Jedes Exponat trägt eine Nummer – inzwischen ist man bei mehr als 15 000 verzeichneten Gegenständen angekommen. „Wobei ein Objekt aus mehreren Teilen bestehen kann“, fügt Stefanie Schwarzenbek, die Leiterin des Museums, hinzu. „Zu einem Puppenhaus gehören oft auch Geschirr, Besteck und Möbel, das wird nicht alles einzeln aufgeführt. Genau genommen sind es also weitaus mehr Objekte.“ Ganze neun Inventarbücher füllt die stattliche Sammlung, die auf insgesamt fünf Depots im Stadtgebiet verteilt ist. Das Kellergeschoss im Stadtverwaltungsgebäude in der Otto-Ficker-Straße wurde erst im vergangenen Jahr bezogen und bietet mit 1250 Quadratmetern die größte Lagerfläche. Doch längst schon ist es eng geworden. „Wir müssen mit dem Platz haushalten“, sagt die Museologin Fichtenkamm.
Es wird nicht mehr alles gesammelt
Leider könne man nur einen kleinen Teil der Sammlung präsentieren, räumt Schwarzenbek ein. Immerhin elf Sammlungsgebiete hat das Museum vorzuweisen, darunter sind unter anderem geologische und archäologische Funde, Gegenstände aus Handwerk, Landwirtschaft und Industriegeschichte sowie Objekte zum Thema Wohnkultur, Alltagsleben und Stadtgesellschaft. Sogar über eine Waffensammlung verfügt man. Aber die werde nicht weiterverfolgt, sagt Schwarzenbek. Auch neue archäologische Funde kämen nicht mehr hinzu, weil diese „ausnahmslos dem Land zu übergeben sind“.
Bei den Exponaten handelt es sich laut der Museumsleiterin vor allem um Schenkungen und Leihgaben. „Für Ankäufe haben wir keinen eigenen Etat.“ Das Museum sei angewiesen auf das Wohlwollen von Stadtverwaltung und Gemeinderat sowie auf Förderung seitens der Bürgerschaft, sagt Schwarzenbek. Dennoch nehme man gern weitere Objekte für die Sammlung an. Die Kriterien dafür sind klar: „Die Stücke müssen einen Bezug zur Stadt Kirchheim haben oder in Kirchheim hergestellt worden sein“, erläutert sie. „Es geht nicht darum, was uns gefällt.“ Wer ein interessantes Stück anzubieten habe, könne sich per Mail unter museum@kirchheim-teck.de melden.
Das Sammeln, Bewahren und Vermitteln zum Ziel
Auch der Grundstock der Sammlung geht auf eine Stiftung zurück: Um 1900 hatte der Altertumsverein Funde aus früheren römischen, alamannischen und fränkischen Besitzen in einem Lokal zur Schau gestellt, doch der Verein und das kleine Museum wurden 1908 mangels Interesse aufgelöst. Teile der Sammlung verblieben bei ehemaligen Mitgliedern und wurden dem später neu gegründeten Heimatmuseum zur Verfügung gestellt. Das öffnete am 29. Oktober 1922 in der Schlosskapelle seine Türen für die Öffentlichkeit. Erklärtes Ziel war es, „wahre Bildung zu pflegen und echte Heimatliebe zu wecken“. Außerdem ging es darum, für die Schulen Anschauungsmaterial zu bieten. Das Sammeln, Bewahren und Vermitteln seien auch heute noch der Auftrag, betonen die beiden Museumsmacherinnen.
In seiner 100-jährigen Geschichte erlebte die Städtische Sammlung bewegte Zeiten. Freud- und leidvolle Ereignisse, Umgestaltungen, Umzüge und Schließungen. Auch zum runden Jubiläum steht das Museum, das von 1952 bis 2016 im historischen Kirchheimer Kornhaus beheimatet war, vor einer Herausforderung: der denkmalgerechten Sanierung des Gebäudes samt der konzeptionellen Neugestaltung. Das Geschenk aber lässt weiter auf sich warten: Wegen der geplanten Bauarbeiten, die sich immer wieder verzögern, ist das Museum auf unbestimmte Zeit geschlossen.
Neue Angebote entwickeln
„Das bedeutet für uns, dass wir neue Wege gehen müssen“, sagt die Museumsleiterin. „Dies ist für uns ein Kraftakt, da wir zusätzlich zur Dauerausstellung neue Angebote entwickeln und umsetzen müssen.“ Schwarzenbek verweist darauf, dass das Museum unter anderem regelmäßig Highlights aus der Städtischen Sammlung in den sozialen Netzwerken präsentiert. Zusätzlich zeigen das Max-Eyth-Haus und die Stadtbücherei 94 Objekte aus dem Museumsbestand, und in der Galerie der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen sind Kunstausstellungen möglich. „Auch die Führungen durchs Museumsdepot gehören zu den neuen Angeboten, die wir langfristig anbieten möchten.“
Städtische Sammlung Kirchheim
Pläne
Im „neuen“ Kornhaus sind für die Städtische Sammlung 1200 Quadratmeter Schaufläche auf vier Etagen reserviert. Im ersten Obergeschoss wird die Dauerausstellung zur Stadtidentität mit Themen wie Partnerschaften, Vereine, bürgerschaftliches Engagement und Biografien präsentiert. In der zweiten Etage ist die historisch-chronologische Ausstellung mit vielen Exponaten zu sehen. Von der Gegenwart geht es auf acht Themeninseln zurück bis zur Steinzeit.
Führungen
Welche Objekte schlummern im Depot der Städtischen Sammlung? Welche Geschichten stecken dahinter, und wie kamen sie ins Museum? Diese Fragen werden bei Führungen beantwortet. Die nächsten Termine sind Sonntag, 20. November, 11 Uhr, und Sonntag, 4. Dezember, 14 Uhr. Eine Anmeldung ist per E-Mail an museum@kirchheim-teck.de oder telefonisch unter 0 70 21 / 5 02 - 3 77 bis einen Tag vor der Veranstaltung erforderlich.