Aktuelle Umfragewerte: So steht es um die Beliebtheit von Kanzler Merz

Wie zufrieden ist Deutschland noch mit dem Kanzler?
Michael Kappeler/dpaDie Umfragewerte von Bundeskanzler Friedrich Merz bleiben auf einem niedrigen Niveau. Mehrere große Meinungsforschungsinstitute kommen derzeit trotz unterschiedlicher Fragestellungen zu einem ähnlichen Ergebnis: Nur eine Minderheit der Befragten bewertet die Arbeit des CDU-Politikers positiv. Gleichzeitig liegt die Union in den aktuellen Sonntagsfragen sämtlicher großer Institute hinter der AfD.
Nur noch 16 Prozent Zustimmung im Umfrage-Durchschnitt
Einen institutsübergreifenden Überblick liefert das Umfrageportal Ilium. Für die erste Septemberhälfte weist dessen Kanzler-Trend für Friedrich Merz eine Zustimmung von 16 Prozent aus. 81 Prozent der Befragten bewerten seine Arbeit demnach negativ, drei Prozent sind unentschieden.
Gegenüber der vorherigen Auswertung sank die Zustimmung um zwei Prozentpunkte. Ilium bildet hierfür einen gewichteten Mittelwert aus den verfügbaren Befragungen mehrerer Meinungsforschungsinstitute.
Der längerfristige Vergleich zeigt einen deutlichen Rückgang. Im Sommer 2025 lagen Merz' Zustimmungswerte noch erheblich höher. Auch Ipsos kommt zu einem ähnlichen Ergebnis: Dort ist die Zustimmung zum Kanzler von 39 Prozent im Juni 2025 auf aktuell 17 Prozent gefallen.
ARD-DeutschlandTrend: 13 Prozent mit Merz zufrieden
Besonders niedrig fällt die Bewertung im aktuellen ARD-DeutschlandTrend von Infratest dimap aus. Nur 13 Prozent der Wahlberechtigten geben an, mit der Arbeit von Friedrich Merz sehr zufrieden oder zufrieden zu sein.
Das ist ein Prozentpunkt weniger als im August. Laut Infratest dimap entspricht der Wert dem niedrigsten Zufriedenheitswert für einen Bundeskanzler seit Beginn des ARD-DeutschlandTrends.
Auch die Bundesregierung insgesamt wird überwiegend kritisch beurteilt: 15 Prozent sind mit ihrer Arbeit zufrieden, 84 Prozent weniger oder gar nicht zufrieden. Befragt wurden vom 31. August bis 2. September 1.319 Wahlberechtigte.
Forsa: 13 Prozent zufrieden, 85 Prozent unzufrieden
Ähnlich sieht es im RTL/ntv-Trendbarometer von Forsa aus. Nach den jüngsten verfügbaren Erhebungen sind lediglich 13 Prozent der Befragten mit der bisherigen Arbeit von Merz zufrieden. 85 Prozent äußern sich unzufrieden.
Die niedrigen Werte bestehen bei Forsa bereits seit mehreren Wochen. Ende August lag die Zustimmung ebenfalls bei 13 Prozent. Auch innerhalb des eigenen politischen Lagers fällt die Bewertung deutlich besser aus als in der Gesamtbevölkerung, eine Mehrheit der Unionsanhänger äußerte sich zuletzt allerdings ebenfalls unzufrieden mit der Arbeit des Kanzlers.
ZDF-Politbarometer: 20 Prozent bewerten Kanzlerarbeit positiv
Etwas besser, aber ebenfalls deutlich negativ fällt das Ergebnis des ZDF-Politbarometers der Forschungsgruppe Wahlen aus.
In der jüngsten Erhebung bewerteten 20 Prozent der Befragten die Arbeit von Friedrich Merz positiv, 75 Prozent negativ. Auch hier erreichte der Kanzler damit einen persönlichen Tiefstwert.
Bei der getrennten Bewertung von Spitzenpolitikern nach Sympathie und Leistung kam Merz auf einer Skala von plus fünf bis minus fünf zuletzt auf einen Durchschnittswert von minus 1,9. Damit lag er auf dem vorletzten Platz der abgefragten zehn Politikerinnen und Politiker. Nur AfD-Chefin Alice Weidel wurde mit minus 2,5 schlechter bewertet.
Die Forschungsgruppe Wahlen befragte zwischen dem 17. und 19. August 1.319 Wahlberechtigte.
Ipsos: 17 Prozent Zustimmung für Merz
Der SPIEGEL-Ipsos-Politikmonitor kommt zu einem vergleichbaren Ergebnis. In der Ende August durchgeführten Befragung bewerteten 17 Prozent die Arbeit von Friedrich Merz positiv, während 83 Prozent sie negativ bewerteten.
Gegenüber der vorherigen Ipsos-Erhebung legte Merz damit zwar um einen Prozentpunkt zu. Im längerfristigen Vergleich ist der Rückgang jedoch erheblich: Im Juni 2025 hatten noch 39 Prozent seine Arbeit positiv bewertet.
Im aktuellen Ranking der Mitglieder der Bundesregierung liegt Merz mit 17 Prozent Zustimmung auf Rang 15 von 18 bewerteten Kabinettsmitgliedern. Befragt wurden zwischen dem 26. und 31. August insgesamt 2.105 Wahlberechtigte.
INSA: 78 Prozent halten Merz nicht für den richtigen Kanzler
Eine aktuelle INSA-Umfrage im Auftrag der „Bild“ stellt eine etwas andere Frage und ist deshalb nicht unmittelbar mit den klassischen Zufriedenheitswerten vergleichbar.
