Merz & Co. bitten zur Kasse: Fast 11,80 Euro bis 2030: Rauchen wird zum todbringenden Luxus

Der durchschnittliche Preis für eine Packung Zigaretten soll demnach bis 2030 schrittweise von aktuell rund 8 Euro auf fast 11,80 Euro steigen. Das wären etwa 40 Cent mehr als vor einer Woche vom Bundeskabinett beschlossen.
Sven Hoppe/dpa- Koalition in Berlin plant höhere Tabaksteuer: Packung bis 2030 fast 11,80 Euro.
- Geplant sind 9,10 Euro im Jahr 2027, danach Anstieg bis 11,78 Euro.
- Begründet wird dies mit Haushaltskonsolidierung und Gesundheitsschutz.
- Zusatzeinnahmen: rund 800 Millionen Euro pro Jahr mehr als bisher vorgesehen.
- DKFZ und Bundesregierung betonen hohe Gesundheitsrisiken und Nutzen des Rauchstopps.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Die schwarz-rote Koalition in Berlin will die Tabaksteuer noch stärker erhöhen als bisher geplant. Das berichten Medien unter Berufung auf eine sogenannte Formulierungshilfe des Bundesfinanzministeriums für die Koalitionsfraktionen.
Der durchschnittliche Preis für eine Packung Zigaretten soll demnach bis 2030 schrittweise von aktuell rund 8 Euro auf fast 11,80 Euro steigen. Das wären etwa 40 Cent mehr als noch vor einer Woche vom Bundeskabinett beschlossen.
Aus Koalitionskreisen hieß es, die Regierungsfraktionen hätten entschieden, die im Regierungsentwurf vorgesehenen Steuertarife noch einmal nach oben anzupassen. So solle vor allem der Aspekt des Gesundheitsschutzes noch einmal gestärkt werden.

So ästhetisch kann Zigarettenqualm sein - wenn man ihn nicht riechen oder inhalieren muss.
Imago/PanthermediaSparpaket im Gesundheitswesen
Kanzleramtsminister Thorsten Frei (CDU) verweist zur Tabaksteuer auf Veränderungen zugunsten der Krankenhäuser und der stationären Versorgung. Nach dem Bundestag hatte am Freitag (10. Juli) auch der Bundesrat den Weg für ein Sparpaket von Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) freigemacht, das die Krankenkassenbeiträge stabil halten soll.
Es sieht Milliarden-Ausgabenbremsen bei Praxen, Krankenhäusern und Pharmabranche vor. Dabei war der Bund den Ländern noch mit finanziellen Zugeständnissen für die Kliniken entgegengekommen.
Die geplanten die Änderungen bei der Tabaksteuer sollen jährlich jeweils rund 800 Millionen Euro mehr in die Kasse des Bundes spülen als bisher vorgesehen. Konkret solle der durchschnittliche Packungspreis für Zigaretten 2027 auf 9,10 Euro steigen, bisher geplant gewesen seien 8,77. Dann soll es demnach schrittweise bis zum Jahr 2030 hochgehen auf 11,78 Euro.
Staat braucht Geld und schiebt Gesundheitsschutz vor
Aus Koalitionskreisen heißt es nun zum Beschluss des Bundeskabinetts zur Erhöhung der Tabaksteuer, dies diene der Haushaltskonsolidierung. Der Bund muss Milliardenlücken schließen. Die Erhöhung diene aber auch dem Schutz der öffentlichen Gesundheit und stehe im Einklang mit dem Ziel der Bundesregierung, die Raucherquote von Jugendlichen und Erwachsenen zu senken.
Dieses nachvollziehbare und hehre Anliegen bekommt allerdings dadurch einen bitteren Beigeschmack, dass es der Bundesregierung letztendlich nicht um die Gesundheit der Bürger, sondern um ihr Geld geht. Das dürfte auch der intellektuell schlichteste Raucher begreifen.
Dabei sind die Gesundheitsgefahren des Qualmens, dem in Deutschland mehr als jeder vierte Erwachsene frönt, hinlänglich bekannt. Diese wiegen weit schwerer als die höheren Steuern auf Tabakerzeugnisse, auch wenn die staatliche Zwangsabgabe viele Betroffene unmittelbarer schmerzen dürfte.

