14-jähriger Extremsportler aus Altdorf Moritz Nachbauer will den Bodensee durchschwimmen

Moritz Nachbauer beim Training für die Bodenseequerung im Freibad Holzgerlingen. Kommende Woche ist es soweit. Foto: Stefanie Schlecht

Moritz Nachbauer hat einen abenteuerlichen Plan: Er will von Friedrichshafen bis nach Romanshorn kraulen. Nächste Woche geht’s los. Es hat sich intensiv vorbereitet – und eine gute Sache bezweckt er auch.

Böblingen: Veronika Andreas (va)

Moritz Nachbauer liebt Sport – besonders Schwimmen. Dabei geht es nicht um ein paar Bahnen ab und zu in irgendeinem Schwimmbad. Die Liebe zum Schwimmen bedeutet in diesem Fall: Moritz Nachbauer will den Bodensee schwimmend durchqueren – und zwar von Friedrichshafen nach Romanshorn in der Schweiz. Die zwölf Kilometer durch die Strömungen des aktuell etwa 20 Grad kalten Bodensees will der 14-Jährige ohne Neopren bewältigen. „Ich glaube, ich bin ganz gut vorbereitet“, sagt er. „Ich fühle mich gut, ich bin fit.“

 

Schulfrei für das Schwimmprojekt

Die Idee für die Bodenseequerung entstand bei einem Projekt seiner früheren Schule. „Wir mussten eine Arbeit planen, mit der wir uns ein Jahr lang zu beschäftigen haben. Da Fahrräder bauen oder Bücher schreiben nichts für mich ist, dachte ich gleich an etwas Sportliches“, erzählt Moritz Nachbauer. Da er gerne schwimme und Mitglied der DLRG sei, sei ihm dann die Idee der Bodenseeüberquerung gekommen. Und obwohl der 14-Jährige mittlerweile die Schule gewechselt hat und nun die Freie Evangelische Schule in Holzgerlingen besucht, darf er das Projekt beenden. Am Tag des Events wird er dafür sogar freigestellt.

Im Hallenbad hat er die zwölf-Kilometer-Distanz zu Trainingszwecken schon mehrfach bewältigt. 480 Bahnen sind es. Doch mit Schwimmen auf offener See ist das nur bedingt vergleichbar. Das weiß Moritz Nachbauer, der auch ein exzellenter Karatekämpfer ist, und der noch viel mehr gemacht hat, um die Herausforderung im Wasser zu bestehen: Er hat an diversen Wettkämpfen im Allgäuer Alpsee und im Schwarzwälder Titisee teilgenommen, war aktiv bei einem 24- Stunden Schwimmen dabei, ist diverse Halbmarathons gelaufen, und einer Kaltwassertauglichkeitsprüfung hat er sich auch unterzogen.

Test: Wird er auf offener See panisch?

Dafür wurde er von der DLRG mit einem Boot auf den Bodensee hinausgefahren und musste dort zwei Stunden schwimmen. „Es wurde geschaut, ob ich im kalten Wasser Panik bekommen und ob ich das überhaupt packe“, erzählt der Sportler. Auch in einem unbeheizten Freibad bei 15 Grad Wassertemperatur habe er trainiert. „Das war dann doch recht frisch“, sagt er lachend.

Der 14-Jährige weiß, dass es nicht selbstverständlich ist, dass es ihm gesundheitlich so gut geht und er so viel Sport machen kann. Sein 13-jähriger Bruder Lukas ist voriges Jahr schwer krank geworden und war teilweise auf einen Rollstuhl angewiesen. Es war eine schwere Zeit für den 14-Jährigen und seine Familie – die den jungen Extremschwimmer nun auf eine Idee gebracht hat. Er verknüpft sein Vorhaben mit einer Benefizaktion und ruft zu Spenden auf. Das Geld soll dem Kinder- und Jugendhospizdienst Böblingen zugute kommen und der Stiftung „Hilfe für kranke Kinder“ der Uni-Kinderklinik Tübingen. „Mir geht es blendend, ich will etwas zurückgeben und das Leben von Kindern, denen es nicht so gut geht, schöner machen“, sagt der junge Altdorfer.

Begleitung vom Klettertrainer

In der kommenden Woche wird sich weisen, ob er sein Ziel erreicht: Zwischen dem 12. und dem 15. Juli, je nach Wetterlage, will der 14-Jährige seinen Plan in die Tat umsetzen. Dann springt er in Friedrichshafen ins Wasser. Begleitet wird er auf der Strecke von einem Beiboot des Veranstalters Bodenseequerung, in dem unter anderem seine Eltern und sein Trainer Paul Hinderer sitzen und ihn anfeuern. Sein früherer Klettertrainer Harald Kümmel begleitet Moritz Nachbauer auf dem Stand-up-Paddel. Am Ufer in Romanshorn wird die restliche Familie warten: Oma, Opa und die Geschwister Lukas und Emma. „Ich will überwiegend Kraul schwimmen. Zum Entspannen werde ich aber auch mal in die Rücken- oder Brustlage wechseln“, weiß der Extremschwimmer. Während des Wettkampfes ernährt er sich überwiegend von Getränken, die ihn bei Kräften halten, die ein oder anderen Banane wird aber auch auf dem Wasser verzehrt werden. Moritz Nachbauer schätzt, dass er etwa fünfeinhalb Stunden brauchen wird, bis er am Ziel angekommen ist.

Vorfreude auf die Zeit danach

Und was sagt die Familie und Freunde zu seinem abenteuerlichen Vorhaben? „Es war von Anfang an klar, dass wir ihn unterstützen“, sagt seine Mutter Stefanie Nachbauer, die „stolz“ ist auf ihren Sohn und die Idee mit der Spendenaktion. Einige Freunde hätten seinen Plan nicht nachvollziehen können, fänden es aber „krass“, dass er so eine Anstrengung auf sich nehme, erzählt Moritz Nachbauer, der so kurz vor dem Start schon „ein bisschen aufgeregt“ ist.

Aber er freut sich auch. Vor allem darauf, dass er dann am Wochenende nicht mehr so oft ins Freibad zum Trainieren gehen muss.

Rekorde, Kosten, Spenden: Der See und seine extremen Schwimmer

Bodenseequerung
  Wer den Bodensee offiziell durchschwimmen möchte, sollte bei dem Veranstalter „Bodenseequerung“ einen Slot buchen und sich anmelden. Die Startgebühr beträgt rund 860 Euro aufwärts.

Rekord
  Dem deutschen Extremschwimmer Christof Wandratsch gelang es als erstem Schwimmer, alle drei Bodenseeüberquerungen mit jeweils nur einem Versuch erfolgreich zu beenden. Zudem hält er über alle drei Strecken den Geschwindigkeitsrekord. Insgesamt legte er dabei fast 110 Kilometer in 31:52 Stunden zurück.

Spendenaktion
Wer die Spendenaktion von Moritz Nachbauer unterstützen will, kann dies direkt über die Konten des Kinder- und Jugendhospizdienst Böblingen und der Stiftung „Hilfe für kranke Kinder“ der Kinderklinik Tübingen unter dem Stichwort „Moritz Nachbauer“ tun. (red)

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