Merz über Arbeitszeit-Reform: „Über acht Stunden zu arbeiten ist keine Ausbeutung“

Deutscher Arbeitgebertag 2026: Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) spricht beim Deutschen Arbeitgebertag der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) im Berliner Congress Center (BCC). Spitzenvertreter aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft treffen sich einmal jährlich beim Arbeitgebertag und diskutieren Entwicklungen in Politik und Wirtschaft.
Bernd von Jutrczenka/dpaBeim Deutschen Arbeitgebertag in Berlin bezeichnete er die geplanten Änderungen am Dienstag als „überfällig“. Zugleich verteidigte er längere Arbeitstage und verwies auf Beschäftigte, die zwölf Stunden pro Schicht arbeiten. „Über acht Stunden zu arbeiten ist keine Ausbeutung“, sagte der Kanzler.
Bundeskanzler Friedrich Merz hat sich für eine schnelle Reform des Arbeitszeitgesetzes ausgesprochen. In der Fragerunde beim Deutschen Arbeitgebertag in Berlin wurde der CDU-Politiker am Dienstag darauf angesprochen, ob der bereits länger erwartete Gesetzentwurf noch im Oktober vorgelegt werde.
Merz verwies auf entsprechende Vereinbarungen und bezeichnete die Reform als „überfällig“. Er glaube, dass die geplanten Änderungen relativ schnell umgesetzt werden könnten. Ziel sei es, mehr Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt zu ermöglichen.
Zur Begründung seiner Position führte der Kanzler ein konkretes Beispiel aus der Wirtschaft an. Dabei verteidigte er ausdrücklich Arbeitszeiten von mehr als acht Stunden pro Tag.
Merz berichtet von Zwölf-Stunden-Schichten in der Lausitz
Merz schilderte einen Unternehmensbesuch, den er vor einigen Wochen in der Lausitz absolviert habe. Dort habe er einen großen Betrieb aus Finnland besucht, der Kunststoffersatzprodukte aus Holz herstellt.
Bei einem Gespräch mit den Schichtleitern habe er sich nach deren Arbeitszeitmodell erkundigt. Auf die Frage, ob das Unternehmen rund um die Uhr im Dreischichtbetrieb arbeite, hätten ihm die Beschäftigten erklärt, dass sie lediglich in zwei Schichten arbeiteten.
Merz habe daraufhin vermutet, dass die Produktionsanlagen zwischenzeitlich stillstünden. Die Mitarbeiter hätten jedoch erklärt, dass eine Schicht zwölf Stunden dauere.
Das habe ihn zunächst überrascht, berichtete der Kanzler. Die Beschäftigten hätten das Modell allerdings ausdrücklich gelobt. Sie arbeiteten an drei Tagen in der Woche jeweils zwölf Stunden und hätten dadurch mehr zusammenhängende Freizeit.
Auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf werde dadurch erleichtert, hätten ihm die Beschäftigten geschildert.
Merz betonte, dass das Arbeitszeitmodell mit Zustimmung des Betriebsrats eingeführt und ordnungsgemäß vereinbart worden sei.
„Über acht Stunden zu arbeiten ist keine Ausbeutung“, sagte der Bundeskanzler. Vielmehr könne dies sowohl für die Betriebe als auch für die Beschäftigten eine gute Chance sein, ihre Arbeitszeiten flexibler zu gestalten.
Bundesregierung plant Reform des Acht-Stunden-Tages
Mit seiner Aussage bekräftigte Merz die Pläne der Bundesregierung, das Arbeitszeitgesetz zu reformieren. Union und SPD haben in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart, die Möglichkeit einer wöchentlichen statt einer täglichen Höchstarbeitszeit zu schaffen.
Bislang darf die werktägliche Arbeitszeit grundsätzlich acht Stunden nicht überschreiten. Eine Verlängerung auf bis zu zehn Stunden ist möglich, wenn innerhalb von sechs Monaten oder 24 Wochen im Durchschnitt acht Stunden pro Werktag eingehalten werden. Darüber hinaus sind unter bestimmten Voraussetzungen Ausnahmen zulässig.
Durch die geplante Reform sollen Beschäftigte und Unternehmen mehr Spielraum bei der Verteilung der Arbeitszeit erhalten. So könnten längere Arbeitstage durch entsprechend kürzere Arbeitszeiten an anderen Tagen ausgeglichen werden.
Die Bundesregierung argumentiert, dass flexiblere Arbeitszeiten die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessern und Unternehmen dabei helfen könnten, Auftragsspitzen zu bewältigen. Die geltenden Standards beim Arbeitsschutz sollen dabei gewahrt bleiben.
Reform des Arbeitszeitgesetzes ist umstritten
Die geplante Änderung sorgt allerdings für Streit. Arbeitgeberverbände setzen sich für größere Flexibilität ein. Gewerkschaften warnen dagegen vor einer Aufweichung des Acht-Stunden-Tages und möglichen gesundheitlichen Belastungen durch längere Arbeitszeiten.
Merz stellte beim Deutschen Arbeitgebertag die möglichen Vorteile in den Vordergrund. Mit dem Beispiel aus der Lausitz wollte er verdeutlichen, dass längere Schichten aus seiner Sicht nicht automatisch mit schlechteren Arbeitsbedingungen verbunden sein müssen.
Einen konkreten Termin für die Vorlage des Gesetzentwurfs nannte Merz in der übermittelten Antwort nicht. Er machte jedoch deutlich, dass er eine schnelle Umsetzung der bereits vereinbarten Reform erwartet.