Das Rauchverhalten ist zudem stark sozial geprägt. In allen Altersgruppen ist der Raucheranteil unter Menschen mit niedrigem Bildungsstand am höchsten.
Imago/BihlmayerfotografiePrävention tabakbedingter Erkrankungen
„Die Tabakprävention hat ein enormes Potenzial für die Krebsprävention, denn Rauchen ist für fast 20 Prozent aller Krebs-Neuerkrankungen verantwortlich. Damit ist Rauchen nach wie vor der wichtigste vermeidbare Krebsrisikofaktor“, konstatiert Michael Baumann, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg.
Erhebliche Unterschiede beim Rauchverhalten bestehen zwischen den einzelnen Bundesländern. Tendenziell wird in östlichen Bundesländern mehr geraucht als in westlichen, und in nördlichen Bundesländern mehr als in südlichen.

Hendrik Streeck, Drogenbeauftragter der Bundesregierung warnt: „Aus medizinischer Sicht ist es eindeutig: Rauchen gehört zu den größten vermeidbaren Gesundheitsrisiken überhaupt. In Deutschland sterben jedes Jahr rund 131.000 Menschen direkt an den Folgen des Tabakkonsums.“
Imago/Daniel ScharingerDas Rauchverhalten ist zudem stark sozial geprägt. In allen Altersgruppen ist der Raucheranteil unter Menschen mit niedrigem Bildungsstand am höchsten. Präventionsmaßnahmen und Hilfsangebote zur Tabakentwöhnung müssen daher insbesondere auf Menschen mit niedrigem sozioökonomischem Status zugeschnitten werden.
Hendrik Streeck, Drogenbeauftragter der Bundesregierung warnt: „Aus medizinischer Sicht ist es eindeutig: Rauchen gehört zu den größten vermeidbaren Gesundheitsrisiken überhaupt. In Deutschland sterben jedes Jahr rund 131.000 Menschen direkt an den Folgen des Tabakkonsums.“

Nach DKFZ-Berechnungen verkürzt starkes Rauchen das Leben im Schnitt um zehn Jahre.
Imago/Panama PicturesWelche Risiken reduzieren sich mit dem Rauchstopp?
Wer die Finger von der Zigarette lässt, verringert generell das Risiko für verschiedenste Erkrankungen:
- Schon drei Tage nach der letzten Zigarette verbessert sich nach Angaben des DKFZ die Funktion der Atemwege.
- Nach einer Woche sinkt der Blutdruck und damit das Herzinfarktrisiko.
- Nach einem bis neun Monaten gehen Hustenanfälle, Verstopfungen der Nasennebenhöhlen und Kurzatmigkeit zurück. Die Lunge wird allmählich gereinigt, indem Schleim abgebaut wird. Die Infektionsgefahr verringert sich.
- Zwei Jahre nach einem Rauchstopp hat ein früherer Raucher fast das gleiche Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie ein Nichtraucher.
- Wer fünf Jahre rauchfrei ist, liegt beim Herzinfarktrisiko gleichauf mit Nichtrauchern. Nach fünf Jahren sinkt auch das Risiko für Krebserkrankungen in Mundhöhle, Rachen, Speiseröhre und Harnblase auf die Hälfte. Auch das Schlaganfallrisiko kann bereits nach zwei bis fünf Jahren auf das eines Nichtrauchers sinken.
- Bis zu 85 Prozent der Lungenkrebstodesfälle lassen sich auf Tabakkonsum zurückführen. Bei keiner anderen Krebsart kann ein Rauchstopp so viele Sterbefälle vermeiden. Zehn Jahre nach dem Aufhören hat ein ehemaliger Raucher ein nur noch halb so hohes Risiko für Lungenkrebs, als wenn er dauerhaft weitergepafft hätte.

Immer wieder werden Raucher als Vorbild genommen, die trotz ihres Konsums ein hohes Lebensalter erreichen. Fakt ist: Viele Konsument entwickeln mehr rauchbedingte Krankheiten und sterben daran in ihren Vierzigern.
Imago/Future Image
Wie wirkt sich der Rauchstopp auf die Lebenszeit aus?
Nach DKFZ-Berechnungen verkürzt starkes Rauchen das Leben im Schnitt um zehn Jahre. Der schlimmste Fall ist ein fettleibiger starker Raucher, der viel Alkohol trinkt und viel rotes Fleisch isst. Er büßt gegenüber besonders gesund lebenden männlichen Altersgenossen rund 17 Jahre an Lebenserwartung ein. Bei einer Frau liegt der Unterschied bei fast 14 Jahren Lebenszeit.
