Grünes Männer-Manifest: Mann statt Memme: Grüne wollen für Männer attraktiver werden

Helden statt Heulsusen: Die Grünen suchen nach neuen männlichen Rollenbildern: „Wir brauchen ein positives Bild, was gute Männlichkeit sein kann.“ Ob sie damit diesen Vertreter des Homo maskulinum meinen? Sylvester Stalone als stoisch-stahlharter Titelheld in dem US-Action-Kultfilm "Rambo II: Der Auftrag" aus dem Jahr 1985.
Imago/ZUMA Press Wire- Grüne Politiker verfassen ein Manifest: Sie wollen ein positives Bild von Männlichkeit prägen.
- Bisher habe die Partei vor allem definiert, was Männer nicht sein sollen, heißt es im Papier.
- Zitat aus dem Manifest: „Wir brauchen ein positives Bild, was gute Männlichkeit sein kann.“
- Felix Banaszak warnt vor pauschaler Ablehnung von Männern im progressiven Milieu.
- Anton Hofreiter kritisiert, dass Männlichkeit dort oft automatisch als toxisch gilt.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
In der Politik gibt es Unvereinbarkeitsbeschlüsse. So schließen CDU/CSU kategorisch aus, mit „den“ Rechten – gemeint ist die AfD – und „den“ Linken – gemeint ist die Linkspartei und nicht die Linke in der SPD – gemeinsame Sache zu machen.
Auch die Grünen haben Ausschlusskriterien, wer zu ihnen gehören darf und wer nicht: Faschisten – also alle, die sich nach Ansicht der Ökopartei im Dunstkreis der AfD bewegen – sind per se außen vor. Reuige rechte Sünder und AfD-Konvertiten mal ausgenommen, aber davon dürfte es ohnehin nicht allzu viele geben.

Dieser ältere Herrn, der am am 4. Juli 2026 gegen den AfD-Parteitag in Erfurt demonstrierte, dürfte ganz nach dem Geschmack des Grünen-Männer-Manifests sein.
Imago/pictureteamGrüne und maskuline Männer: Geht das überhaupt?
Mehr schon gibt es von einer anderen gesellschaftlichen Gruppe, welche die Grünen bisher sträflich vernachlässigt und allenfalls mit sterilen Latexhandschuhen angefasst haben: maskuline Männer - im allgemeinen Sprachgebrauch auch „echte Kerle“ genannt. Also jene Vertreter des Homo maskulinum, die auf dicke Muckis, PS-Protzer-Boliden, schöne Frauen und Macho-Gehabe stehen.
Grün und maskulin: Das war bisher wie Feuer und Eis, hell und dunkel, Ordnung und Chaos, Felix Banaszak und Sylvester Stallone. Aber ab sofort soll das anders werden. Denn die Grünen wollen ein neues, positives Bild von Männlichkeit entwickeln (PS: Das es bisher noch nicht gab, weil die Grünen es noch nicht erfunden haben). Das geht aus einem Manifest einer Gruppe von Bundes-, Landes- und Europapolitikern hervor, über das der „Spiegel“ berichtet.
Die Grünen wissen, „was gute Männlichkeit sein kann“
In dem programmatischen Text rechnen die neun Männer und vier Frauen, darunter Parteichefin Franziska Brantner und ihre Vorgängerin Ricarda Lang, mit dem bisherigen Männerbild der Partei ab. Im Kampf für Frauenrechte sei etwas auf der Strecke geblieben, heißt es in dem Grundsatzpapier, das ein neues Paradigma grün-affiner Männlichkeit entwirft.
Die Grünen hätten definiert, was Männer nicht sein sollten: nicht gewalttätig, nicht dominant, nicht unterdrückend. „Aber wir haben vergessen, ein Angebot zu machen, was Männlichkeit stattdessen sein kann“, schreiben die Autoren. Und Sie ahnen es vielleicht schon: Selbstverständlich wissen die Grünen wie immer am besten, was etwas ist und wie es zu sein hat.
„Wir haben ein Vakuum geschaffen, und in dieses Vakuum strömen jetzt die alten Bilder zurück“, heißt es in dem Manifest weiter. Es reiche nicht, gegen toxische Männlichkeit zu sein und deren Propagandisten zu belächeln, kritisiert die Gruppe. „Wir brauchen ein positives Bild, was gute Männlichkeit sein kann.“

