CDU unter 5 % in Mecklenburg-Vorpommern: Das sagt Merz zur Wahlniederlage

Friedrich Merz: Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) verlässt nach einer Ansprache nach den Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern im Konrad-Adenauer-Haus die Bühne.
Michael Kappeler/dpaNach dem vorläufigen Ergebnis kommt die Partei bei der Landtagswahl vom 20. September 2026 nur auf 4,9 Prozent der Zweitstimmen – und scheitert damit an der Fünf-Prozent-Hürde. Erstmals verpasst die CDU bei einer Landtagswahl in Deutschland den Einzug in ein Landesparlament.
Bundeskanzler und CDU-Chef Friedrich Merz fand dafür am Wahlabend deutliche Worte. Kurz nach den ersten Prognosen trat er in der Berliner CDU-Zentrale vor die Kameras. Seine Bewertung: „Das Ergebnis in Mecklenburg-Vorpommern können wir nicht schönreden, es ist ein Desaster.“
Einen Rückzug kündigte Merz allerdings nicht an. Stattdessen verband er seine Reaktion auf die Wahlniederlage mit der Ankündigung, seinen politischen Kurs als Parteivorsitzender und Bundeskanzler fortzusetzen.
Merz: CDU wurde zwischen SPD und AfD „zerrieben“
Für das schlechte Ergebnis in Mecklenburg-Vorpommern nannte Merz vor allem die Zuspitzung des Wahlkampfs auf die beiden stärksten Parteien.
„Die CDU hat gekämpft, aber es ist am Ende die CDU zerrieben worden in der Zuspitzung zwischen SPD und AfD“, sagte Merz.
Tatsächlich lagen AfD und SPD im vorläufigen Ergebnis weit vor allen anderen Parteien. Die AfD erreichte 38,2 Prozent, die SPD 35,5 Prozent. Dahinter folgten die Linke mit 6,5 und die Grünen mit 5,7 Prozent. Die CDU kam mit 4,9 Prozent nur auf den fünften Platz.
Merz räumt fehlenden Rückenwind aus Berlin ein
Merz verwies in seiner Ansprache zugleich auf die schwierigen Bedingungen für die Wahlkämpfer der CDU. Er dankte den Mitgliedern und Helfern, die sich im Wahljahr für die Partei eingesetzt hätten – „teils unter sehr schwierigen Bedingungen, auch weil der Rückenwind aus Berlin ausgeblieben ist“.
Damit räumte der CDU-Chef zumindest ein, dass die Bundespolitik seiner Partei im Landtagswahlkampf keine zusätzliche Unterstützung verschafft habe. Eine detaillierte Analyse eigener politischer Entscheidungen oder konkreter Fehler der Bundesregierung nahm Merz in seiner Ansprache allerdings nicht vor. Stattdessen weitete er den Blick auf die wirtschaftliche und gesellschaftliche Lage in Deutschland.
„Die Reformen müssen kommen“
Merz sprach von einem Staat, der „zu kompliziert geworden“ sei, einer Wirtschaft mitten in einem tiefen Umbruch und einem gesellschaftlichen Klima, dessen Ton „rauer und unversöhnlicher“ geworden sei.
Seine Schlussfolgerung aus dieser Lage ist nicht ein Kurswechsel, sondern das Festhalten am Reformprogramm seiner Bundesregierung.
„Wir brauchen dazu Veränderungen. Veränderungen kosten Kraft“, sagte Merz. Nicht jede Maßnahme werde schnellen Beifall finden. Manche Reformen könnten für Menschen zunächst mit Belastungen und Unsicherheiten verbunden sein, ihre Wirkung teilweise erst später zeigen.
Dann formulierte Merz seinen zentralen Satz für den weiteren Kurs: „Die Reformen müssen kommen.“
Auch nach der Wahlniederlage will er daran festhalten. „Wir übernehmen diese Verantwortung. Ich übernehme diese Verantwortung, denn ich möchte unser Land voranbringen“, sagte der Kanzler.
Merz verbindet Reformkurs mit Kampf gegen Autoritarismus
Besonders grundsätzlich wurde Merz gegen Ende seiner Ansprache. Er erklärte, erfolgreiche Reformen könnten nicht nur Wirtschaft und Zusammenleben verbessern, sondern auch das Vertrauen in die Handlungsfähigkeit Deutschlands stärken.
„Deutschland ist reformfähig“, sagte der CDU-Chef.
Anschließend bezeichnete er Reformen als Mittel gegen das „autoritäre Gift“ und die „Faszination des Autoritären“, die seiner Darstellung nach immer tiefer in die Gesellschaft eindringe.
Merz will Parteichef und Bundeskanzler bleiben
Aus seiner Ansprache machte Merz zugleich deutlich, dass er persönlich weitermachen will.
„Was jetzt zu tun ist, erfordert Rückgrat, Standhaftigkeit und Geduld“, sagte er. Und weiter: „Ich werde das aufbringen als Parteivorsitzender der CDU und vor allem als Bundeskanzler unseres Landes.“
Damit reagierte Merz auf mögliche Fragen nach persönlichen Konsequenzen mit einer klaren Aussage zur Fortsetzung seiner Ämter. Auch ZDF und Tagesschau werteten die Erklärung entsprechend: Merz will trotz der Wahlniederlage Kanzler und CDU-Vorsitzender bleiben und seinen Reformkurs fortsetzen.
Merz ist seit 2022 CDU-Bundesvorsitzender und seit dem 6. Mai 2025 Bundeskanzler.
CDU fällt von 13,3 auf 4,9 Prozent
Die Dimension der Niederlage zeigt sich auch im Vergleich zur vorherigen Landtagswahl. 2021 hatte die CDU in Mecklenburg-Vorpommern noch 13,3 Prozent erreicht. Nun bleiben davon 4,9 Prozent – ein Verlust von 8,4 Prozentpunkten.
Damit verliert die Partei auch ihre parlamentarische Vertretung in Schwerin. Nach dem vorläufigen Ergebnis wird der neue Landtag aus AfD, SPD, Linken und Grünen bestehen. Neben der CDU scheitert auch das BSW mit 4,8 Prozent knapp an der Fünf-Prozent-Hürde.
Für die CDU ist das Ergebnis historisch: Noch nie zuvor war sie bei einer Landtagswahl unter fünf Prozent gefallen und dadurch aus einem Landesparlament ausgeschieden.
