Schlechte Umfragewerte für Merz
: Kubicki fordert Vertrauensfrage

Die Mehrheit der Bürger bewertet Friedrich Merz’ Arbeit negativ. Zugleich hält Wolfgang Kubicki eine parlamentarische Klärung für notwendig.
Von
Lukas Böhl
Berlin
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Bundeskanzler Friedrich Merz

Bundeskanzler Friedrich Merz

Michael Kappeler/dpa

Laut einer aktuellen Forsa-Umfrage sind nur 15 Prozent der Befragten mit der Arbeit des Kanzlers zufrieden. 83 Prozent äußern sich unzufrieden. Gleichzeitig stößt die von Merz angekündigte Umbildung von Bundesregierung und CDU-Spitze bei einer deutlichen Mehrheit auf Skepsis. FDP-Politiker Wolfgang Kubicki fordert den Kanzler inzwischen öffentlich auf, im Bundestag die Vertrauensfrage zu stellen.

Besonders schwach fällt die Bewertung von Merz außerhalb der eigenen politischen Anhängerschaft aus. Unter den Anhängern von CDU und CSU halten sich Zustimmung und Ablehnung nahezu die Waage: 50 Prozent sind mit dem Kanzler zufrieden, 49 Prozent nicht. Bei den Anhängern des Koalitionspartners SPD stehen 20 Prozent Zustimmung einer Unzufriedenheit von 79 Prozent gegenüber.

Noch schlechter sind die Werte bei den übrigen Parteien. Unter Grünen-Anhängern sind neun Prozent mit Merz zufrieden, bei den Anhängern der Linken drei Prozent und bei der AfD zwei Prozent. Die Anteile der Unzufriedenen liegen dort bei 88, 95 beziehungsweise 98 Prozent.

Die Daten zur Kanzlerzufriedenheit wurden nach Angaben von Forsa im Auftrag von RTL Deutschland zwischen dem 21. und 27. Juli 2026 erhoben. Befragt wurden 2502 Personen. Die statistische Fehlertoleranz beträgt bis zu 2,5 Prozentpunkte.

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Mehrheit erwartet keine Verbesserung durch Umbildung

Auch die Personalentscheidungen des Kanzlers können die Stimmung bislang nicht drehen. Merz hatte mehrere Veränderungen im Bundeskabinett und an der CDU-Spitze angekündigt. Unter anderem soll der bisherige CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann das Bundesgesundheitsministerium übernehmen. Die bisherige Gesundheitsministerin Nina Warken ist als neue Kanzleramtschefin vorgesehen.

Nur 25 Prozent der Befragten glauben laut RTL/ntv-Trendbarometer, dass die Bundesregierung durch die bereits vorgenommenen und die geplanten Neubesetzungen künftig besser arbeiten wird. 68 Prozent erwarten keine Verbesserung.

Unter den Anhängern der Union ist die Hoffnung auf einen positiven Effekt deutlich größer. Dort rechnen 53 Prozent mit einer besseren Regierungsarbeit, 40 Prozent teilen diese Einschätzung nicht. Bei den SPD-Anhängern erwarten 35 Prozent eine Verbesserung, während 60 Prozent skeptisch bleiben. Unter Anhängern der Grünen liegt die Zustimmung bei 24 Prozent, bei der Linken bei 14 Prozent und bei der AfD bei sieben Prozent.

Die Befragung zu den Personalentscheidungen fand zwischen dem 24. und 27. Juli statt und umfasste 1002 Personen. Zum Zeitpunkt der Erhebung waren noch nicht alle Umbesetzungen offiziell bekannt.

Linnemann stößt auf erhebliche Skepsis

Vor allem die Berufung Linnemanns zum Gesundheitsminister wird kritisch bewertet. 23 Prozent der Befragten halten ihn für das Amt geeignet. 49 Prozent sehen ihn als ungeeignet an, 28 Prozent trauen sich keine Einschätzung zu.

Selbst unter den Anhängern der Union ergibt sich kein eindeutiges Vertrauensvotum. 42 Prozent halten Linnemann für geeignet, 28 Prozent für ungeeignet. Weitere 30 Prozent äußern keine klare Meinung.

Die Umbildung hat zudem innerparteiliche Spannungen ausgelöst. Kritik gibt es unter anderem an der Ablösung des bisherigen Verkehrsministers Patrick Schnieder, der Staatsministerin Christiane Schenderlein und des Gesundheitsstaatssekretärs Tino Sorge. Sorge warf dem Kanzler öffentlich einen schlechten Umgang mit den Betroffenen vor, nachdem er nach eigener Darstellung nicht persönlich über seine Ablösung informiert worden war.

Kubicki spricht Merz politische Autorität ab

Angesichts der schlechten Umfragewerte und der Unruhe in der Union verschärft Wolfgang Kubicki seinen Ton gegenüber dem Kanzler. Der frühere Bundestagsvizepräsident warf Merz vor, seit seinem Amtsantritt in kurzer Zeit das Vertrauen der Bevölkerung zerstört zu haben. Als Gründe nannte er handwerkliche Fehler, mangelndes politisches Gespür und gebrochene Wahlversprechen.

Kubicki erklärte zudem, Merz verfüge nicht mehr über die notwendige politische Autorität. Es sei zweifelhaft, ob der Kanzler noch das Vertrauen einer Mehrheit im Parlament genieße. Deshalb solle Merz die Vertrauensfrage stellen und sich der Abstimmung im Bundestag unterziehen.