Die dicke Notenmappe, die Bürgermeister Frank Buß am Montag den beiden Vorsitzenden des Musikvereins überreichte, enthält die Notensätze für alle Instrumente ebenso wie die Partitur für den Dirigenten: „Mein Plochingen“ heißt der von Walter Klaus eigens komponierte Marsch, der so etwas wie eine Erkennungsmelodie für den Musikverein Stadtkapelle und für Plochingen selbst werden soll. Der Verein, der dieses Jahr seinen 100. Geburtstag feiert, repräsentiere die Stadt bei ihren Festen nach innen wie nach außen und sei immer bereit, sich einzubringen, sagte der Rathauschef.
Auftragskomposition als Geschenk
Die Idee einer Auftragskomposition als Geschenk wurde, wie die Beteiligten verrieten, an einem fröhlichen Abend auf dem Marquardtfest geboren. Schließlich hat auch die Nachbarstadt Wernau ihrer Stadtkapelle zum Hundertsten ein Stück geschenkt. Dort war’s ein sinfonisches Werk, die Plochinger wünschten sich etwas Bodenständiges: etwas, das man bei verschiedenen Anlässen spielen kann, am Anfang oder Ende eines Konzerts, das man „immer parat hat“, das auch in kleinerer Besetzung funktioniert und bei dem man auch mal mitsingen kann – kurzum: „etwas, das zu uns passt“, wie der stellvertretende Vereinsvorsitzende Martin Laukmichel sagt. „Uns war wichtig, dass es nicht in den Schrank wandert und dort bleibt“, ergänzt der Vereinsvorsitzende Philip Schulz.
Ihre Vorstellungen konnten die Plochinger Bläser dem Komponisten direkt erklären, denn Walter Klaus kommt aus Riederich im Kreis Reutlingen und hat sich mit ihnen zusammengesetzt, nachdem er für die Auftragsarbeit ausgewählt worden war. Das Ergebnis ist ein „flotter Marsch“, zu dem auch ein paar singbare Textzeilen gehören: Sie drehen sich um Freude, schöne Stunden, gute Laune und Melodien fürs Herz. Der Marsch mache „auf jeden Fall Stimmung“, ist Philip Schulz überzeugt, der „schon mal reingucken“ durfte. Gehört oder gespielt hat das Stück noch keiner, aber sobald die Noten gestempelt und kopiert sind, beginnen die Proben.
Die Uraufführung ist für den 9. Juni geplant, dem „Tag der Blasmusik“ in der Stadt und gleichzeitigem Jubiläumsfest der Stadtkapelle im Musikzentrum Plochingen. Walter Klaus will auf jeden Fall dabei sein und seinen Marsch von denen hören, für die er es maßgeschneidert hat.
Der historische Dirigentenstab der Stadt kommt zum Einsatz
Ob dabei auch der historische Dirigentenstab der Stadt zum Einsatz kommt, ist noch unbekannt. Bei der Übergabe des Marschs war er jedenfalls mit von der Partie und wurde mit Ehrfurcht aus seinem Etui genommen. Das passiert nur bei seltenen Anlässen, wie es der einstige Plochinger Musikdirektor Gottlob Mahle in seinem Testament verfügt hat. Mahle, 1861 in Kirchheim geboren, hat von 1927 bis 1936 den Musikverein Plochingen geleitet. Als Komponist hatte er auch für König Wilhelm II. Stücke geschrieben und zum Dank den Dirigentenstab vermacht bekommen. Der Taktstock aus schwarzem Ebenholz sieht edel aus, ist aber verglichen mit heutigen Exemplaren ziemlich gewichtig. Er darf nur bei besonderen Anlässen – und nur vom Dirigenten selbst und nicht etwa von seinem Stellvertreter – eingesetzt werden. Ansonsten werde er vom jeweiligen Bürgermeister der Stadt an einem sicheren Ort aufbewahrt und „wie ein Augapfel gehütet“, war zu hören.