Auf die Frage, ob Friedrich Merz „noch der richtige Bundeskanzler“ sei, antworteten 14 Prozent mit Ja. 78 Prozent verneinten dies, acht Prozent machten keine Angabe.
Auch unter den Wählerinnen und Wählern von CDU und CSU fiel die Bewertung mehrheitlich negativ aus: 36 Prozent bezeichneten Merz als den richtigen Kanzler, 58 Prozent verneinten die Frage.
Warum die Umfragewerte nicht eins zu eins vergleichbar sind
Bei der Einordnung der Zahlen ist die jeweilige Fragestellung entscheidend. Die Institute messen nicht exakt dasselbe.
Infratest dimap fragt beispielsweise nach der Zufriedenheit mit der politischen Arbeit des Kanzlers. Forsa erkundigt sich ebenfalls nach der Zufriedenheit mit seiner bisherigen Arbeit. Die Forschungsgruppe Wahlen lässt die Befragten beurteilen, ob Merz seine Arbeit eher gut oder schlecht macht.
Ipsos misst ebenfalls die Zufriedenheit. INSA fragte in der jüngsten veröffentlichten Erhebung dagegen, ob Merz noch der richtige Bundeskanzler sei.
Die absoluten Prozentwerte sollten deshalb nicht unmittelbar miteinander verrechnet werden. Die grundsätzliche Richtung ist allerdings bei allen aktuellen Erhebungen ähnlich: Die negativen Bewertungen liegen deutlich vor den positiven.
Ilium-Trend zeigt deutlichen Rückgang seit Sommer 2025
Der von Ilium berechnete institutsübergreifende Trend verdeutlicht die Entwicklung über einen längeren Zeitraum.
Im Juli 2025 lag der zusammengefasste Zustimmungswert zeitweise noch bei mehr als 40 Prozent. Zum Jahreswechsel bewegte er sich nur noch um die 30-Prozent-Marke. Anfang 2026 lagen die Werte ebenfalls unter 30 Prozent.
Im Frühjahr und Sommer setzte sich der Rückgang fort. Im Juni lag die Zustimmung laut Ilium bei etwa 19 Prozent, im Juli und August bei rund 18 Prozent. Für die erste Septemberhälfte werden nun 16 Prozent Zustimmung und 81 Prozent Ablehnung ausgewiesen.
Damit liegt die persönliche Bewertung des Bundeskanzlers gegenwärtig auf dem niedrigsten Niveau seiner bisherigen Amtszeit.
Auch die Union liegt in den Sonntagsfragen hinter der AfD
Die schwachen persönlichen Werte des Kanzlers gehen derzeit mit niedrigen Umfragewerten für CDU und CSU einher. Allerdings handelt es sich dabei um zwei unterschiedliche Messgrößen: Aus der persönlichen Bewertung eines Kanzlers lässt sich nicht unmittelbar auf die Wahlabsicht schließen.
Dennoch zeigt der Vergleich der aktuellen Bundestagsumfragen ein einheitliches Bild. In den von Wahlrecht.de aufgeführten jüngsten Erhebungen aller acht großen Institute liegt die AfD vor CDU und CSU.
Allensbach sieht CDU/CSU bei 22,5 Prozent und die AfD bei 27,5 Prozent. Bei Verian sind es 20 zu 28 Prozent, bei Forsa 21 zu 28 Prozent und bei der Forschungsgruppe Wahlen 22 zu 27 Prozent.
GMS misst 20 Prozent für die Union und 30 Prozent für die AfD. Bei Infratest dimap steht es 21 zu 27 Prozent, bei INSA 20 zu 29 Prozent.
Die jüngste der auf Wahlrecht.de aufgeführten Befragungen stammt von YouGov und wurde am 15. September veröffentlicht. Sie sieht CDU und CSU bei 18 Prozent, die AfD dagegen bei 29 Prozent.
Damit liegt der Rückstand der Union je nach Institut derzeit zwischen fünf und elf Prozentpunkten.
Die SPD erreicht in den aktuellen Erhebungen zwischen 11 und 13 Prozent, die Grünen zwischen 13 und 16 Prozent und die Linke zwischen 10 und 12 Prozent. Die FDP bewegt sich zwischen vier und sechs Prozent. Das BSW wird je nach Institut mit zwei bis vier Prozent ausgewiesen oder nicht separat erfasst.
Umfragen zeigen Momentaufnahme, keine Prognose
Trotz der ungewöhnlich einheitlichen Richtung der aktuellen Erhebungen bleiben Wahl- und Meinungsumfragen Momentaufnahmen. Unterschiede bei Erhebungsmethode, Stichprobe, Befragungszeitraum und Fragestellung können die Ergebnisse beeinflussen.
Bei einzelnen Umfragen liegen statistische Fehlertoleranzen typischerweise im Bereich mehrerer Prozentpunkte. Kleinere Veränderungen gegenüber einer vorherigen Erhebung müssen deshalb noch keinen tatsächlichen Stimmungsumschwung bedeuten.
Bei Friedrich Merz geht es allerdings nicht lediglich um Schwankungen innerhalb einer einzelnen Befragung. Infratest dimap, Forsa, Forschungsgruppe Wahlen und Ipsos messen derzeit unabhängig voneinander jeweils eine deutlich negative Bewertung seiner Kanzlerarbeit. Der von Ilium gebildete Durchschnitt weist für die erste Septemberhälfte nur noch 16 Prozent Zustimmung aus.
Auch politisch bleibt die Lage für die Union angespannt: In allen acht derzeit von Wahlrecht.de aufgeführten aktuellen Bundestagsumfragen liegt CDU/CSU hinter der AfD. Ob und wie sich diese Stimmung im weiteren Verlauf der Legislaturperiode verändert, lässt sich aus den gegenwärtigen Umfragen jedoch nicht ableiten.

