17. Palazzo-Show feiert Premiere in Stuttgart Wellness für die Sinne in ungewissen Zeiten

Wie schmeckt wohl die mit den Füßen geschälte Banane in der Palazzo-Manege? Foto: LICHTGUT/Zophia Ewska

Bis Weihnachten sind die Vorstellungen meist ausgebucht. Das Palazzo ist kein Schnäppchen, doch die Sehnsucht in ungewissen Zeiten ist groß, das Leben zu genießen. Die 17. Show mit dem Menü von Harald Wohlfahrt ist Wellness für die Sinne.

Stadtleben/Stadtkultur: Uwe Bogen (ubo)

Für ein erstes Mal ist es nie zu spät. OB Frank Nopper hat zuvor noch nie das nostalgisch nachgebaute Spiegelzelt besucht, das den italienischen Namen Palazzo (deutsch: Palast) trägt und 2004 nach Stuttgart kam (erst auf dem Pariser Platz, dann auf dem Wasen). Weil es eine lange Corona-Pause gab, wird nun also erst die 17. Show gefeiert. Mit 17 hat man noch Träume!

 

Dem Rathauschef und seiner Frau gefällt es (sie sitzen mit Opernintendant Viktor Schoner am Tisch), was der US-Ausnahme-Clown Peter Shub bei der Premiere ausruft: „Stuttgart ist die beste Stadt in Deutschland!“ Alles klatscht! Gut, diesen Satz sage er überall, schiebt der Publikumsliebling von Roncalli noch nach. Aber ja doch, freut uns, wenn er auch in Frankfurt oder Hamburg genau dies von sich gibt: „Stuttgart ist die beste Stadt!“

Kerzenlicht im Abendrot des Chapiteau

Festlich mit weißem Tuch gedeckte Tische, auf Hochglanz polierte Weingläser, Kerzenlicht im Abendrot des Chapiteau: Stimmungsvoll spiegelt sich Schönes hundertfach. Zu einem gelungenen Abend gehören ein stilvolles Ambiente, eine Show mit Wow-Momenten, Musik zum Wohlfühlen, ein Menü zum Schwelgen und nette Leute neben sich. Dies alles vereint Palazzo zu einem Glücksfest des Genusses – wobei die Veranstalter das mit den netten Leuten nicht regeln können. Dafür können die Gäste aber selber sorgen, in dem sie die passenden Nebensitzerinnen und – sitzer mitbringen.

Man könnte es mal mit der eigenen Familie versuchen! Also Oma, Tante, Neffe, die geschiedene Ehefrau oder wen auch immer zu Harald Wohlfahrt einladen! Um die liebe, mitunter bucklige Verwandtschaft geht’s in der 17. Show mit dem Titel „Family Affairs“ (Palazzo präsentierte das Programm zuvor in Berlin und Wien). In den besten Familien kommt’s vor, dass nicht alles rund läuft und dass einige verdammt nerven. Am Ende aber wird klar: Blut ist dicker als Wasser!

Um ehrlich zu sein: Gastgeberin Barbara Probst als Familienoberhaupt, die zweimal ihre Rede bei der Familienfeier starten will, aber stets davon abgehalten wird, weil alle hungrig sind, aber nicht auf Reden, verliert das Thema Familie meist aus den Augen. Die Auftritte der herausragenden Artisten werden ohne roten Familienfaden aneinander gereiht. Familiär dabei ist immerhin die seit vielen Jahren vertraute und geliebte Palazzo-Stammband Sidewalkers mit coolen Rhythmen.

Auch das ist bei der Premiere zu hören: Es habe schon stärkere Shows gegeben, Wohlfahrt sei schon kreativer über sich hinausgewachsen. Dennoch: Das Niveau ist so hoch, dass man einen wunderschönen Abend verbringt. Das ist Wellness für die Sinne.

Harald Wohlfahrt ist ein Koch fürs Geschichtsbuch

25 Jahre lang hat Wohlfahrt in Baiersbronn drei Sterne geholt – kein anderer Koch hat das bisher in Deutschland geschafft. Er ist ein Küchenmeister fürs Geschichtsbuch. Die Barbarie-Ente, die im Hauptgang an Birnen-Weinbeeren-Chutney, glacierten Maronen, Brokkoli-Röschen und Gewürzjus serviert wird, lässt der 67-Jährige aus Frankreich kommen. Der vegetarische Anteil (alles wie beim klassischen Menü, aber mit einer Frühlingsrolle, in der Gemüse und Pilze stecken) beträgt in der Premierennacht zehn Prozent, wie Wohlfahrt sagt. Stolz kann er auch auf den schnellen, netten Service sein.

Clown Peter Shub, der Stuttgart-Fan, vereint auf unnachahmliche und herausragende Weise Chaos mit Poesie. Für die größten Lacher braucht der Star des Abends keine Worte. Der Amerikaner gibt deutsche Sätze zum Besten, die er bereits gelernt hat. Etwa: „Bist du fertig? Du bist so schwer!“

Nein aufs Aufhören hofft niemand, nix ist schwer. Die Kost ist leicht, mit der das Ensemble begeistert, die wie eine große Familie auftritt – jeder hilft jedem.

Die Besten ihres Fachs sind vertreten, starke Typen wie die Jungs von 15Feet6 sind dabei, die am Schleuerbrett Unglaubliches vollführen. Fußjongleurin Nata Galkina schält die Banane mit den Füßen. Die Akrobatik der Rollschuh-Raketen Rosa & Jasper ist so rasant, dass man oft wegschauen will. Hula-Hoop at his best führt die Britin Ailona vor. Und noch viel mehr raubt den Atem.

Im Publikum ist die Stuttgarter Familie im Glück, also diejenigen, die sich bei den Premieren der Stadt immer wieder treffen. Vom Kabarettisten Christoph Sonntag bis zum Binder-Optik-Chef Helmut Baur, vom Ex-VfB-Star Kevin Kurányi bis zum Magier Topas, von der SWR-Legende Michael Branik bis zu Frl. Wommy Wonder, von Silvio Heinevetter, dem Handball-Torwart beim TVB Stuttgart und dem deutschen Nationaltorwart, bis zu Messe-Chef Stefan Lohnert – man kennt sich.

Am Ende wird’s sogar philosophisch. Die schräge Truppe verteilt Postkarten, auf die man einen Gruß an einen lieben Menschen schreiben sollte. Aufschrift: „Das Leben ist zu kurz, um nicht denen zu begegnen, die wir lieben.“

Wer Genuss liebt, ist im Palazzo richtig.

Spielzeit. Bis zum 10. März wird gespielt, täglich außer montags und dienstags. Preise: zwischen 99 Euro und 169 Euro (Vier-Gänge-Menü inklusive). Karten im Netz auf der Palazzo-Seite.

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