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Ein paar Mal falsch abgebogen – wohin das führt zeigt der italienische Autor Davide Coppo in seinem Debüt, dessen Titel wie eine Drohung klingt: „Der Morgen gehört uns“.
Mehr als nur eine Sonntagsrede: die Friedenspreisträgerin des Deutschen Buchhandels Anne Applebaum warnt in der Frankfurter Paulskirche vor dem Zusammenhang von Despotie und Krieg und den Versuchungen, die sich in das Gewand des Friedens kleiden.
Chatbots, die duzen, Autoren, die aus der Rolle fallen, und ein Gastland, dessen Repräsentanten gegen es rebellieren: Eindrücke von der Frankfurter Buchmesse.
Italien präsentiert sich auf der Buchmesse mit historischem Bildungspomp. Die Vorsteherin des Börsenvereins warnt vor einem Bildungsnotstand.
Die 20. Jubiläumsausgabe der renommierten Auszeichnung zeigt die ganze Spannweite der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Martina Hefter gewinnt mit einem wunderbaren Tanz gegen die Schwerkraft: „Hey guten Morgen, wie geht es dir?“
Martina Hefters Roman „Hey guten Morgen, wie geht es Dir?“ ist ein Text über Tattoos, den Planet Melancholia, über ältere Frauen, Nigeria und betrügerische Internet-Chats. Ein absoluter Glücksfall – und nun auch Roman des Jahres.
Am Gastland Italien der Frankfurter Buchmesse zeigt sich, welcher Gefahr die Kultur durch politische Vereinnahmung ausgesetzt ist, in Deutschland droht eher die der politischen Vernachlässigung, kommentiert unser Literaturredakteur Stefan Kister.
Ein Schäferroman, wie es noch keinen gegeben hat: Markus Thielemann überschreibt in „Von Norden rollt ein Donner“ pastorale Idyllen mit finsterer Wirklichkeit.
Tom Kraushaar leitet den Stuttgarter Klett-Cotta-Verlag. In den Vorgängen bei Suhrkamp will er kein Krisensymptom erkennen. Gefahren sieht er woanders.
Mit einem spektakulären Eigentümerwechsel geht Deutschlands traditionsreichster Verlag neuen Zeiten entgegen. Der Hamburger Unternehmer Dirk Möhrle kommt aus einer Baumarkt-Dynastie – nun investiert er in kulturelles Kapital.
Gute Entscheidung: Der Literaturnobelpreis geht zum ersten Mal nach Südkorea. Die Schriftstellerin Han Kang legt in ihren Romanen die dunkle Seite des Landes offen.
Kaum ein Buch dürfte in diesem Herbst sehnlicher erwartet worden sein, als der neue Roman von Sally Rooney „Intermezzo“. Doch jedem Hype folgt der Verdacht auf den Fuß.
Jahrhundertwerk oder Jahrhundertbluff? Clemens Meyer überblendet im Kopfkino seines für den Deutschen Buchpreis nominierten Monumentalromans „Die Projektoren“ Karl-May-Szenerien mit den realen Abgründen der Geschichte.
Seit 100 Jahren behauptet sich die Büchergilde Gutenberg mit attraktiven Ausgaben zu erschwinglichen Preisen. Zum Jubiläum hat der Künstler Jim Avignon Jörg Fausers Krimi „Der Schneemann“ illustriert. Ein Grund zum Feiern – auch in Stuttgart.
Im Sprachlabor: Die neue Performance-Reihe „Chymische Hochzeit“ vereint experimentelle Literatur und chemische Experimente in hochreaktiven Lesungen.
Monika Zeiner erzählt in „Villa Sternbald“ die Geschichte eines fränkischen Schulmöbel-Unternehmens über fünf Generationen hinweg als wäre es ein Roman von Thomas Mann. Und das hat Methode.
Der Leibnizpreisträger Christoph Möllers ist einer der angesehenen Verfassungsjuristen unserer Zeit. Ein Gespräch über den Spielraum der Freiheit in Zeiten globaler Krisen und des Aufstiegs populistischer Parteien.
