Nachtleben in Stuttgart: Achtung, geschlossen!
Stuttgart - Der 28. Februar war ein trauriger Tag für die Stuttgarter Club- und Veranstaltungsszene: Das Zapata – die Veranstaltungsinstitution in Stuttgart – kündigte überraschend an, seine Türen für immer dicht zu machen – und zwar bereits Ende März. Grund für die überstürzte Schließung sei laut dem Betreiber der Veranstaltungsstätte Zerwürfnisse mit der Stadt, die die Sperrzeitregelung beträfen. So fand also am Freitagabend die letzte Party in der Location im Stuttgarter Norden statt.
In den vergangenen Jahren bot das Zapata, das auf einer alten Industrieanlage aus den 30er Jahren beheimatet war, eine perfekte Bühne für Konzerte von kleineren, aber auch größeren Acts. So gaben sich Seeed, Jamiroquai und sogar einst Lady Gaga – damals noch zu Beginn ihrer Karriere – die Ehre in dem Stuttgarter Club. Das Zapata ist jedoch nicht der einzige Ort für Tanzwütige in Stuttgart, der geschlossen wurde.
Bereits im Jahr 2009 ging Stuttgart eine andere legendäre Party-Location verloren: Die Räumlichkeiten des Clubs Prag an der Heilbronner Straße fielen im Jahr 2009 der Abrissbirne zum Opfer. Internationalen Bekanntheitsgrad erlangte das Prag vor allem durch die Veranstaltungsreihe 0711-Club, die 1996 von Mitgliedern der Massiven Tönen gegründet wurde – und die Stuttgarter Hip-Hop-Stars wie Afrob und Freundeskreis groß machte.
Mit dem Z-Club an der Nordbahnhofstraße wurde Ende 2011 ein weiterer beliebter Stuttgarter Club abgerissen, weil die Stuttgarter Straßenbahnen AG das Grundstück für den Bau der neuen Stadtbahnlinie U 12 brauchte. Vor allem Freunde ausgefallener Musik wie Dubstep oder hypnotischem Deep-Tech-House-Beat kamen in der kleinen Location auf ihre Kosten.
Fast 30 Jahre lang wurden in der Röhre zahlreiche Konzerte gespielt. Jan Delay war da, auch die Beatsteaks, Sammy Deluxe und Clueso – und sogar Rammstein zerlegten dort einst die Bühne. Auch für legendäre Party-Reihen wie den U-Turn war die Röhre, die am Wagenburgtunnel beheimatet war, bekannt.
Genau dieser Standort war es jedoch, der der Location das Genick brach. Aufgrund des Beginns der Bauarbeiten zum Großprojekt Stuttgart 21 musste die Club-Dame Mitte Januar 2012 ihr Pforten schließen. Ein Ersatz ist bisher nicht in Sicht.
Die Röhre war jedoch nicht die einzige Veranstaltungseinrichtung, die Stuttgart 21 zum Opfer fiel. Auch der Landespavillon im Mittleren Schloßgarten wurde im August 2012 aufgrund der Bauarbeiten abgerissen. An seinem Standort wurde die Baugrube für die Tunnelführung in Richtung Fildern ausgehoben.
Der Info-Pavillon mit dem markanten gelben Zeltdach wurde in den 1970er Jahren für die Bundesgartenschau errichtet. Danach diente der Landespavillon vor allem als Veranstaltungsort für Lesungen, Mundartwettbewerbe, Ausstellungen oder Jazzkonzerte. 1996 übernahmen zwei Gastronomen das Gebäude und eröffneten darin ein Restaurant.
Beliebt war der Ort zuletzt auch bei Abiturienten für Abschlussfeiern oder bei Fußball-Fans, die dort zusammen zum Public Viewing bei Europa- und Weltmeisterschaften feierten.
