1200 Parkplätze über den S-Bahn-Gleisen Flughafen will Hürde für S 21 beseitigen

Von Josef Schunder 

Die Stuttgarter Flughafengesellschaft möchte ein neues Parkhaus bauen – platzsparend und landschaftsschonend über den S-Bahn-Gleisen. In Echterdingen gibt es trotzdem Bedenken.

Parkplätze sind Mangelware am Flughafen. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Parkplätze sind Mangelware am Flughafen. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Stuttgart/L.-Echterdingen - Am Flughafen sollen 1200 bis 1400 zusätzliche Autostellplätze entstehen – am besten in einem Parkhaus über den S-Bahn-Gleisen, die hier in einem künstlichen Landschaftsgraben liegen. In diese Überlegungen hat die Geschäftsführung der Flughafen Stuttgart GmbH (FSG) bereits Vertreter des Gemeinderats von Leinfelden-Echterdingen eingeweiht – erntet dort aber nicht nur Beifall, obwohl die Landschaft geschont würde.

Den Parkplatzbau hat FSG-Geschäftsführer Walter Schoefer zunächst damit begründet, dass die Passagierzahl des Flughafens von jetzt knapp elf Millionen auf mehr als 14 Millionen steigen und der Autoverkehr bis 2030 um 41 Prozent zunehmen könnte. Damals war von bis zu 1400 Stellplätzen die Rede. Dieser Zeitung sagte Schoefer jetzt aber, es gehe um rund 1200 Stellplätze, deren Bau mit der Deutschen Bahn AG vereinbart worden sei. Die Bauherrin des neuen Stuttgarter Bahnknotens müsse zum Betrieb der neuen Anlage die Stellplätze nachweisen. Dadurch solle der Weg frei werden für das Verfahren, das zur Genehmigung der Stuttgart-21-Pläne für den Flughafen führen soll.

Die Idee ist aus einer Studie hervorgegangen

Die Idee des Parkhauses über dem S-Bahn-Trog sei aus einer Machbarkeitsstudie hervorgegangen, sagte Schoefer. Das Gebäude mit sechs Etagen könnte sich auf etwa 120 Meter Länge über die Gleise erstrecken – aus Brandschutzgründen 20 Meter von der Stelle entfernt, wo die S-Bahnen in Fahrtrichtung Filderstadt zur unterirdischen Station Messe/Flughafen abtauchen oder in der Gegenrichtung wieder ans Tageslicht kommen. Diese Lösung werde zurzeit geprüft und mit der Stadt Leinfelden-Echterdingen als Markungsgemeinde diskutiert. Die entstehenden Parkplätze könnten auch an starken Messetagen von Ausstellern und Messebesuchern genutzt werden.

Das angepeilte Parkhaus wäre nur einen Katzensprung entfernt vom Messe-Eingang West – und von der künftigen Stadtbahnhaltestelle Messe-West der Linie U 6. 2020 werden wohl die ersten Stadtbahnen fahren. Als mögliche Alternativen zum diskutierten Parkhaus seien in der Machbarkeitsstudie die seitliche Erweiterung und die Aufstockung bestehender Parkhäuser aufgezeigt, außerdem größere Ersatzbauten für bestehende Anlagen, sagte Flughafensprecher Johannes Schumm.

„Jeder Parkplatz am Flughafen ist gut“

Die Parkplätze am Flughafen werden knapper, wenn nicht etwas getan wird. Vor den Terminals, wo heute auf der Ankunftsebene eine Vorfahrt und Parkplätze sind, wird in den nächsten Jahren eine Baugrube entstehen. Das rührt vom Bau eines Flughafenbahnhofs für ICE-Züge und eines weiteren Gleises bei der S-Bahn-Haltestelle Flughafen her.

„Jeder zusätzliche Parkplatz am Flughafen ist gut“, sagt nicht nur aus diesem Grund OB Roland Klenk in Leinfelden-Echterdingen. Manche Reisende würden nämlich versuchen, ihr Auto „auf unseren öffentlichen Parkplätzen zu lassen, und zwar für die gesamte Dauer der Reise“. Dass der Parkhausbau über den Gleisen die weitere Versiegelung von Landschaft vermeiden würde, wäre natürlich vorteilhaft. Man diskutiere aber über den städtebaulichen Aspekt.

Der OB von L-E hält das Parkhaus für einen „ordentlichen Klotz“

Das Parkhaus wäre „ein ordentlicher Klotz“, sagt Klenk. Es könnte vielleicht Sichtbeziehungen verstellen, die Nutzern im künftigen Gewerbepark Ost von Echterdingen wichtig sein könnten – „wenn der Gewerbepark einmal kommt“. Er erwarte von der FSG schon, dass sie auch noch andere Varianten vorstelle – sei es die Erweiterung bestehender Parkhäuseroder die planerische Auflockerung des Parkhaus-Komplexes über den Gleisen. Ingrid Grischtschenko von der Grünen-Fraktion möchte die Dinge gern zusammendenken: die Parkplatzwünsche des Flughafens und die Erfordernisse in Echterdingen. Dort steht seit 25 Jahren schon ein Parkhaus über den S-Bahn-Gleisen, das nun mit einem Aufwand von rund vier Millionen Euro saniert werden sollte. Darin werden auch Autos von Flughafen-passagieren vermutet.

Auch sonst gibt es Anlass zu gemeinsamem Handeln. Der Bau des neuen Flughafenbahnhofs und das baldige Vorfahren der Stadtbahnen machen den Flughafen noch stärker zur Verkehrsdrehscheibe auf den Fildern – nicht nur für Fluggäste. Das wirft die Frage auf, ob es am Flughafen ein weiteres P+R-Parkhaus wie in Echterdingen geben müsste oder ein Ersatzparkhaus für jenes in Echterdingen, meinen die Grünen.

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