Anton Hofreiter (li.) und Felix Banaszak wollen Deutschlands Männern zeigen, "was wahre Männlichkeit" ist.
Imago/Bernd ElmenthalerProgressives Milieu und positive Männlichkeit
Co-Parteichef Felix Banaszak – eher der sanfte Typ Mann - fügt gegenüber dem „Spiegel“ hinzu: Er verstehe, wenn das Verständnis vieler Frauen gegenüber Männern aufgebraucht sei. „Aber es ist ein Problem, wenn Linke pauschal ausstrahlen: Als Mann bist du das Problem und bleibst es auch.“
Das „progressive Milieu“ – oder was die Grünen dafür halten - brauche ein „eigenes positives Verständnis von Männlichkeit“, das nicht nur Defizit sei, fordert der 36-jährige Sozial- und Kulturanthropologe Banaszak, der gebürtig aus der Ruhrpott-Männer-Hochburg Duisburg stammt.
Der bajuwarische Mann und Grünenpolitiker Anton „Toni“ Hofreiter kritisiert, dass im progressiven Lager Männlichkeit automatisch mit dem Begriff toxisch verbunden werde. „Männer werden pauschal für das, was sie sind, abgelehnt und nicht für das, was sie sagen oder tun.“
Grüne Back to the roots
Dass ausgerechnet die Grünen sich auf die Ursprünge der Männlichkeit zurückbesinnen wollen, ist etwas befremdlich. Von der Steinzeit bis zur Gründung der Grünen-Partei in Westdeutschland am 12./13. Januar 1980 in Karlsruhe war die Rollenverteilung der Geschlechter buchstäblich in Stein gemeißelt: Ich – Mann, Du – Frau. Ich – Jäger, Du – Mutter. Der Mann war der wilde Kämpfer, der für die Jagd und den Schutz vor Tieren und Feinden zuständig war. Die Frau hütete die Kinder, kümmerte sich um den Haushalt und sammelte Pflanzen zur Nahrungsergänzung.
Dieses geschlechterspezifische Bild des Urzeitmenschen wird von den Antagonisten der Emanzipation immer wieder hervorgekramt, um bis heute überholte Rollenklischees und Familienmodelle zu rechtfertigen. Dass global viele Gesellschaften diese archaische Arbeitsteilung unter den Geschlechtern bis heute tradieren, macht die Sache nicht besser. Denn seit die Grünen das politische Pflaster betreten haben, ist all das ein absolutes No-Go.

Traditionelles familiäres Rollenbild, wie es seit der Steinzeit bis zum Aufstieg der Grünen in Stein gemeißelt war (Szene aus "The Flintstones" mit Barney Rubble (li.), Fred Flintstone und Wilma Flintstone (re.).
Imago/Ronald Grant Archive Mary EvansToxische Männlichkeit: Pfui Deibel!
Mit ihrer bisherigen Männlichkeits-Skepsis können sich die „Ökopaxe“ u. a. auf die Forschungen amerikanischer Psychologen berufen, die hinsichtlich männlicher Rollenbilder von „toxischer“ und „schädlicher Männlichkeit“ sprechen. Wenn kleine Jungen mit einem Ideal aufwachsen, das von ihnen verlange, Emotionen zu unterdrücken und dominant und aggressiv aufzutreten, sei Gewalt programmiert, heißt es seitens des US-Fachverbands für Psychologie (APA).
Die American Psychological Association hatte im Jahr 2019 eine „Guideline“ - also Leitlinien für die psychologische Arbeit mit Männern und Jungen - veröffentlicht. Darin warnt der Verband, dass strikte, traditionelle Rollenbilder, wie emotionale Unterdrückung, Dominanz und Aggression, die mentale Gesundheit von Männern schädigen. Therapeuten sollten gesellschaftliche Vorurteile zu hinterfragen und Männern zu helfen, veraltete Männlichkeitsnormen zu überwinden.

Macho-Mann mit protziger PS-Bolide: Ist das der neue Adressat grüner Politik?
Imago/DepositphotosIst Ordnung männlich und Chaos weiblich?
Auch der kanadische Psychiater Jordan Peterson („The most influential public intellectual in the Western world right now” - New York Times) will geplagten Männern helfen. Aber auf ganz andere Weise als seine emanzipierten Kollegen aus den USA. Er propagiert in seinem Bestseller „12 Rules For Life: An Antidote to Chaos“ („Ordnung und Struktur in einer chaotischen Welt“) Thesen über ein naturgegebenes Patriarchat und Konzepte wie: „Ordnung ist männlich, Chaos ist weiblich“.
Warum bleiben nicht mehr Männer zu Hause und lassen die Frauen Karriere machen?, fragt Peterson in seinem Bestseller. „Ich glaube nicht, dass das funktioniert“, konstatiert der klinische Psychologe. „Insbesondere, weil Frauen den niedrigeren Status ihrer Männer nicht tolerieren können, der damit verbunden ist.“ Frauen werfen dem Psychiater vor, er festige bei verunsicherten Männern reaktionäre Geschlechtermodelle.

Deutschland, wie es war und nimmer sein soll: Die Frau putzt, der Mann liegt auf der Couch.
Imago/ImagebrokerMännerpfade und Herzenskrieger
Zur Stärkung des Maskulinen werden mitunter noch bizarrere Wege beschritten als das aktuelle Männer-Manifest der Grünen nahelegt: schamanische Männerpfade und Herzenskrieger-Training, in denen Mann lernt, seine Energie und Urkraft „pur zu genießen“, wie es auf einer männerbewegten Webseite heißt.
Kirchen bieten Expeditionen in die Tiefen männlicher Psyche genauso an wie private Vereine und kommerzielle Coaches. Bei Trommel-, Theater- und Tanzworkshops können orientierungslose Großstadtnomaden ihre emotionalen Rüstungen sprengen und ihr verschüttetes Mann-Sein freilegen.
Initiationsriten wie die des US-Priesters und Bestsellerautors Richard Rohr („Der befreite Mann"), der zur spirituellen Männerbefreiung aufruft, sollen verhindern, dass maskuline Energien von Sorgen des Alltags als Partner, Vater und Ernährer aufgesogen werden. Statt in Konsum und Konflikte sollen sie in Kraft und Kreativität fließen.

