Kabinettsklausur
: Reaktionen auf Merz: „Sie sind nicht unser Chef“

„Menschenverachtung“ will der Kanzler nicht auf sich sitzen lassen: Vor laufenden Kameras wehrt er sich. Aber auch sonst hagelt es wieder Kritik an ihm.
Von
Michael Maier/dpa
Berlin
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Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU, 2. v. l.) und Moderatorin Pinar Atalay (2. v. r.) nach der RTL-Sendung mit den Studiogästen Hannah Clemens (l. - r.), Oliver Bernt, Bea Merscher und Matthias Kappis.

Sebastian Christoph Gollnow/dpa
  • TV-Runde mit Friedrich Merz: Schlagabtausch mit Kinderärztin über Gesundheits-Sparpaket.
  • Die Ärztin warf Merz Amtseidbruch und menschenverachtende Politik vor, er wies das zurück.
  • Merz betonte, alle Akteure im Gesundheitswesen leisteten Einsparbeiträge – Kritik sei zu hart.
  • Ein Vater klagte über fehlende Familienentlastung, Merz verwies auf begrenzte Haushalts-Spielräume.
  • Instagram-Video zur Kabinettsklausur löste Frust aus: Rücktrittsforderungen und Spott über Inhalt.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Kanzler Friedrich Merz hat sich in einer TV-Runde einen scharfen verbalen Schlagabtausch mit einer Kinderärztin geliefert. Die Medizinerin aus Niedersachsen fragte den Kanzler in der RTL-Sendung „Am Tisch mit Friedrich Merz“ von Moderatorin Pinar Atalay, warum er seinen Amtseid breche und menschenverachtende und zerstörerische Gesetze wie das Sparpaket bei den Gesundheitsausgaben erlasse. „Das geht jetzt ein bisschen über das normale Maß der Kritik hinaus“, antwortete Merz. „Das ist eine persönliche Herabsetzung, die geht zu weit.“

Er sei bereit, Kritik hinzunehmen, erklärte Merz. „Dass wir Probleme haben und dass wir die lösen müssen, einverstanden. Aber das geht zu weit. Das ist eine persönliche Herabsetzung, die geht zu weit.“ Man könne ja sagen, man sei nicht einverstanden mit dem, was die Bundesregierung tue. „Aber uns, und auch mir persönlich, einen vorsätzlichen Bruch meines Amtseides vorzuwerfen, das ist schon ziemlich harter Tobak.“ Er weise den Vorwurf mit Entschiedenheit zurück, „dass ich vorsätzlich die Zukunft dieser Kinder zerstöre“.

Merz: „Sie machen sich das ein bisschen leicht“

Merz wies Vorwürfe zurück, die Gesundheitsreform gehe eher auf Kosten der Versicherten als beispielsweise der Pharmaindustrie. „Das ist ein Gefühl. Aber das entspricht nicht unserem Gesetz“, sagte der Kanzler. Die Bundesregierung habe alle Beteiligten am Gesundheitswesen mitbelastet und „aufgefordert und auch dazu gebracht, Einsparbeiträge zu leisten“. Merz ergänzte: „Also ich finde, Sie machen sich das ein bisschen leicht.“

Harsche Kritik bekam Merz in der Sendung auch von einem Vater zu hören, der monierte, die Politik lasse Familien mit Kindern allein. „Ich finde, Ihre Kritik ist ein bisschen zu hart“, antwortete der Kanzler. „Wir tun nach wie vor viel für die Familien.“ Er wisse natürlich, dass man mehr tun könnte, aber Spielräume für die öffentlichen Haushalte seien begrenzt.

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User über Merz: „Blablablablablablabla – heiße Luft“

Negative Reaktionen gab es indes auf ein Merz-Video bei Instagram, das am Rande der Kabinettsklausur in Schloss Neuhardenberg aufgenommen wurde. Während Merz das sonnige Wetter in Brandenburg als Sinnbild für die „gute Stimmung im Kabinett“ nutzte und Deutschlands wirtschaftliche Stärken betonte, entlud sich in der Kommentarspalte massiver Frust. User fordern seinen Rücktritt, verlangen Neuwahlen und spotten über die inhaltliche wie technische Aufmachung des Videos.

Ein Nutzer brachte seinen Unmut über besonders drastisch zum Ausdruck: „Blablablablablablabla. Haltet die Fenster offen, damit die ganze heiße Luft, die ihr da plaudert, nicht die Tapeten in den Räumen ablöst." Besonders deutlich wurde auch eine Social-Media-Userin, indem sie dem Kanzler direkt entgegnete: „Sie sind nicht unser Chef, Sie sind unser Vertreter".

Merz verteidigte in der Sendung indes seine kontroverse Aussage zum Stadtbild: „Ich habe das nie auf das Aussehen von Menschen bezogen. Niemals. Ich wollte darauf hinweisen, wie verwahrlost manche Innenstädte sind.“

Das war zum Zeitpunkt der Äußerung im Jahr 2025 allerdings anders verstanden worden – und wurde damals vom Merz-Umfeld sogar noch bekräftigt, etwa mit dem Hinweis auf mutmaßliche Gefahr für „Töchter“. Der Kanzler könnte mit seiner Art der Kommunikation nun sowohl Kritiker als auch Befürworter der Stadtbild-Aussagen verärgert haben.