16. Ehninger Fasnetsumzug Die Narren erobern die Straßen zurück

82 Fasnetsgruppen trieben in den Straßen und Gassen von Ehningen ihr Unwesen. Foto: Eibner-Pressefoto/Sandy Dinkelackeer

Trotz Regen und Kälte zog es am Sonntag mehr als 12 000 Zuschauer zum 16. Ehninger Karneval- und Fasnetsumzug.

Nass und kalt und gar nicht passend zur großen Wiedersehensfreude der Narren war das Wetter zum Auftakt der großen Umzüge im Kreis Böblingen. Doch auch die frostigen Temperaturen und der Schneeregen konnte die Hexen, Teufel und das restliche närrische Volk nach zweijähriger Coronapause nicht davon abhalten, am Sonntagmittag die Straßen von Ehningen unsicher zu machen. Mehr als 3000 Häs- und Maskenträger liefen beim Ehninger Umzug mit. Während die Edafetzer Ehningen und andere Guggenmusikgruppen das Publikum mit fetziger Musik verwöhnten, trieben andere Narren ihr Unwesen und verschleppten junge Mädchen in Schubkarren, bewarfen die Zuschauer mit Konfetti und Sägespänen oder malten ihnen mit Lippenstift und bunter Farbe ins Gesicht.

 

Neue Maskengruppe gegründet

Mehr als 80 Gruppen aus der ganzen Region waren angereist, darunter beispielsweise die Narrenzunft Sindelfingen, Grün-Weiß Böblingen und die Rohrer Waldhexen. Das in diesem Jahr weniger Gruppen am Start waren, hat nicht etwa etwas mit Corona zu tun. „Die Zünfte sind scharf, sie wollen wieder laufen“, erklärt Joachim Bühler, Präsident des 1. Ehninger Karnevalvereins. „Wir wollten den Umzug dieses Jahr bewusst reduzieren, damit die Zuschauer nicht zweieinhalbstunden am Straßenrand stehen müssen“, erklärt er. Der Umzug sei so für alle attraktiver. Angemeldet hatten sich rund 140 Fasnetsgruppen, 64 Absagen verteilte Bühler.

Der rund 90 Mitglieder starke 1. Ehninger Karnevalsverein selbst hat durch die Coronapandemie kaum Federn lassen müssen. Darüber ist der Karnevalvereinsvorstand sehr glücklich. Bühler weiß von Vereinen, bei denen durch Corona das ohnehin schwächelnde ehrenamtliche Engagement weiter zurückging und aktive Mitglieder zu passiven wurden. Anders beim 1. Ehninger Karnevalsverein: Im Januar gründete sich sogar eine neue Maskengruppe: die „Eisweiher-Hexen“. Die Gruppe habe sich nicht nur aus den eigenen Reihen formiert, sondern es seien neue Vereinsmitglieder dazugekommen und auch die Juniorengarde habe Verstärkung bekommen.

Zuschauer zufrieden trotz „Sauwetter“

Dass der Eintritt zum Umzug in diesem Jahr 50 Cent mehr kostete als die Jahre zuvor, begründet Bühler so: „Vom Zelt, über die Garnituren bis hin zu den mobilen Toiletten – es ist alles teurer geworden.“ Auch das Sicherheitspersonal. Letzteres würde allerdings nicht allein an den höheren Personalkosten liegen, sondern auch daran, dass der Karnevalsverein mehr Sicherheitsleute vor Ort haben wollte. „Die Sicherheit unserer Besucher liegt uns natürlich besonders am Herzen“, sagt Bühler.

Die mehr als 12 000 Zuschauer, die die Route des Umzugs von der Siegfriedstraße bis zur Turn- und Festhalle dicht gedrängt säumten, schreckte der Obolus jedenfalls nicht ab. Sie hatten ihre Freude am närrischen Schabernack und jubelten den Hexen, Teufeln und Guggenmusikern lautstark zu. „Was für ein Sauwetter“, meinte eine Zuschauerin, die das Treiben vom Straßenrand aus verfolgte, „aber egal, endlich wieder Fasnet!“ Und auch der Karnevalsvereinsvorsitzende Bühler sagte: „In den 16 Jahren hatten wir nicht einmal so schlechtes Wetter gehabt. Aber es hat einfach riesigen Spaß gemacht, endlich wieder einen Umzug in Ehningen gehabt zu haben.“

Weitere Themen