Anfang Februar verkündete das KimTimJim sein vorzeitiges Aus. Der Club, der sich in einem ehemaligen China-Restaurant eingemietet hatte, musste wegen baurechtlicher Mängel schließen: Das Baurechtsamt bemängelte eine mangelhafte Fluchtweg-Situation. Zwar war das Projekt von vornherein temporär angelegt, da das Gebäude dem Breuninger-Neubau weichen muss, doch das verfrühte Ende kam doch recht überraschend – eigentlich hatten die Besitzer insgeheim gehofft, noch bis zum Sommer den Betreib aufrecht erhalten zu können.
Das KimTimJim war in der House-Szene sehr beliebt. Ein musikinteressiertes und reiferes Publikum nahm das Programm an der Schnittstelle von Neo-Disco, Deep-House, Electro-Pop und gediegenen Techno dankend an.
Nicht alle Clubs und Veranstaltungsstätten in Stuttgart schließen – einige wechseln auch nur ihren Standort, wie das Universum, die Schräglage oder das Rocker 33. Andere Locations hingegen ändern ihre Namen – so hat es beispielsweise zuletzt das Speakeasy gemacht.
Jahrelang war das Universum – wie der Name bereits verrät – auf dem Vaihinger Campus der Uni Stuttgart beheimatet. Seit 2008 ist die Live-Location nun am Charlottenplatz zu finden. Rund vier bis fünf Konzerte werden hier pro Monat gespielt. Außerdem hat die Partyreihe U-Turn aus der Röhre im Universum eine neue Heimat gefunden.
Im Mai 2006 hatten drei Stuttgarter die Idee, aus dem ehemaligen Volcom-Showroom gegenüber des Kaufhauses Breuninger einen Club zu eröffnen: Die Schräglage war geboren. Im November 2007 ging mit dem Club – der von der Location her eher an eine Hausabrissparty erinnerte – einer der entspanntesten Partyorte Stuttgarts an den Start.
Im November 2010 bereitete allerdings ein Wasserschaden der Schräglage ein jähes Ende. Sie musste ausziehen und das Haus wurde abgerissen. Die Betreiber des Clubs beschlossen, das Konzept nicht sterben zu lassen und bezogen eine Location unweit des Marktplatzes. Hier wird nun auch die legendäre Party-Reihe 0711-Club – ein Relikt aus dem geschlossenen Prag – weitergeführt.
Die Verträge aller Mieter, die sich in der ehemaligen Bahndirektion am Hauptbahnhof niedergelassen hatten, wurden 2011 von der Bahn gekündigt. Und so musste auch das Rocker 33 aus dem Gebäude an der Heilbronner Straße ausziehen.
Um die Location vor dem finanziellen Aus zu retten, stiegen die Betreiber des Keller Klub beim Rocker 33 ein. Seit Januar 2012 wird im Filmhaus in der Friedrichstraße gefeiert. Anfang März eröffnete das Rocker 33 im Erdgeschoss den eigenständigen Club-im-Club, der schlicht und einfach 33 benannt ist.
Das Speakeasy fand nach seiner Eröffnung im Jahr 2011 rasch großen Zuspruch und entwickelte sich speziell für alternative Hip-Hop-Funk-Partys zu einem echten Hotspot. Gemeinsam betrieben wurde der Club mit der einzigartigen LED-Wand von den Wurst und Fleisch-Besitzern sowie vom Inhaber der Langen Theke.
Ende Januar diesen Jahres hat sich das Wurst und Fleisch-Team jedoch dazu entschlossen, sich aus dem Clubbetrieb des Speakeasy zurückzuziehen. Grund dafür seien Differenzen mit den Club-Partnern von der Langen Theke. Das Team von der Langen Theken beschloss jedoch, den Club am gleichen Ort, jedoch unter dem neuen Namen Cue weiterzuführen.
Anmerkung (24. März, 13:25 Uhr): Wir haben zwei kleine Fehler in dem Text (zur Röhre und zur Schräglage) nachträglich korrigiert.










