Bundesregierung äußert sich zur Rentenreform
: Merz will „Rente mit 63“ weiterhin abschaffen

Bundeskanzler Friedrich Merz hält trotz Widerstands aus den Ländern an der geplanten Abschaffung der sogenannten „Rente mit 63“ fest.
Von
Lukas Böhl
Berlin
Jetzt in der App anhören
Klausurtagung der Bundesregierung: 26.08.2026, Brandenburg, Neuhardenberg: Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) gibt der Klausurtagung des Bundeskabinetts vor dem Schloss Neuhardenberg eine Pressekonferenz. Foto: Kay Nietfeld/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Klausurtagung der Bundesregierung: 26.08.2026, Brandenburg, Neuhardenberg: Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) gibt der Klausurtagung des Bundeskabinetts vor dem Schloss Neuhardenberg eine Pressekonferenz. Foto: Kay Nietfeld/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Kay Nietfeld/dpa

Nach der Kabinettsklausur in Neuhardenberg bekräftigte der CDU-Chef, den Trend zur Frühverrentung stoppen zu wollen. Härtefälle sollen allerdings berücksichtigt werden. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) will die sogenannte „Rente mit 63“ weiterhin abschaffen. Das bekräftigte er am Mittwoch bei der Pressekonferenz nach der zweitägigen Kabinettsklausur auf Schloss Neuhardenberg in Brandenburg. Gemeinsam mit Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) und Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) stellte Merz dort die Ergebnisse der Beratungen vor. Die Bundesregierung hatte bei der Klausur unter anderem über Wirtschaftswachstum, Wettbewerbsfähigkeit und anstehende Reformen beraten.

Mit Blick auf die Rentenpolitik sagte Merz, angesichts einer älter werdenden Gesellschaft müsse der Trend zur Frühverrentung gestoppt werden. Deshalb wolle er die Abschaffung der „Rente mit 63“ wie vereinbart umsetzen. Dabei sollen nach seinen Angaben Härtefälle angemessen berücksichtigt werden.

Merz reagierte damit auch auf Widerstand aus den Bundesländern. Vor allem mehrere Ministerpräsidenten hatten sich gegen ein vollständiges Ende der abschlagsfreien Frührente ausgesprochen. Der Kanzler zeigte sich über diese Kritik nach eigenen Worten „erstaunt“ und verwies darauf, dass es den Wortmeldungen aus seiner Sicht an einer ausreichenden Faktenbasis gefehlt habe.

„Ich gehe davon aus, dass ich die Ministerpräsidenten von diesem Weg überzeugen kann. Das ist auch in ihrem Interesse“, sagte Merz. Bereits vor der Kabinettsklausur hatte die Bundesregierung deutlich gemacht, dass sich an der grundsätzlichen Linie des Kanzlers nichts geändert habe und die Empfehlungen zur Rentenreform vollständig umgesetzt werden sollen.

StZ Kompakt - Der Morgen
Montag - Sonntag um 6.00 Uhr
Starten Sie mit den wichtigsten Themen aus Stuttgarter Sicht in den Tag und erhalten Sie sonntags die besten Geschichten der Woche.

Was mit der „Rente mit 63“ gemeint ist

Der Begriff „Rente mit 63“ ist inzwischen eigentlich überholt. Gemeint ist die Altersrente für besonders langjährig Versicherte. Wer mindestens 45 Versicherungsjahre erreicht, kann derzeit vor der regulären Altersgrenze ohne Abschläge in Rente gehen. Ursprünglich war dies tatsächlich ab 63 Jahren möglich. Die Altersgrenze steigt jedoch schrittweise. Für Versicherte des Jahrgangs 1964 und jünger liegt sie bei 65 Jahren.

Die von der Bundesregierung eingesetzte Alterssicherungskommission hatte empfohlen, diesen abschlagsfreien vorzeitigen Renteneintritt nach 45 Versicherungsjahren abzuschaffen. Zusätzlich schlägt sie vor, die Möglichkeit einer vorgezogenen Rente mit Abschlägen nach 35 Versicherungsjahren künftig erst ab 64 statt ab 63 Jahren zu eröffnen.

Gegen die Abschaffung der bisherigen Regelung gibt es jedoch erheblichen politischen Widerstand. Unter anderem hatten ostdeutsche Ministerpräsidenten und Politiker aus der SPD Bedenken angemeldet. SPD-Sozialpolitiker forderten beispielsweise längere Übergangsfristen, damit Beschäftigte, die ihre Ruhestandsplanung auf die bisherige Regelung ausgerichtet haben, nicht kurzfristig betroffen sind.

Merz machte nach der Kabinettsklausur deutlich, dass dieser Widerstand aus seiner Sicht nicht zu einer Abkehr vom Reformkurs führen soll. Die Rentenreform soll im Herbst weiter vorangetrieben und in mehreren Schritten umgesetzt werden. Damit bleibt die Zukunft der abschlagsfreien Frührente eines der politisch umkämpften Projekte der schwarz-roten Bundesregierung.