Hohe Preise bei Sprit, Strom und Gas: Was will Merz dagegen tun?

ARD-Sommerinterview „Bericht aus Berlin“ mit Bundeskanzler Merz: 30.08.2026, Berlin: Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sitzt beim ARD-Sommerinterview "Bericht aus Berlin" im Studio. (zu dpa: «Merz: Antwort auf Sprengstoff-Drohne mit Partnern abgestimmt») Foto: Annette Riedl/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Annette Riedl/dpaHohe Strompreise belasten Unternehmen und private Haushalte, an der Tankstelle machen sich gestiegene Ölpreise bemerkbar. Bundeskanzler Friedrich Merz sieht Handlungsbedarf – macht aber zugleich deutlich, dass die Bundesregierung die Energiepreise nur begrenzt beeinflussen kann. Im ARD-Sommerinterview und bei der anschließenden Fragerunde erklärte er, welche Maßnahmen die Regierung plant und wo er die Grenzen staatlicher Entlastung sieht.
Beim Strom ist die Richtung für Merz klar: Die Kosten müssten sinken. Auf die Frage, um wie viel Prozent die Preise zurückgehen müssten, damit sie für den Wirtschaftsstandort Deutschland kein Problem mehr seien, wollte sich der Kanzler allerdings nicht festlegen. Er könne nicht sagen, ob es zehn, 20 oder 30 Prozent sein müssten. Entscheidend sei vielmehr ein international wettbewerbsfähiges Energiepreisniveau, mit dem Unternehmen in Deutschland arbeiten könnten.
Merz setzt auf mehr Energieangebot
Um die Stromkosten zu drücken, verweist Merz auf mehrere Maßnahmen der Bundesregierung. Genannt hat er eine Strompreisbremse, einen Industriestrompreis und die Kraftwerkstrategie. Außerdem sollen Wind- und Solarenergie weiter ausgebaut sowie neue Gaskraftwerke errichtet werden. Für die Gasversorgung setzt die Bundesregierung nach seinen Worten zudem auf langfristige Lieferverträge mit Laufzeiten von zehn oder 15 Jahren.
Für Merz führt der Weg zu niedrigeren Energiepreisen vor allem über ein größeres Angebot. Deutschland müsse zusätzliche Kapazitäten aufbauen und seine Energieversorgung absichern. Gleichzeitig kritisierte er frühere energiepolitische Entscheidungen. Die Abschaltung der deutschen Kernkraftwerke hätte er nach eigenen Angaben nicht vorgenommen. Deutschland habe Kraftwerke abgeschaltet, bevor ausreichend Alternativen vorhanden gewesen seien.
Eine konkrete Prognose, wie stark Strom dadurch künftig günstiger werden könnte, gibt der Kanzler allerdings nicht ab. Auf die Frage, ob die Bundesregierung berechnet habe, wo die zahlreichen Investitionen in Erzeugung, Netze und neue Kraftwerke preislich hinführen, erklärte Merz, eine solche Vorhersage sei nicht seriös möglich. Zu groß sei unter anderem der Einfluss internationaler Energiepreise.
Kohleausstieg soll bleiben – neue Kraftwerke müssen rechtzeitig fertig sein
Auch beim Kohleausstieg setzt Merz vorerst auf den bestehenden Zeitplan. Das gesetzlich vereinbarte Ausstiegsdatum 2038 stehe. Zugleich betonte er, dass bis dahin ausreichend Ersatz für die wegfallenden Kraftwerke geschaffen werden müsse.
Dabei spielen neue Gaskraftwerke eine zentrale Rolle. Die entsprechenden Ausschreibungen liefen, sagte Merz. Über eine Verlängerung der Kohleverstromung müsse 2026 noch nicht diskutiert werden. Voraussetzung für den Ausstieg bleibe aber eine zuverlässige Energieversorgung.
Spritpreise: Dauerhafte Subventionen lehnt Merz ab
Deutlich weniger Spielraum sieht der Kanzler bei Benzin und Diesel. Einen zeitweiligen Tankrabatt will die Bundesregierung zunächst nicht verlängern. Merz begründete das auch mit den Kosten für den Staat.
Seine Botschaft: Stark gestiegene Weltmarktpreise für Öl könnten nicht dauerhaft mit deutschem Steuergeld ausgeglichen werden. Einen Ölpreis von rund 100 Dollar je Barrel könne Deutschland nicht einfach „wegsubventionieren“, machte Merz deutlich.
Auf die Frage, ob stattdessen der CO₂-Preis gesenkt werden könnte, schloss Merz eine Diskussion darüber nicht grundsätzlich aus. Eine konkrete Senkung kündigte er jedoch nicht an. Die Bundesregierung wolle vielmehr beobachten, wie sich die internationalen Märkte entwickelten.
Eine wichtige Rolle spielt aus Sicht des Kanzlers dabei die Lage im Nahen Osten. Im Interview führte er die hohen Ölpreise insbesondere auf den dortigen Krieg und die Situation an der Straße von Hormus zurück. Eine Entspannung könne seiner Einschätzung nach schnell zu niedrigeren Preisen an den Energiemärkten führen – und damit auch Auswirkungen auf Deutschland haben.
Auch beim Gas setzt Merz auf langfristige Lieferverträge
Mit Blick auf den kommenden Winter zeigte sich Merz zuversichtlich, dass Deutschland ausreichend mit Gas versorgt werden könne. In der anschließenden Fragerunde wurde er mit vergleichsweise niedrigen Speicherständen konfrontiert.
Die Bundesregierung tue alles dafür, die Speicher ausreichend zu füllen, sagte Merz. Darüber werde regelmäßig im Kabinett berichtet. Auch hier verwies er auf langfristige Gaslieferverträge mit anderen Ländern. Nach seiner Darstellung seien Vorkehrungen getroffen worden, um auch einen harten Winter bewältigen zu können.
Verbraucher bekommen vorerst keine Preisgarantie
Eine Garantie für deutlich niedrigere Strom-, Gas- oder Spritpreise gibt Merz damit nicht. Beim Strom will die Bundesregierung vor allem das Angebot ausweiten und Unternehmen gezielt entlasten. Bei Benzin und Diesel setzt der Kanzler dagegen stärker auf eine Entspannung der Weltmarktpreise und lehnt dauerhafte staatliche Subventionen ab.
Für Verbraucher bleibt damit offen, wann und in welchem Umfang die Energiekosten tatsächlich sinken. Merz verspricht zwar, die Preise nach unten bringen zu wollen. Auf einen konkreten Zielpreis oder einen Zeitpunkt, bis wann Haushalte mit spürbaren Entlastungen rechnen können, legt er sich jedoch nicht fest.

