160 Jahre Landesmuseum Württemberg in Stuttgart Einzigartig, kurios, alt – diese Ausstellungsstücke sind besonders

Das Banner am Alten Schloss lädt zum Jubiläumsfest ein. Foto: Landesmuseum Württemberg (LMW)

König Wilhelm I. hat vor 160 Jahren die Keimzelle für das heutige Württembergische Landesmuseum gelegt. Im 21. Jahrhundert schlägt die Sammlung eine Brücke von der Historie ins Heute, auch dank moderner Museumskonzeption.

Vor genau 160 Jahren, im Juni 1862, hat König Wilhelm I. von Württemberg das heutige Landesmuseum als „Königliche Staatssammlung vaterländischer Kunst- und Alterthumsdenkmale“ gegründet. Das wird an diesem Samstag mit Führungen auch hinter den Kulissen, mit Shows, cooler Musik und Dolce Vita im Schlosshof gefeiert. Der Eintritt am 18. Juni ist frei.

 

Wann ist das Alte Schloss gebaut worden?

Es entstand um 950 n. Chr. als Wasserschloss und zum Schutz des Stutengartens von Herzog Liudolf von Schwaben. Für 400 Jahre war das Alte Schloss Hauptresidenz der württembergischen Herrscher mit den charakteristischen drei großen Rundtürmen, der Dürnitz (heute Eingangshalle und Café), den Arkaden und der Reitertreppe, die es erlaubte, mit dem Pferd direkt in den Rittersaal zu reiten.

Wann wurde es Museum?

Am 17. Juni 1862 stimmt König Wilhelm I. von Württemberg der Gründung einer „Sammlung vaterländischer Kunst- und Alterthumsdenkmale“ zu. Die Stücke kommen zunächst in Privathäusern unter, später dann in der Landesbibliothek. Aber: wo kein König mehr, da braucht es auch kein Schloss. So begann der Umzug der Exponate in das Gebäude. Die Stücke überlebten das große Feuer vom 21. Dezember 1931 und die Kriegsbomben.

Was ist das älteste Ausstellungsstück?

Ein Travertinblock aus dem Steinbruch Lauster in Bad Cannstatt, der 600 000 bis 250 000 Jahre alt ist. Der Neckartalkessel wurde vom Frühmenschen für die Jagd genutzt. In den Kalksintern der Travertine blieben die Überreste davon erhalten, zum Beispiel die Geweihstangen eines Hirsches, wenige Knochen sowie einfache Steinwerkzeuge, womit der Hirsch zerlegt worden ist.

Was ist das historisch wertvollste Ausstellungsstück?

Wertvoll aufgrund des Materialwerts und des historischen Werts ist der Kronschatz mit der über 200 Jahre alten württembergischen Königskrone und dem Brillantschmuck der Königin Pauline. Wie die erste Königskrone aussah, ist nicht bekannt. Die heute erhaltene ist das Ergebnis mehrerer Veränderungen unter König Wilhelm I. Gleich nach der Hochzeit mit seiner Cousine Pauline gab der König eine Brillantgarnitur für die neue Königin in Auftrag. Dafür ließ er Steine aus älterem Schmuck ausfassen und tauschte sogar große Diamanten an der Königskrone gegen kleinere Steine aus.

Welches Exponat ist einzigartig?

Die aztekischen Federschilde, entstanden um 1520. Im Zuge der Eroberung von Tenochtitlan durch die Spanier vor 500 Jahren gelangten zahlreiche Zeugnisse aztekischen Kunsthandwerks nach Europa – ob als Beute oder Handelsware lässt sich nicht mehr feststellen. Sie wurden in der herzoglichen Kunst- und Wunderkammer gehütet. Die Federn stammen von amerikanischen Singvögeln.

Was ist das kurioseste Ausstellungsstück?

Ein „Einhorn-Horn“ und ein gehörnter Hase, die Statuette eines Bauern, der seine Notdurft verrichtet, ein paar Chopines (Schuhe mit Plateausohlen), ein Trinkgefäß aus dem Magenstein eines Säugetiers, das vor Vergiftung schützen sollte. Das Einhorn besteht aus vielen Knochen- und Geweihsegmenten und zeigt, dass schon im 16. oder 17. Jahrhundert getrickst wurde, um etwas Wunderbares zu schaffen.

Welche war die erfolgreichste, welche die aufwendigste Ausstellung in jüngerer Zeit?

Die Große Landesausstellung „Im Glanz der Zaren“ (2013/14) war mit über 140 000 Besuchern die erfolgreichste Ausstellung der letzten acht Jahre. Sie übertraf damit die ebenfalls sehr erfolgreiche Große Landesausstellung „Die Schwaben. Zwischen Mythos und Marke“ (2016/17), die knapp 131 000 Gäste anlockte. Zugleich war die Zaren-Ausstellung besonders aufwendig, da die Leihgaben aus Museen in Sankt Petersburg und Moskau viele Reisen erforderten. Besonders anspruchsvoll: die Präsentation des Krönungskleids der „württembergischen Zarin“ Maria Fjodorowna, das die Schatzkammer im Kreml zum ersten mal verließ.

Bei der für Oktober geplanten Ausstellung „Berauschend. 10 000 Jahre Bier und Wein“ sollen Besucher ihr Konsumverhalten reflektieren. Das klingt streng und weniger nach Verkostungen . . .

Doch, es wird auch reichlich Gelegenheit zum Probieren geben bei verschiedenen Weinproben und Bierverkostungen.

Wo liegt die Zukunft landes-geschichtlicher Ausstellungskonzepte?

„Noch wichtiger als bisher wird es sein, Besucherinnen und Besucher emotional abzuholen und ihnen verschiedene Zugänge zu eröffnen“, sagt Astrid Pellengar, die Direktorin des Landesmuseums Württemberg. Das könne über Mitmachstationen, mithilfe von Medienstationen oder den Multimediaguide (App) geschehen. „Wichtig ist, dass es Anknüpfungspunkte zur eigenen Lebenswelt unseres Publikums gibt.“ Zudem sollen sich die Gäste intensiver einbringen können als bisher – „über unsere Social-Media-Kanäle sowie über einen Publikumsbeirat, den wir einrichten wollen“.

Das Festprogramm

Backstage
Am Samstag, 18. Juni 2022, öffnet das Landesmuseum von 12 bis 17 Uhr seine Arbeitsbereiche. Die Gäste können mit den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen ins Gespräch kommen über das Restaurieren, das Fotografieren, technische Raffinessen oder Archäologie am Beispiel der Sonderausstellung „Berauschend. 10 000 Jahre Wein und Bier“, die im Oktober zu sehen sein wird.

Genuss
Die Herrenterrasse des Alten Schlosses wird zur „Roof Top Bar“, auf der man ein Glas Sekt genießen kann. Von 10 bis 20 Uhr ist der Renaissance-Hof mit Liegestühlen und Sonnenschirmen bestückt, das Café Dürnitz bietet Verköstigung.

Show
Zwischen 11 und 13 Uhr gibt es bei gutem Wetter Akkordeonmusik, Zauberei und Seifenblasenspaß im Schlosshof, am Abend Jazz mit der Linda Kyei Band.

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