Ein Abend, den man nicht so schnell vergisst: Der Pulitzer-Preisträgers Nathan Thrall hat im Literaturhaus sein Buch „Ein Tag im Leben von Abed Salam“ vorgestellt. Es enthüllt die hoffnungslose Lage der Palästinenser, die täglich hoffnungsloser wird.
Isabelle Lehn ist einem tatsächlichen Kriminalfall mit den Mitteln der Literatur auf den Grund gegangen. Ihr neuer Roman treibt ein verblüffendes Spiel mit der Wirklichkeit – Ausgang offen.
Im neuen Roman „Der Chor“ der Stuttgarter Autorin Anna Katharina Hahn finden die verschiedenen Stimmlagen der Stadtgesellschaft zusammen. Doch allzu harmonisch geht es dabei nicht zu – zum Glück.
In seinem neuen Roman „Reise nach Laredo“ begleitet Arno Geiger den Habsburger Herrscher Karl V. auf der Suche nach sich selbst.
In ihrem Roman „Reichskanzlerplatz“ erzählt Nora Bossong, wie aus einer jungen Frau die Vorzeigemutter des Nationalsozialismus, Magda Goebbels, wurde.
Die türkisch-britische Autorin Elif Shafak reist in ihrem Roman „Am Himmel die Flüsse“ dorthin, wo die Quellen der Zivilisation entsprungen sind. Und es ist überwältigend, welche Fülle an Themen auf dem Strom ihres Erzählens verschifft werden.
Bei ihrem Erscheinen ist die „Hillbilly Elegy“ des gerade zum republikanischen Vizepräsidentschaftskandidaten gekürten J.D. Vance als beeindruckendes Sittenbild aus dem amerikanischen „Rostgürtel“ gefeiert worden. Wie liest es sich heute?
Der Südtiroler Autor Oswald Egger erhält den Büchner-Preis. Wer ihm auf seinen poetischen Grenzgängen folgt, braucht eine gute Kondition, aber es lohnt sich.
Kärnten ist schön. Doch „Wo der spitzeste Zahn der Karawanken in den Himmel hinauf fletscht“, ist auch der politische Tabubruch zuhause. Julia Jost entblößt in ihrem Debüt die dunklen Geheimnisse der anständigen Leute.
Zum Kaffee bei Hermann Hesse und ein doofes Bild von Rainald Goetz: Das Literaturmuseum der Moderne in Marbach zeichnet anlässlich des 100. Geburtstags des Suhrkamp-Verlegers Siegfried Unseld ein sehenswertes Porträt in Briefen.
Sprache als Medium der Verwandlung: Die Gedichte von Manon Hopf machen die Stofflichkeit antiker Mythen durchlässig für gegenwärtige Erfahrungen. Dafür wird sie in diesem Jahr mit dem Gerlinger Lyrikpreis geehrt.
Autos sind Schicksalsmaschinen. Zora del Buono wuchs ohne Vater auf, der bei einem Verkehrsunfall verunglückt ist. In ihrem Buch „Seinetwegen“ taucht die Schweizer Autorin ein in die Vergangenheit und bringt eine ganze Welt ans Licht.
Schluss mit lustig: Der Bestseller-Autor Marc-Uwe Kling legt mit „Views“ seinen ersten Thriller vor – und der hat es in sich.
Bernhard Schlink ist nicht der einzige Jurist, der zu Bestsellerehren gekommen ist, mit seinem Roman „Der Vorleser“ aber einer der weltweit erfolgreichsten. An diesem Samstag feiert er seinen achtzigsten Geburtstag.
Vom südalbanischen Gjirokastra aus hat Ismail Kadare die Geschichte des 20. Jahrhunderts in die Weltliteratur eingeschrieben. Nun ist der bedeutendste Dichter seines Landes mit 88 Jahren gestorben.
Tijan Sila gewinnt beim Wettlesen in Klagenfurt den Bachmann-Preis. Trotz einer düsteren Gesamtwetterlage wurde hier selten so viel gelacht.
In seinem Roman „Zeit der Zikaden“ erzählt der Stuttgarter Autor Moritz Heger von der Reise zweier nicht mehr ganz junger Leute ins Offene eines neuen Lebensabschnitts. Doch wer aufbricht, sollte nicht zuviel mitnehmen.
