Verbrennerautos haben in Zeiten des Klimawandels einen immer schlechteren Ruf, dennoch gibt es immer noch viele Fans der röhrenden Motoren. So wie beim Motorsportclub (MSC) Ludwigsburg, der am Samstag in Löchgau sein 100-Jahr-Jubiläum feiert. „Der Verein ist mehr als Motorengeheul“, sagt der Vorsitzende Peter Hilcher. Er und seine Vereinskameraden spüren immer häufiger Gegenwind, wenn es um die Planung von Veranstaltungen wie Slaloms geht. In manchen Städten versucht der kreisweit agierende Verein daher erst gar nicht mehr Veranstaltungen anzubieten.
Neue Mitglieder gewonnen
Die Verteufelung des Verbrenners kann Hilcher nicht nachvollziehen, werden doch gleichzeitig immer mehr Autos zugelassen. „Und was ist nachhaltiger als ein 70 Jahre altes Auto, das noch fährt?“, fragt er. Mobilität funktioniere auch in Zukunft nicht ohne Autos. Gegen Elektromobilität hat Hilcher nichts, im Gegenteil, er berichtet begeistert von seinem ersten Fahrerlebnis in einem Tesla. Die Freude am Fahren ist es, was alle 69 Vereinsmitglieder gemeinhaben. Neben dem Motorsport mit Slaloms und und anderen Rennen sind Old- und Youngtimer-Ausfahrten eine wichtige Säule des Vereins. Hilcher hebt hervor, dass das zentrale Erfolgsgeheimnis des Vereins das Miteinander ist – im Jahr 2023 gab es fünf Neuzugänge .
Einst fast 600 Mitglieder stark
Es sei schwer, junge Leute zu gewinnen und zu halten, weil diese oft ihre Freizeit anders verbringen wollen. „Wichtig ist, dass etwas zurückkommt“, sagt Hilcher. So stellt er jungen Neumitgliedern einen Wagen zum Rennenfahren zur Verfügung und bindet Mitglieder bei Veranstaltungen nur für fachspezifische Aufgaben wie als Streckenposten ein. „Mit Würstelbraten lockt man niemanden mehr an“, sagt Hilcher. Auch wenn der Verein einen leichten Aufwärtstrend verzeichnet, kommt die Mitgliederstärke nicht an die Zeit Ende der 1960er-Jahren heran. An die 600 Mitglieder waren damals registriert.
Ganz andere Bedingungen gab es im Gründungsjahr 1924. In ganz Deutschland gab es gerade einmal 130 000 Kraftfahrzeuge (heute sind es 69 Millionen). Aber die Ausbreitung auch in der Breite stand bevor, und viele technische Neuerungen sorgten für Aufbruchstimmung. Noch konnten sich nur wenige Autos leisten, und deswegen waren die ersten Mitglieder im MSC auch wohlhabend. Erster Vorsitzender war Hermann Behr, der zur Familie des Beru-Mitbegründers Julius Behr gehörte. Fotoaufnahmen aus dem Jahr 1927 zeigen, dass der junge Verein damals schon mit neun Wagen bei Ausfahrten war – ein exklusives Vergnügen.
Schnell drängte sich der Motorsportgedanke in den Fokus des Vereins, und so wird bei der 100-Jahr-Feier auch den Vereinslegenden Hans Trinkner, Manfred Schnitz, Otto Kohfink und Paul Hartschuh viel Platz eingeräumt. Die große Vergangenheit soll ausgiebig gewürdigt werden. Und wie geht es weiter? Man will mit der Zeit gehen. Der Sound der Rennautos wird leiser – Hilcher hat selbst eine Dämmung im Motorraum eingebaut, man hat Umweltbeauftragte und mit Bobbycar-Rennen und Verkehrserziehung sollen auch Kinder erreicht werden.
Mehr als 20 000 Mitglieder
Ortsklubs
Der MSC Ludwigsburg gehört als Ortsclub zum ADAC Württemberg. Dieser unterstützt seine insgesamt 136 Vereine finanziell und mit Schulungen. Die ältesten Vereine sind vor mehr als 130 Jahren gegründet worden.
Mitglieder
Nach Schätzungen des ADAC Württemberg sind in den Ortsklubs 23 000 Menschen organisiert. Vorrangig sind diese im motorsportlichen Bereich und in der Verkehrssicherheit aktiv. Ebenso gibt es Clubs, die in touristisch aktiv sind und Oldtimertreffen und touristische Ausfahrten anbieten.