Krankschreibung verschärft: Regierung stempelt Arbeitnehmer als Drückeberger ab

Soll man mit Husten, Schnupfen, Heiserkeit daheim bleiben - oder sich lieber doch zur Arbeit schleppen? Kommt eine schärfere Regelung für Krankmeldungen, werden sich viele Arbeitnehmer diese Frage erst recht stellen.
dpa- Regierung plant strengere Regeln für Krankmeldungen – Attest am ersten Fehltag Pflicht.
- Telefonische Krankschreibungen sollen entfallen, was Ärzteverbände kritisieren.
- Kritik: Mehr Bürokratie und volle Praxen, zusätzlich höheres Ansteckungsrisiko im Wartezimmer.
- Kranke sind oft unproduktiv, Genesung dauert länger und Kollegen können sich anstecken.
- Gründe für hohe Fehlzeiten: eAU seit 2022, hohe Belastung, Fachkräftemangel, alternde Belegschaft.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Die deutschen Arbeitnehmer sind nach Ansicht der Regierungskoalition zu oft krank - dagegen wollen CDU/CSU und SPD nun vorgehen. Beschäftigte müssen sich auf schärfere Regeln einstellen. Künftig soll man dem Arbeitgeber bereits am ersten Fehltag eine ärztliche Bescheinigung vorlegen. Krankschreibungen per Telefon sollen ebenfalls abgeschafft werden. Doch ist das wirklich zielführend?
Klar, es gibt immer Drückeberger und Menschen, die das System ausnutzen. Genau die wird man mit verschäften Maßnahmen jedoch nicht in den Griff bekommen. Sie werden weiter Möglichkeiten finden, krank zu feiern. Stattdessen stigmatisiert die Regierung mit ihren Plänen Millionen von leistungsbereiten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern als Blaumacher - und erschwert es ihnen, sich auszukurieren, wenn sie angeschlagen sind.
Kranke Arbeitnehmer sind unproduktiv
Wer sich krank zur Arbeit schleppt, ist ohnehin meist nicht sonderlich produktiv, sondern langsamer, unkonzentrierter und anfälliger für Fehler. Die Genesung kann länger dauern, Kollegen können angesteckt werden. Letztlich kommt es Unternehmen oft teurer, wenn angeschlagene Mitarbeiter präsent sind, statt eine Ruhepause einzulegen.
Gegenwind kommt nicht nur von Gewerkschaften, sondern auch von Hausärzteverbänden. Abgesehen davon, dass man Patienten unnötig Wege zumutet und für Patienten im Wartezimmer sowie Praxismitarbeiter das Ansteckungsrisiko erhöht: Fällt die telefonische Krankschreibung weg, wird es in den chronisch überfüllten Praxen noch voller, so das nachvollziehbare Argument der Ärzte. In so manchen Praxen ist es inzwischen auch gar nicht mehr möglich, einfach vorbeizuschauen oder für denselben Tag einen Termin zu bekommen.
Gründe für Fehltage sind komplex
Sinnvoller wäre es, nach Gründen für den hohen Krankenstand zu suchen – und diese zu berücksichtigen und im Idealfall zu beseitigen. Doch sie sind vielschichtig und komplex. Selbst bei den Fehltagen gibt es nicht die eine, konkrete, allgemeingültige Angabe. Die Rede ist von 14,5 und bis zu 22 Tagen im Jahr - je nachdem, wie gerechnet wird. Klar ist, dass Deutschland im europäischen Vergleich im oberen Mittelfeld liegt - und dass sich die Zahl erhöht hat.
- Das sind die häufigsten Symptome bei Fehltagen:
- Atemwegsinfekte wie Schnupfen, Erkältungen, Grippe
- Magen-Darm-Beschwerden
- Muskel- und Skelettprobleme (etwa starke Rückenschmerzen)
- Psychische Erkrankungen wie Schlafstörungen, Burnout und Depressionen
Eine zentrale Rolle spielt hierbei die 2022 eingeführte elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung. Seitdem werden Krankmeldungen digital an die Kassen übermittelt – und somit vollständiger erfasst. Weitere Faktoren, die Fehlzeiten erhöhen, sind eine hohe Arbeitsbelastung, Fachkräftemangel und letztlich auch eine älter werdende Gesellschaft. Ältere sind zwar seltener krank, wenn doch, fallen sie aber meist länger aus.
Neuregelung erhöht Bürokratie
Die häufigsten Symptome bei Krankschreibungen sind Atemwegsinfekte, starke Rückenschmerzen psychische Erkrankungen und Magen-Darm-Beschwerden. Gegen Erkältungswellen oder grassierende Noroviren können Unternehmen zwar nichts ausrichten. Sie sind dennoch gefordert, Fehlzeiten unter die Lupe zu nehmen und daraus Schlüsse für gesunde Arbeitsbedingungen und ein gutes Betriebsklima zu ziehen.
Ob die geplante Neuregelung Fehlzeiten merklich reduziert? Eher unwahrscheinlich. Was sie aber sicherlich erreicht: erneut Bürokratie auf- statt abzubauen.