Was gerade in Frankreich passiert, hat der Soziologe Didier Eribon schon früh vorhergesehen. Im Stuttgarter Literaturhaus hat er sein neues Buch vorgestellt. Mit Grauen blickt er auf das, was auf das Land in der nächsten Woche zukommen könnte.
Wenige wurden von ihren Zeitgenossen und der Nachwelt so grausam zugerichtet wie der Freigeist, Geschäftsmann und Finanzrat Joseph Süßkind Oppenheimer. Die Autorin Raquel Erdtmann hat den antisemitischen Justizmord anhand der Gerichtsakten neu aufgerollt.
„Möchte die Witwe angesprochen werden, platziert sie auf dem Grab die Gießkanne mit dem Ausguss nach vorne“: will man von einem ungewöhnlichen Leseerlebnis berührt werden, sollte man diesen Titel von Saša Stanišić auf seinem Stapel ganz nach oben legen.
Das deutsche Literaturarchiv gibt Einblick in den Stand der Erschließung des Rilke-Nachlasses und zeigt, dass auch Propheten nicht alles einfach zufliegt.
Haare sind beileibe keine Nebensache und Friseure möglicherweise ein sträflich unterschätzter Berufsstand. Der Schriftsteller und Theologe Paul-Henri Campbell kann die soziale Metaphorik deuten, die die Leute auf den Köpfen tragen.
Ronya Othmann zeigt in ihrem Recherche-Roman „Vierundsiebzig“ über den Genozid an den Jesiden, wie Ereignisse, die sich jeder Darstellung entziehen, zum Gegenstand der Sprache werden können.
Der Kreis, in dem sich das Leben Franz Kafkas in Prag abgespielt hat, ist überschaubar, hat aber einen schwindelerregenden weltliterarischen Durchmesser. Ein Gang durch eine versunkene Welt, in der ein Werk entstanden ist, das gegenwärtiger denn je ist.
Gerade einmal ein halbes Jahr hat Janina Hecht das Stuttgarter Schriftstellerhaus geleitet, dann hat man sich einvernehmlich getrennt. Regina Rechsteiner soll das Haus aus der Krise führen. Das Lesefestival „Stuttgart liest ein Buch“ wird verschoben.
Joyce Carol Oates hat einem Gesellschaftsroman das Herz eines Thrillers eingepflanzt. „Babysitter“ ist das Meisterstück der Erfolgsautorin. Darin erwachen die eingeschlafenen Leidenschaften einer Frau aus den besten Kreisen in einem amerikanischen Albtraum.
Als Schriftsteller ist Martin Suter alles gelungen, im Leben musste er schwere Schicksalsschläge hinnehmen. Nach dem Tod seiner Frau geht er nun wieder auf Tour. Ein Gespräch über Verlust, Weiterleben und die Macht der Fiktion.
Jana Scheerers wilde Romansatire „Die Rassistin“ führt auf urkomische Weise den Kinderwunsch einer Universitätsdozentin mit den Kopfgeburten einer theoriegesättigten moralistischen Erregungskultur zusammen – ohne sie zu denunzieren.
Iris Wolff erzählt von zwei einander bestimmten Menschen, die sich im Strom der Zeit verlieren und wiederfinden. Der Roman „Lichtungen“ zeigt, wie viel Vergangenheit es braucht, um die Gegenwart zu verstehen.
In dieser Woche beginnen die Antiquariatsmessen in Stuttgart und Ludwigsburg. Der Antiquar Bernhard Volkert hat sich ganz auf Philosophie spezialisiert – und erklärt, woran es liegen könnte, wenn man glaubt, Kant nicht verstehen zu können.
Der tschechische Autor Jaroslav Rudiš zieht an Heiligabend durch das verschneite Prag. Er begegnet einigen Nachtgestalten – und seinem Freund, dem Zeichner Jaromir 99. Daraus ist ein zauberhaftes Weihnachtsbuch geworden.
Am Gastland Italien der Frankfurter Buchmesse zeigt sich, welcher Gefahr die Kultur durch politische Vereinnahmung ausgesetzt ist, in Deutschland droht eher die der politischen Vernachlässigung, kommentiert unser Literaturredakteur Stefan Kister.