Wahl in Mecklenburg-Vorpommern
: CDU scheitert an 5-Prozent-Hürde

Für die CDU endet die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern mit einem historischen Ergebnis.
Von
Lukas Böhl
Berlin
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Wahlen aus Bundessicht - CDU: 20.09.2026, Berlin: Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) spricht nach den Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern im Konrad-Adenauer-Haus. Am Sonntag (20.09.2026) fanden in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin die Wahlen zum Landtag beziehungsweise Abgeordnetenhaus statt. Foto: Michael Kappeler/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Wahlen aus Bundessicht - CDU: 20.09.2026, Berlin: Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) spricht nach den Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern im Konrad-Adenauer-Haus. Am Sonntag (20.09.2026) fanden in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin die Wahlen zum Landtag beziehungsweise Abgeordnetenhaus statt.

Michael Kappeler/dpa

Die Partei erreicht nach dem vorläufigen Wahlergebnis nur noch 4,9 Prozent der Zweitstimmen und verpasst damit den Einzug in den Schweriner Landtag. Erstmals scheitert die CDU damit bei einer Landtagswahl in einem Bundesland an der Fünf-Prozent-Hürde.

Noch bei der Landtagswahl 2021 hatte die CDU in Mecklenburg-Vorpommern 13,3 Prozent erreicht und zwölf Abgeordnete in den Landtag geschickt. Innerhalb von fünf Jahren verliert die Partei damit 8,4 Prozentpunkte und mehr als die Hälfte ihres damaligen Stimmenanteils.

CDU hat künftig keine Abgeordneten im Landtag

Das Unterschreiten der Fünf-Prozent-Marke hat unmittelbare Folgen für die Zusammensetzung des neuen Landtags. Parteien müssen in Mecklenburg-Vorpommern mindestens fünf Prozent der Zweitstimmen erreichen, um bei der Sitzverteilung berücksichtigt zu werden. Die CDU erhält deshalb nach dem vorläufigen Ergebnis keinen der 71 Sitze.

Damit verliert eine Partei ihre parlamentarische Vertretung, die seit der ersten Landtagswahl nach der deutschen Wiedervereinigung 1990 durchgehend im Schweriner Landtag vertreten war. 1990 war die CDU mit 38,3 Prozent sogar stärkste Kraft geworden. Seither ging ihr Stimmenanteil bei den Landtagswahlen allerdings langfristig deutlich zurück: 2016 waren es noch 19,0 Prozent, 2021 noch 13,3 Prozent – 2026 sind es nun 4,9 Prozent.

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Lange blieb der Einzug in den Landtag offen

Wie knapp das Ergebnis ausfiel, zeigte sich bereits am Wahlabend. In der ersten ARD-Prognose um 18 Uhr wurde die CDU noch bei 5,5 Prozent gesehen, das ZDF kam zunächst auf 5,0 Prozent. In den folgenden Hochrechnungen sank der Wert schrittweise. Gegen 21.47 Uhr lag die CDU in der ARD-Hochrechnung erstmals bei 4,9 Prozent. Das vorläufige Ergebnis bestätigte schließlich diesen Wert.

CDU-Landeschef Daniel Peters hatte am Wahlabend zunächst noch auf den Einzug seiner Partei gehofft. Zu einem Zeitpunkt, als die CDU in den Hochrechnungen noch oberhalb der Fünf-Prozent-Marke lag, sprach er von einem „Überlebenskampf“. Im weiteren Verlauf des Abends fiel die Partei jedoch unter fünf Prozent.

Die schwierige Lage hatte sich bereits vor der Wahl abgezeichnet. Eine Woche vor dem Wahltag hatte Peters von einer „ernsten Lage“ seiner Partei gesprochen. Zu diesem Zeitpunkt lagen Umfragen die CDU noch bei rund sieben Prozent.

Auch das BSW scheitert knapp

Die CDU ist nicht die einzige Partei, die knapp an der Sperrklausel scheitert. Das BSW erreicht nach dem vorläufigen Ergebnis 4,8 Prozent und bleibt damit ebenfalls außerhalb des Landtags. Die FDP, die 2021 noch den Sprung ins Parlament geschafft hatte, kommt nur noch auf 1,0 Prozent.

Dadurch sind im neuen Landtag nach dem vorläufigen Ergebnis lediglich vier Parteien vertreten. Die AfD erhält mit 38,2 Prozent 32 Sitze, die SPD mit 35,5 Prozent 29 Sitze. Linke und Grüne kommen mit 6,5 beziehungsweise 5,7 Prozent auf jeweils fünf Mandate.

Die CDU scheitert dabei denkbar knapp: Zwischen ihrem Ergebnis von 4,9 Prozent und der für den Einzug notwendigen Marke von fünf Prozent liegen lediglich wenige Zehntelprozentpunkte. Das BSW liegt mit 4,8 Prozent noch knapp dahinter.

Deutlicher Absturz gegenüber 2021

Besonders deutlich wird die Größenordnung des CDU-Ergebnisses im historischen Vergleich. Bei der ersten Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern im Jahr 1990 erreichte die Partei noch 38,3 Prozent. Danach sank ihr Ergebnis über mehrere Wahlperioden: 2006 waren es 28,8 Prozent, 2011 noch 23,0 Prozent und 2016 19,0 Prozent. 2021 folgte mit 13,3 Prozent bereits ein weiterer deutlicher Rückgang.

Mit den nun erreichten 4,9 Prozent setzt sich diese Entwicklung fort. Gegenüber 2021 verliert die CDU rund zwei Drittel ihres damaligen Stimmenanteils und sämtliche zwölf bisherigen Landtagsmandate.

Welche Folgen hat das Ergebnis?

Das Ausscheiden der CDU verändert die Kräfteverhältnisse im Landtag erheblich. Da neben CDU auch BSW und FDP nicht vertreten sind, verteilen sich die 71 Sitze vollständig auf AfD, SPD, Linke und Grüne.

Für mögliche Regierungsmehrheiten spielt das eine wichtige Rolle. Die bisherige Koalition aus SPD und Linken kommt allein nicht mehr auf eine Mehrheit. SPD, Linke und Grüne verfügen zusammen allerdings über 39 der 71 Sitze und damit über eine rechnerische Mehrheit. Die AfD stellt mit 32 Abgeordneten die größte Fraktion.

Die CDU wird dagegen in der kommenden Wahlperiode nach dem vorläufigen Ergebnis keine parlamentarische Rolle spielen.

Das Ergebnis ist für die Partei auch über Mecklenburg-Vorpommern hinaus bemerkenswert: Noch nie zuvor war die CDU bei einer Landtagswahl an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert und deshalb aus einem Landesparlament ausgeschieden. Mit 4,9 Prozent ist genau das nun erstmals geschehen.