Debatte über Leihmutterschaft
: Heimat-CDU des Kanzlers fordert Spahn-Rücktritt – „Fatales Signal“

Die Heimat-CDU des Kanzlers sieht Glaubwürdigkeit und Vertrauen durch Jens Spahns Entscheidung für eine Leihmutterschaft in den USA beschädigt. In einem offenen Brief fordert sie seinen Rücktritt.
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red/dpa/afp
Berlin
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Die Heimat-CDU von Kanzler Friedrich Merz fordert den Rücktritt von Jens Spahn.

Michael Kappeler/dpa
  • CDU Brilon fordert in offenem Brief den Rücktritt von Unionsfraktionschef Jens Spahn.
  • Begründung: beschädigtes Vertrauen nach Leihmutterschaft-Entscheidung in den USA.
  • Brief verweist auf deutsche Rechtslage und CDU-Grundwerte – „fatales Signal“.
  • Kommunalpolitiker sehen erschwerte Arbeit und Vertrauensverlust bei Mitgliedern.
  • Bosbach und Michael Brand kritisieren Spahn scharf, sprechen von politischem Problem.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die CDU Brilon, der Heimatstadt von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), hat in einem offenen Brief den Rücktritt von Unionsfraktionschef Jens Spahn (CDU) gefordert. Man halte das notwendige Vertrauen in ihn als Vorsitzenden der Bundestagsfraktion für nachhaltig beschädigt, heißt es in dem Schreiben, das auf der Internetseite des Stadtverbands veröffentlicht wurde.

„Im Interesse der Glaubwürdigkeit unserer Partei sowie des Vertrauens unserer Mitglieder und Wähler fordern wir Jens Spahn auf, die politischen Konsequenzen zu ziehen und von seinem Amt als Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion zurückzutreten“.

Spannungsverhältnis zu den Grundwerten der CDU

In dem Brief wird auf die Rechtslage in Deutschland und die Position der CDU verwiesen. Spahns Entscheidung stehe „in einem offensichtlichen Spannungsverhältnis“ zu den Grundüberzeugungen, für die die CDU seit Jahrzehnten eintrete. Weiter heißt es: „Wer als einer der höchsten Repräsentanten unserer Partei bewusst auf Möglichkeiten im Ausland zurückgreift, die den Wertentscheidungen des deutschen Rechts widersprechen, sendet ein fatales Signal.“

Daniel Funke und Jens Spahn

Daniel Funke und Jens Spahn

Annette Riedl/dpa

Für Kommunalpolitiker, die täglich im Gespräch mit Bürgern stünden, habe das erhebliche Folgen und erschwere deren Arbeit erheblich. „Viele Mitglieder empfinden das Verhalten von Jens Spahn als schweren Schaden für die Glaubwürdigkeit der CDU und ihrer Mandatsträger auf allen Ebenen.“

Wolfgang Bosbach zu Jens Spahn: „Politisch hochproblematisch“

Der frühere CDU-Bundestagsabgeordnete Wolfgang Bosbach hat die Entscheidung von Unionsfraktionschef Jens Spahn (CDU) für eine Elternschaft mit Hilfe einer Leihmutter als „politisch hochproblematisch“ bezeichnet. „Wir als Politiker, wir machen die Regeln und wir verlangen von oder erwarten von 84 Millionen Menschen, dass sie sich an diese Regeln halten. Wenn auch nur der Eindruck entsteht, generell ja, aber für mich persönlich gilt das nicht, dann ist das fatal“, sagte Bosbach im Deutschlandfunk.

Noch schlimmer werde es, wenn der Eindruck entstehe, „man muss nur genug Geld haben, dann kann man in den USA über eine Agentur per Leihmutterschaft sich ein Kind besorgen“. Die Politik habe in den vergangenen Jahren ohnehin gewaltig an Vertrauen in der Bevölkerung verloren, sagte der frühere stellvertretende Unionsfraktionschef. „Der Graben zwischen Gewählten und Wählern ist immer größer geworden und das liefert jetzt einen weiteren Beitrag.“

Mit Blick auf Spahns Zukunft als Unionsfraktionschef sagte Bosbach, der bis 2017 für die CDU im Bundestag saß: „Ich hoffe, Jens Spahn erspart der Union, insbesondere der CDU, eine monatelange Debatte über die Frage: Ist er noch der Richtige an der Spitze der Fraktion? Aber die Erkenntnis muss bei Jens Spahn selber reifen.“ Es gehe um den Fortbestand der Union, die sich in einer schwierigen Lage befinde.

Roland Koch: Shitstorm verliert jedes Maß

Der frühere hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) hat Jens Spahn dagegen in der Debatte über dessen Elternschaft mit Hilfe einer Leihmutter in den USA verteidigt. „Der Shitstorm über Jens Spahn verliert jedes Maß“, kommentierte Koch auf der Plattform LinkedIn.

Die CDU sei eine Partei, keine Religionsgemeinschaft. „Selbst in gesellschaftspolitisch wichtigen Fragen darf jeder Einzelne abweichende Überzeugungen haben, ja, sie sogar im Laufe der Zeit verändern“, schrieb Koch, der auch Vorsitzender der Ludwig-Erhard-Stiftung ist.

Koch schreibt: „Der Ehemann von Jens Spahn ist mit der Hilfe einer Leihmutter Vater geworden. Das Ehepaar ist voller Freude darüber.“ Keiner verstoße gegen ein Gesetz, auch wenn die CDU eine solche Möglichkeit in Deutschland nicht schaffen wolle. „Ja, das ist ein Dilemma, das ich niemandem wünsche und in dem ich jede Form von „Verurteilung“ unangemessen finde. Jens Spahn ist und bleibt einer der seit langem wichtigsten und erfolgreichsten Politiker der Union.“

Roland Koch: „Damit hat die Sache für mich ein Ende“

Er wünsche dem Kind und seinen Eltern alles Glück der Welt, schreibt Koch. „Damit hat die Sache für mich ein Ende.“

Koch ist ein langjähriger politischer Weggefährte von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und nach eigenen Worten ein „sehr guter persönlicher Freund“ des Kanzlers. Beide gehören zum sogenannten Andenpakt, benannt nach einer gemeinsamen Südamerikareise von Politikern der Jungen Union Ende der 1970er Jahre. Neben Merz und Koch gehört dazu auch Ex-Bundespräsident Christian Wulff.

Spahn und sein Mann Daniel Funke hatten am Mittwoch bekanntgegeben, dass sie Eltern geworden sind. Eine Leihmutter in den USA brachte das Baby zur Welt. Die Kritik daran ist deshalb so laut, weil Leihmutterschaft in Deutschland verboten ist und sich Spahns Partei gegen eine Legalisierung ausspricht, so wie in der Vergangenheit auch Spahn selbst.