Schuldenorgie bis zum Kollaps
: Warum die SPD Deutschlands Zukunft  nicht „kaputtsparen“ will

Jetzt aber echt: Der Kanzler drückt aufs Reformtempo, die SPD will nicht mehr sparen und Schwarz-Rot ruft Tage der Entscheidungen aus. Alles schon mal gehört? Stimmt! Doch wenn sich die Bundesregierung diesmal zur Kabinettsklausur trifft, wird alles anders, alles besser, alles schneller. „Wir wissen, was richtig und gut ist für das Land“, bekräftigt Merz.
Von
Markus Brauer
Berlin
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Fällt er oder fällt er nicht? Noch steht Kanzler Merz und bügelt seine Kritiker ab: „Wir wissen, was richtig und gut ist für das Land."

Fällt er oder fällt er nicht? Noch steht Kanzler Merz und bügelt seine Kritiker ab: „Wir wissen, was richtig und gut ist für das Land."

Imago/Frank Ossenbrink
  • Bundesregierung trifft sich zur Kabinettsklausur in Neuhardenberg – Reformtempo soll steigen.
  • SPD lehnt „zukunftsfeindliche“ Sparpolitik ab und verweist auf ein 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen.
  • Kritik an Kanzler und Regierung ist hoch, Merz kündigt schnelle Reformen und Entlastungen an.
  • SPD betont: Investitionen wirken, über 50 Milliarden Euro seien „auf dem Weg“.
  • Streitpunkt bleibt die Schuldenfrage, während Ziele wie Wettbewerbsfähigkeit und Jobs priorisiert werden.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Friedrich Merz hat vorab alle Kritiker des Regierungskurses - und davon gibt es laut Umfragen sehr, sehr viele - abgebürstet. „Wir wissen, was richtig und gut ist für das Land“, bekräftigt er. „Die Botschaft hör’ ich wohl, allein mir fehlt der Glaube“, möchte man ihm mit Goethes Faust antworten.

Am Dienstag (25. August) und Mittwoch (26. August) findet auf Schloss Neuhardenberg im Landkreis Märkisch-Oderland in Brandenburg die nächste Kabinettsklausur der Bundesregierung unter der Regie des Kanzlers statt. Viel gibt's zu besprechen  - oder auch gar nichts. Je nachdem, wie sich die Koalitionäre von CDU, CSU und SPD aufeinander zubewegen oder gleich zu Beginn zerstreiten. Alles ist möglich bei dieser Regierung, wie die Empirie belegt.

Malerisch-schöne Kulisse für die schwarz-rote Kabinettsklausur: Schloss und Park Neuhardenberg im Landkreis Märkisch-Oderland.

Malerisch-schöne Kulisse für die schwarz-rote Kabinettsklausur: Schloss und Park Neuhardenberg im Landkreis Märkisch-Oderland.

Imago/Jürgen Ritter

SPD fordert Ende der „zukunftsfeindlichen“ Sparpolitik

Die SPD-Spitze hat vorsorglich ihre Pflöcke eingeschlagen. Und sie macht wieder mal deutlich, dass Sozialdemokraten nur in Schulden und noch mehr Schulden den einzigen Weg zum Heil sehen. Die tiefe Verachtung für die Verfechter einer fiskalisch soliden Haushaltspolitik ist aus ihrem aktuellen Statement deutlich herauszuhören.

Die Genossen erteilen darin einer „zukunftsfeindlichen“ Sparpolitik eine klare Absage. Das 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen  wirke, heben sie hervor. Im Präsidiumsbeschluss heißt es auch mit Blick auf Kritik aus Reihen des Koalitionspartners Union, mit Sparpolitik sei „jetzt Schluss“. Der Wirtschaftsrat der CDU forderte mehr Anstrengungen beim Bürokratieabbau, der Mittelstand forderte eine verlässliche Innovationsförderung.

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Bei dem Treffen will Schwarz-Rot seine Pläne für die kommenden Monate festzurren. Unter anderem soll es um die Sicherung von industrieller Wettbewerbsfähigkeit, Wachstum und Arbeitsplätzen gehen. Zuletzt hatte die Kritik am Kanzler und seiner Regierung massiv zugenommen - aus Wirtschaft, Opposition und den eigenen Reihen. Merz weist die Kritik - wie stets  - zurück und kündigt - wie immer - eine schnelle Umsetzung von Reformen und umfassende Entlastungen der Wirtschaft an.

Schulden, Schulden, noch mehr Schulden: Die Genossen erteilen einer „zukunftsfeindlichen“ Sparpolitik eine klare Absage.

