Kritik an Annalena Baerbock: Warum die USA und Russland gegen Deutschlands „diplomatischen Superstar“ stänkern

Nur ein Dasein als brave Hausfrau und fürsorgliche Mutter kann man sich bei Annalena Baerbock gar nicht vorstellen. Die Völkerrechtlerin braucht das diplomatische Rampenlicht, um ihre feministische Außenpolitik erstrahlen zu lassen.
Christophe Petit Tesson/EPA/dpa- USA und Russland kritisieren Baerbock, weil sie die UN-Generalversammlung stärker einbinden will.
- Sie organisiert öffentliche Befragungen der Bewerber und bittet den Sicherheitsrat um Transparenz.
- Washington spricht von „Kompetenzüberschreitung“, Moskau warnt vor Selbstermächtigung der Präsidentin.
- Baerbock betont ein transparentes, inklusives und glaubwürdiges Verfahren – acht Bewerber stehen fest.
- Ihre Amtszeit als Präsidentin der UN-Generalversammlung endet Anfang September, Nachfolger ist Khalilur Rahman.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Im Hauptquartier der Vereinten Nationen an der First Avenue zwischen der 42nd und 48th Street in New York herrscht aktuell dicke Luft. Der Grund: Russland und die USA sind offiziell erzürnt darüber, dass die frühere deutsche Außenministerin Annalena Baerbock auf eine stärkere Einbindung der UN-Generalversammlung bei der Auswahl des künftigen Uno-Generalsekretärs drängt.
Russland sei besorgt „über die Rolle, die sich die Präsidentin der Generalversammlung selbst zuzuschreiben versucht“, erklärt der russische UN-Botschafter Vassily Nebenzia. Damit schließt er sich der Kritik aus den USA an, in der Baerbock unter anderem „Heuchelei“ unterstellt wird.

Der russische UN-Botschafter Vassily Nebenzia geht hart mit Annalena Baerbock ins Gericht.
Imago/PhototekBaerbock pocht auf Glaubwürdigkeit und Transparenz
Was ist geschehen? Annalena Baerbock macht sich seit einigen Monaten für Änderungen am bislang gängigen Auswahlverfahren für die Nachfolge von Uno-Generalsekretär António Guterres stark, der zum Ende des Jahres aus dem Amt scheidet. Die UN-Spitzendiplomatin hatte mehrfach erklärt, sich für ein „transparentes, inklusives, strukturiertes, rechtzeitiges und glaubwürdiges“ Auswahlverfahren einzusetzen.
Fakt ist: Die entscheidende Empfehlung über den Chefposten liegt beim Uno-Sicherheitsrat, der sich in nichtöffentlichen Abstimmungen auf einen Kandidaten oder eine Kandidatin verständigt, der oder die dann von der Generalversammlung der 193 Mitgliedsländer ernannt wird. Derzeit gibt es acht Bewerber auf den Posten.

Annalena Baerbock, Präsidentin der Generalversammlung der Vereinten Nationen, geht am Abend des 25. September 2025 mit Personenschützern über den Times Square am Rande der Generaldebatte der UN-Vollversammlung in New York zu einem Interview.
Kay Nietfeld/dpaBaerbock organisiert Abstimmung über Kandidaten
Vor diesem Hintergrund hat Baerbock – wie seit einigen Jahren üblich – öffentliche Befragungen der Kandidaten organisiert sowie Schreiben an den Sicherheitsrat zum Auswahlverfahren verfasst. Bei der Veranstaltung hatte das Publikum dann über die Kandidaten abgestimmt. Laut UN-Diplomaten war das erstmalig so.
Zudem hatte sie den Sicherheitsrat gebeten, keine Kandidaten zu berücksichtigen, die nicht zuvor an einem Dialog mit der Generalversammlung teilgenommen haben. Diese Forderung geht den USA und Russland offenbar zu weit.
US-Botschafterin kritisiert „Kompetenzüberschreitung“

US-Botschafterin Jennifer Locetta bezeichnet das Vorgehen der Deutschen als „Kompetenzüberschreitung“ und „unverantwortlich“.
Imago/ZUMA Press WireUS-Botschafterin Jennifer Locetta nennt das Vorgehen der Deutschen eine „Kompetenzüberschreitung“ und „unverantwortlich“. Sie pocht darauf, dass der Sicherheitsrat – zu dessen ständigen Mitgliedern die USA und Russland zählen – auch Kandidaten berücksichtigen könne, „die nie an einem Dialog der Generalversammlung teilgenommen haben“.
Baerbock sehe sich als „diplomatischen Superstar“ und habe dem Sicherheitsrat indirekt vorgeworfen, nicht ordnungsgemäß zu handeln, betont Locetta. „Das Vorgehen der Präsidentin offenbart eine Heuchelei und wirft insgesamt ein schlechtes Licht auf die Arbeit der Generalversammlung.“
Steile Karriere - von der Leine an den Hudson River
Arme Annalena. Sie meint es doch nur gut. Davon zeugt schon ihr steiler Aufstieg auf der Karriereleiter: von ihrer Geburtsstadt Hannover an der Leine in die Weltstadt am Hudson River - ein rasanter Aufstieg auf diplomatischem Parkett.
Ein kurzer Rückblick auf die Stationen ihres Aufstiegs in den UN-Olymp:
- 2004 Vordiplom in Politikwissenschaft an der Universität Hamburg
- 2005 Master in Public International Law an der London School of Economics and Political Science, wo sie den Grundstein für ihre Expertise im Völkerrecht legte.
- Doch bevor sie die Völker dieser Welt vertrat, machte sie in Deutschland Karriere. Auf die Wahl zur Parteivorsitzenden - zusammen mit Robert Habeck - im Jahr 2018 folgte 2021 die Kanzlerkandidatur für die Ökopartei.
- Eine Woche vor ihrem 41. Geburtstag wurde sie - am 8. Dezember 2021 - als erste Außenministerin der Republik im Kabinett von Olaf Scholz (SPD) vereidigt.

