiert Stuttgart über die Zukunft des Betonkolosses neben dem Kunstmuseum. Abriss und Neubau oder Erhalt und Sanierung? Die Eigentümerin, die Dinkelacker AG, sieht derzeit einen Teilabriss als beste Lösung, der Bund deutscher Architektinnen und Architekten (BDA) Baden-Württemberg und Vertreter aus dem Rathaus hingegen wollen den Bau erhalten. So wichtig die Zukunft des traditionsreichen Gebäudes und die grundsätzliche Frage, nach welchen Kriterien über den Umgang mit Bestandsbauten in zentralen städtischen Lagen entschieden wird, auch sind: Der Begriff „Wittwer-Abriss“ kommt vielen schon zu den Ohren heraus.
Millionenprojekte und Dauerbaustellen: Dauer-Aufreger in Stuttgart
Ähnlich sieht es mit der „Opernsanierung“ aus. Dieser Begriff hätte es als Dauer-Aufreger auch in den vergangenen Jahren bereits unter die Stuttgart-Unwörter des Jahres geschafft. Denn die Diskussion um eine Interims-Spielstätte ist noch immer nicht abgeschlossen. Erst kürzlich gab es eine neue Wende: Eigentlich sollte der Beschluss zur weiteren Planung des Interimsoper am 30. Juli in der letzten Sitzung des Gemeinderates vor der Sommerpause fallen. Nach der Fraktion SPD/Volt im Stuttgarter Gemeinderat fordern nun auch die CDU und das Linksbündnis einen Aufschub. Insgesamt geht es um 289 Millionen Euro. Die Baukosten für den gesamten Komplex könnten sich auf bis zu 2,2 Milliarden Euro belaufen. Alles Grund genug für eine Unwort-Nominierung, finden wir.
Apropos Umbau, Abriss, Sanierung und Co. – auch abseits von verzögerten Bauprojekten und Millionengräbern ist die Stadt übersät von Baugruben, Bauzäunen und Baggern, die darauf warten, die nächste Straße aufzureißen. Hat die Landeshauptstadt es in den letzten Jahren versäumt, hier und da früher auszubessern? Oder warum passiert jetzt gefühlt alles auf einmal? Weil Stuttgart sich teils wie eine große Baustelle anfühlt und auch Auswärtige schon darüber frotzeln, nominieren wir den Begriff „Baustelle“ ebenfalls als mögliches Unwort des Jahres 2026.
Keine Baustelle, aber ein Aufreger, gerade bei der autofahrenden Stadtgesellschaft, ist der Superblock in der Augustenstraße im Stuttgarter Westen. Poller auf der Fahrbahn verhindern dort eine direkte Durchfahrt für Autofahrer, stattdessen gibt es in dem verkehrsberuhigten Bereich Möglichkeiten zum Zusammenkommen für die Nachbarschaft. Dieses Konzept soll das Wohnquartier lebenswerter machen. An dem Pilotprojekt, das auf eineinhalb Jahre angelegt war, nun aber länger bleiben soll, scheiden sich die Geister. Während die eine Seite den Vorwurf erhebt, mit dem Superblock werde nur eine woke Stadtgesellschaft bedient, findet die andere, Kritiker hielten noch immer allein das Auto hoch. So oder so, für den Pool der Stuttgart-Unwörter des Jahres qualifiziert sich der „Superblock“ allemal.
Undav und Nagelsmann bei der WM: eine Hassliebe als Unwort?
2026 ist auch das Jahr der Fußball-WM, die mit dem Sieg der spanischen Mannschaft in einem turbulenten Finalspiel gegen Argentinien Mitte Juli zu Ende ging. Die DFB-Auswahl hingegen war bereits im Sechzehntelfinale bei der Partie gegen Paraguay nach Elfmeterschießen ausgeschieden.
Kein erinnerungswürdiger Moment, schon gar nicht für den ehemaligen Nationaltrainer Julian Nagelsmann, der daraufhin recht schnell und eher unfreiwillig gegangen wurde. Eine Entscheidung, die viele Stuttgarter und vor allem VfB-Fans befürworteten. Hatte Nagelsmann den Stuttgart-Liebling und VfB-Star Deniz Undav doch, wie viele fanden, stiefmütterlich behandelt, anfangs nur als „Joker“, gar nicht oder erst spät ins Spiel gebracht. Gleichzeitig wurden kritische Worte von Nagelsmann über einzelne Aktionen Undavs diskutiert. Die „Nagelsmann-Undav-Hassliebe“ für uns daher der letzte Begriff im Bunde der 10 Stuttgart-Unwörter des Jahres.
Ihr Stuttgart-Unwort des Jahres: Stimmen Sie jetzt ab!
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