Schulden, Schulden, noch mehr Schulden: Die Genossen erteilen einer „zukunftsfeindlichen“ Sparpolitik eine klare Absage.

Imago/Bihlmayerfotografie

Welche Sparpolitik meint die SPD?

Man fragt sich unweigerlich, welche Sparpolitik die SPD meinen könnte. Für Sozis ist Sparen ein Unwort. Warum sollte der Staat weniger (schuldenfinanziertes) Geld ausgeben als er könnte? Welchen Sinn macht es, eine Leistungsreserve  zu schaffen, um durch gegenwärtigen Verzicht auf Verbrauchsmöglichkeiten für künftige Investitionen mehr zu haben? Die Knauserei der vergangenen Jahrzehnte, so das Credo der Sozis, habe das Land „kaputtgespart“. Mehr Schulden bedeuteten auch mehr Sicherheit für zukünftige Generationen.

 „Unsere Investitionen wirken, sie kommen vor Ort an“, behauptet Bundesfinanzminister Lars Klingbeil.

Fällt auch er oder fällt er nicht? „Unsere Investitionen wirken, sie kommen vor Ort an“, behauptet Bundesfinanzminister Lars Klingbeil.

Imago/Bernd Elmenthaler

Im Beschluss des SPD-Präsidiums heißt es weiter: Gegner des Sondervermögens beschwerten sich über die Schulden, die für Investitionen aufgenommen würden. „Das sind die gleichen Leute, die aus ideologischen Gründen jahrelang eine Sparpolitik zulasten unserer Infrastruktur und der Attraktivität unseres Wirtschaftsstandorts durchgesetzt haben.“ Die „fatalen und teuren Folgen dieser Politik“ spürten Bürger und Unternehmen heute.

Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) ist ein großer Verfechter der unbegrenzten Schuldenaufnahme. „Unsere Investitionen wirken, sie kommen vor Ort an“, behauptet er. Von den 500 Milliarden Euro seien schon „mehr als 50 Milliarden Euro auf dem Weg“. Der SPD-Chef ergänzt: „Wir werden das Tempo hochhalten und in Bund, Ländern und Kommunen weiter Druck machen, damit schnell geplant und gebaut wird.“

Auch Sondervermögen sind Schulden

Der euphemistische Begriff des „Sondervermögens“ soll verschleiern, dass es sich bei den 500 Milliarden für Infrastruktur und Klimaneutralität mit einer Laufzeit von zwölf Jahren um reine Kredite handelt. Der Staat hofft, dass durch die neuen Schulden ein kräftiges Wirtschaftswachstum entfacht wird.  Mehr gutbezahlte Jobs, volle Auftragsbücher, heimische Investitionen und Innovationen - all das lässt die Wirtschaft brummen und füllt das Steuersäckel.

Was in der Theorie überzeugt, muss in der Praxis nicht unweigerlich funktionieren. Denn bisher mildern die Milliardenschulden den Absturz der Wirtschaft und die Deindustrialisierung nur ab. Eine sich immer weiter aufblähender öffentlicher Dienst, eine aus den Fugen geratener Sozialstaat, eine außer Kontrolle geratene Subventionspolitik, dreistellige Milliardenbeträge für Aufrüstung und Ukrainekrieg - all das lässt sich nur noch mit immer und noch mehr Schulden finanzieren.

Der Steuersack ist praller gefüllt denn je. Und trotzdem ist darin immer zu wenig.

Der Steuersack ist praller gefüllt denn je. Und trotzdem ist darin immer zu wenig.

Imago/Teamwork

2029 ist Schluss mit der Schuldenorgie

Spätestens, wenn die Legislaturperiode im Frühjahr 2029 enden und diese Regierung nicht mehr im Amt sein wird, ist Schluss mit der Schuldenorgie. Dann  kommt das böse Erwachen und setzt die große Reue ein. Begleitet von dem schmerzlichen Gefühl, dass die Entscheidungen der vergangenen Regierung falsch waren. Und dem Bewusstsein, dass die Bürger die Zeche zahlen müssen.

Eine SPD, die eine „zukunftsfeindlichen“ Sparpolitik brandmarkt, wird es dann wahrscheinlich nicht mehr geben - und wenn, dann auf politische Zwergengröße geschrumpft.  Aber das wird auch keine Rolle mehr spielen. Die Sozialdemokraten werden Teil einer Geschichte sein, an die sich manche mit Wehmut, andere mit Zorn zurückerinnern. Wie sagt Frau Rosel im Roman „Lichtenstein“ von Wilhelm Hauf (1827): „Reu und guter Rat sind unnütz nach geschehener Tat.“ (mit AFP-Agenturmaterial)