Im Juni 2025 wurde sie auf Vorschlag der neuen schwarz-roten Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz (CDU) zur Präsidentin der UN-Generalversammlung gewählt. Ihre einjährige Amtszeit endet Anfang September.
Michael Kappeler/dpaFeministische Außenpolitik mit Fingerspitzengefühl
Als Chefin des AA mischte Baerbock mit ihrer feministischen Außenpolitik die globale Diplomatie auf. Die feinrhetorische Diplomatin nahm kein Blatt vor den Mund, nannte Chinas Staatschef Parteichef Xi Jinping einen „Diktator“. Die Außenpolitik von US-Präsident Donald Trump kritisierte sie als „nicht sonderlich erfolgreich“. Russlands Präsidenten Wladimir Putin warf sie mangelnde Vertrauenswürdigkeit vor.
Wer den Mächtigen dieser Welt so ungeschminkt den Spiegel vorhält, muss sich nicht wundern, wenn die Gescholtenen irgendwann zurückschießen. Doch noch war der Zenit nicht erreicht. Im Juni 2025 wurde sie - auf Vorschlag der neuen schwarz-roten Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz (CDU) - zur Präsidentin der UN-Generalversammlung gewählt.
Ihre einjährige Amtszeit endet Anfang September. Ihr offizieller Nachfolger steht mit dem Außenminister von Bangladesch, Khalilur Rahman, bereits fest.

Annalena Baerbock spricht am 2. Juni 2026 neben António Guterres in der Sitzung der Generalversammlung der Vereinten Nationen.
Michael Kappeler/dpaWer nicht wagt, der nicht gewinnt
Ursprünglich war Helga Schmidt von der Bundesregierung für den prestigeträchtigen UN-Posten vorgesehen. Doch die feministische Außenpolitikerin Baerbock überging kurzerhand die erfahrene deutsche Top-Diplomatin und nahm selbst auf dem Chefsessel der UN-Vollversammlung Platz. Getreu dem Motto: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.

Helga Schmidt ist die Frau, der Annalena Baerbock den Job wegnahm, wie die „Bild"-Zeitung schrieb.
Granovsky Luciana/dpaIn ihrem Jahr als Präsidentin der UN-Generalversammlung hat Annalena Baerbock viel gewonnen: Zum Beispiel den Unwillen einiger Mitglieder des mächtigen UN-Sicherheitsrats. Zudem hat sich Baerbock mehrfach dafür ausgesprochen, dass dem UN-Chef eine Frau im Amt nachfolgen solle. „Es ist Zeit für eine Frau.“ Bislang hatten ausschließlich Männer das mächtigste Amt bei den Vereinten Nationen inne.
Sie selbst komme für diesen Job allerdings nicht in Frage, betonte Baerbock im Dezember 2025 in einem ARD-Interview. Nach dem Portugiesen Guterres könne die Wahl nicht wieder auf jemanden aus Westeuropa fallen. An der Reihe seien Lateinamerika oder Osteuropa, das beim letzten Mal übergangen wurde.

Annalena Baerbock ist am 3. Juni 2026 bei der Generalversammlung bei den Vereinten Nationen vor der Wahl für die nicht ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats (UN Security Council) auf Monitoren (re.) zu sehen.
Michael Kappeler/dpaWie geht es mit Baerbocks Karriere weiter?
Wie es für die Grünen-Politikerin im Herbst konkret weitergeht, hält sie bislang noch offen. In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung im Juli 2026 deutete Baerbock an, dass das Kapitel Karriere im medialen Dauerfeuer vorerst pausieren könnte. Sie betont, durch die Zeit in New York ihre „Töchter wiedergewonnen“ zu haben, und sprach sehr reflektiert über die Belastung ihrer Kinder durch das Rampenlicht, was in Medienberichten stark nach einem (temporären) Abschied klingt.
Da die Bundespolitik der Welt-Diplomatin wahrscheinlich zu eng geworden ist, könnte ein Wechsel in den Think-Tank-Bereich, zu internationalen Nichtregierungsorganisationen (NGOs) oder eine spätere Bewerbung auf andere globale Diplomatenposten denkbar sein. Vielleicht ist bis in einigen Jahren der Zorn ihrer mächtigen Gegner auch verflogen, so dass Annalena Baerbock zu neuen Höhenflügen ansetzen kann.
Schließlich wird die feministische Außenpolitik ohne die prominente Völkerrechtlerin - Baerbock selbst nutzt diese Bezeichnung seit vielen Jahren als Angabe für ihre berufliche Identität - brachliegen. Damit 49,5 Prozent der Weltbevölkerung nicht wieder in die emanzipatorische Steinzeit zurückfallen, braucht es eine von sich überzeugte Power-Frau wie Annalena Baerbock. (mit ASFP-/dpa-Agenturmaterial)
