Rücktritt von Merz bis Jahresende?: 48 % erwarten laut Umfrage einen Kanzlerwechsel

Der Kanzler schneidet in Umfragen zur Zeit nicht gut ab.
Michael Kappeler/dpaDie Umfragewerte für Bundeskanzler Friedrich Merz bleiben auf einem außergewöhnlich niedrigen Niveau. Eine neue YouGov-Befragung vom 17. September 2026 geht nun noch einen Schritt weiter: 48 Prozent der Befragten glauben, dass Merz am Ende dieses Jahres nicht mehr Bundeskanzler sein wird. Nur 31 Prozent rechnen damit, dass der CDU-Politiker auch zum Jahreswechsel noch im Amt ist. Weitere 21 Prozent antworteten mit „weiß nicht“ oder machten keine Angabe.
YouGov befragte dafür insgesamt 1.611 Erwachsene in Deutschland. Wichtig ist allerdings die genaue Fragestellung: Das Institut fragte nicht danach, ob Merz zurücktreten sollte oder ob die Befragten seinen Rücktritt wünschen. Gefragt wurde, ob er „am Ende des laufenden Jahres noch Bundeskanzler sein wird oder nicht mehr Bundeskanzler sein“ werde. Die 48 Prozent sind damit eine Erwartung über seinen Verbleib im Amt – nicht zwingend die Erwartung eines freiwilligen Rücktritts.
Merz auch bei der persönlichen Zustimmung auf sehr niedrigem Niveau
Die YouGov-Erhebung steht nicht allein. Auch die regelmäßigen Umfragen verschiedener Meinungsforschungsinstitute zeigen derzeit eine sehr geringe Zustimmung zur Arbeit des Kanzlers.
Das Portal Ilium, das die Ergebnisse mehrerer Institute zusammenfasst, weist aktuell rund 15 Prozent Zustimmung zu Merz und 80 Prozent Unzufriedenheit aus. Ilium bildet dafür einen gewichteten Mittelwert aus den verfügbaren Befragungen verschiedener Meinungsforschungsinstitute.
Die einzelnen Institute kommen aufgrund unterschiedlicher Fragestellungen, Befragungszeiträume und Methoden auf etwas unterschiedliche Werte. Die Richtung ist jedoch bei allen Erhebungen ähnlich.
Besonders niedrig fallen die jüngsten Zahlen von Forsa aus. Im RTL/ntv-Trendbarometer vom 15. September waren nur noch 10 Prozent der Bundesbürger mit der Arbeit von Merz zufrieden. 88 Prozent erklärten sich unzufrieden. Das waren nach Angaben von RTL und ntv die niedrigsten Werte, die Forsa bis dahin für Merz gemessen hatte. Befragt wurden zwischen dem 8. und 14. September 2.502 Personen. Die statistische Fehlertoleranz wurde mit plus/minus 2,5 Prozentpunkten angegeben.
Bemerkenswert ist dabei auch die Bewertung innerhalb des eigenen politischen Lagers: Unter den Anhängern von CDU und CSU waren laut Forsa 42 Prozent mit Merz zufrieden, 57 Prozent dagegen unzufrieden.
ARD-DeutschlandTrend: 13 Prozent zufrieden
Auch der ARD-DeutschlandTrend von Infratest dimap zeigt niedrige Werte. Anfang September erklärten 13 Prozent der Wahlberechtigten, mit der politischen Arbeit von Friedrich Merz zufrieden oder sehr zufrieden zu sein. 83 Prozent waren weniger oder gar nicht zufrieden.
Damit erreichte Merz erneut den niedrigsten Zufriedenheitswert eines Bundeskanzlers seit Beginn dieser Messreihe des ARD-DeutschlandTrends. Für die Befragung wurden vom 31. August bis zum 2. September 1.319 Wahlberechtigte telefonisch und online befragt.
Eine wenige Tage später durchgeführte Sonderbefragung nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt fragte nicht nach der allgemeinen Zufriedenheit, sondern danach, ob die Bürger Merz zutrauen, Deutschland gut durch die anstehenden Aufgaben zu führen. 14 Prozent bejahten dies, 82 Prozent verneinten es.
INSA: 78 Prozent halten Merz nicht für den richtigen Kanzler
Auch eine INSA-Erhebung kommt bei einer anders formulierten Frage zu einem ähnlichen Stimmungsbild. Auf die Frage „Ist Friedrich Merz (noch) der richtige Bundeskanzler?“ antworteten Mitte September 14 Prozent mit Ja und 78 Prozent mit Nein. Acht Prozent machten keine Angabe.
Selbst unter den Wählern von CDU und CSU antworteten demnach 36 Prozent mit Ja, während 58 Prozent die Frage verneinten.
Im von Ilium zusammengestellten Vergleich verschiedener Institute lag INSA bei der klassischen Zufriedenheitsfrage zuletzt bei 16 Prozent Zustimmung und 78 Prozent Unzufriedenheit. Die Forschungsgruppe Wahlen, die für das ZDF-Politbarometer danach fragt, ob der Kanzler seine Arbeit eher gut oder schlecht macht, kam in der dort ausgewiesenen Erhebung auf 20 Prozent „gut“ und 75 Prozent „schlecht“.
Zustimmung seit 2025 deutlich zurückgegangen
Der längerfristige Verlauf zeigt, wie stark sich die öffentliche Bewertung des Bundeskanzlers verändert hat. In der von Ilium berechneten institutsübergreifenden Reihe lag die Zustimmung zu Merz im Sommer 2025 zeitweise bei mehr als 40 Prozent. Im Juli 2025 wurden beispielsweise 43 Prozent ausgewiesen. Ende 2025 lag der Wert bereits unter 30 Prozent, im Frühjahr 2026 setzte sich der Rückgang fort. Für September 2026 weist Ilium nur noch Werte im mittleren Zehnerbereich aus.
Dabei muss berücksichtigt werden, dass die Institute nicht exakt dieselbe Frage stellen. „Mit der Arbeit zufrieden“, „macht seine Arbeit gut“, „ist der richtige Bundeskanzler“ und die Erwartung, ob Merz Ende des Jahres noch Kanzler sein wird, messen unterschiedliche Einstellungen. Einzelne Prozentwerte sollten deshalb nicht unmittelbar miteinander verglichen werden.
In ihrer Gesamtheit zeigen die aktuellen Befragungen jedoch ein konsistentes Bild: Nur eine kleine Minderheit bewertet die Arbeit des Kanzlers derzeit positiv, während in den verschiedenen Erhebungen deutliche Mehrheiten eine negative Einschätzung äußern.
Die neue YouGov-Umfrage fügt diesem Stimmungsbild nun eine weitere Dimension hinzu. Sie misst nicht lediglich die Zufriedenheit mit Friedrich Merz, sondern die Erwartung hinsichtlich seiner politischen Zukunft. Dass 48 Prozent der Befragten damit rechnen, dass er bereits Ende 2026 nicht mehr Bundeskanzler sein wird, während lediglich 31 Prozent von einem Verbleib im Amt ausgehen, zeigt, wie weit die Zweifel inzwischen über die reine Bewertung seiner Amtsführung hinausreichen.