Männer müssen wieder lernen, den Mann in sich zu "befreien" (Szene aus dem Film „The Trial of Billy Jack" aus dem Jahr 1974 mit Tom Laughlin (li.) und Jack Stanley).
Imago/Everett CollectionWann ist ein Mann ein Mann?
Bleibt schließlich noch zu klären, was „Männlichkeit“ überhaupt meint, um zu verstehen, auf was sich die Grünen einlassen.
- Männlichkeit Die Definition, was Virilität (lateinisch „virilis“, männlich) ist, hat sich historisch und kulturell stark gewandelt. Gemeint ist vor allem die männlich-erotische Ausstrahlung und Zeugungsfähigkeit. Wer mannhaft ist und seinen Mann steht, gilt als tapfer und potent. Als Sinnbild von Männlichkeit assoziiert man bestimmte physische Attribute wie Körpergröße, Muskulatur, tiefe Stimme, breite Schultern, markante Gesichtszüge und Brustbehaarung. Auch Charaktereigenschaften wie Mut, Risikobereitschaft, Abenteuerlust und Aggression zeichnen Männer aus, wobei sie sich soziokulturell oft stark unterscheiden.

Wenn Mann geht auf die Jagd: Szene mit Sylvester Stallone aus „Rambo II: Der Auftrag" aus dem Jahr 1985.
Imago/mptv- Der moderne Mann: Der harte und starke Mann, der sagt, wo es langgeht – das war einmal. Der moderne Mann ist einfühlsam und sensibel. Damit aus ihm keine Memme wird, muss Mann um seine Stärken und Schwächen wissen.
- Erziehung: Laut Statistischem Bundesamt ist die überwältigende Mehrheit der erwerbstätigen Väter (94,4 Prozent), aber nur eine Minderheit der Frauen (30 Prozent) in Vollzeit beschäftigt. Erziehung ist weiterhin eine Frauendomäne: 91 Prozent der knapp 1,7 Millionen Alleinerziehenden sind weiblich. Aber immer mehr Väter nehmen eine berufliche Auszeit und kümmern sich um die Kinder. Die meisten entscheiden sich jedoch für eine kurze Bezugsdauer des Elterngeldes. Im Schnitt erhielten sie es für 3,5 Monate, bei den Müttern waren es 13,3 Monate.
- Männliche Melancholitis: Der Blick ist grimmig, die Hand zur stahlharten Faust geballt, jede Faser aufs Äußerste gespannt. So sehen echte Männer aus – zumindest im Kino: John Wayne als Teufelshauptmann, Clint Eastwood als Dirty Harry, Russell Crowe als Gladiator. Und der moderne Mann? Er leidet an maskuliner Melancholitis, ist anschmiegsam, gefühlvoll und verständnisvoll.
- Memme und Macho: „Ein Indianer kennt keinen Schmerz.“ Alles Klischee? Forscher haben nachgewiesen, dass Männer von Natur aus gar keine Memmen sind. Das Macho-Sein liegt in ihren Hormonen. Testosteron senkt das Schmerzempfinden, während es durch Östrogen gesteigert wird. Dadurch ist Mann kräftiger, aggressiver und schmerzunempfindlicher.

Künftig ein Sport auch für grüne Männer? Armwrestler bei der Arbeit.
Imago/Pond5 Images- Softie-Syndrom: Die weibliche Erwartungshaltung ist heute sehr viel höher als früher. Moderne Frauen wollen alles zugleich: den sensiblen Frauenversteher und zarten Streichler, den Testosteron-Heroen und den stürmischen, nach Moschus riechenden Liebhaber. Viele Männer sind mit dieser multifunktionalen Rollenverteilung überfordert.
- Weiche Seite: Der moderne Mann vermag Beruf und Familie auszubalancieren. Er teilt sich mit der Partnerin Haushalt und Erziehung, ist offen für weibliche Selbstverwirklichung, verständnisvoll und gesundheitsbewusst. Auch vergräbt er seine Gefühle nicht in den Hinterhöfen seiner Seele, sondern spricht offen mit ihr und anderen darüber.
Grün ist die neue männliche Hoffnung
Die Grünen sind also wie stets en vogue und gehen mit der Zeit. Stark statt soft ist das Gebot und Stunde.
Umweltbewegte und Klimakämpfer, Frauenversteher und Queer-Treiber, Anti-Faschisten und Lifestyle-Marxisten, Weltverbesserer und Bunte-Vielfalt-Verteidiger, progressive und emanzipatorische Öko-Linke springen jetzt auf den fahrenden Zug der Fans archetypischer Männlichkeit auf, um auch in diesem Milieu Stimmen zu sammeln.
