197 Millionen Euro für die Gesundheit Esslinger Klinikum baut weiter an seiner Zukunft

Klinikum Esslingen – die Stadt will die nächste Modernisierungsetappe angehen (Archivfoto). Foto: imago images/7aktuell

Das Klinikum Esslingen hat sich 2021 auf den Weg gemacht, seine Gebäude-Infrastruktur grundlegend zu erneuern. Mit dem geplanten Neubau von Haus 2, das als ein Herzstück gilt, wollen Stadt und Klinikum nun einen großen Schritt vorwärtskommen.

Quer durch die Republik ist die Krankenhauslandschaft in Bewegung, und allen ist klar, dass es mit einem „Weiter so“ nicht getan sein wird. Im Klinikum Esslingen hat man schon vor Jahren festgestellt, „dass die Umsetzung moderner und patientenorientierter Versorgungs- und Unterbringungsstrukturen nur mit einem umfassenden Neubauvorhaben realisierbar sind“. Deshalb wurde 2021 ein Masterplan Bau für die nächsten 15 Jahre aufgelegt. Ziel ist es, hohe medizinische Qualität und qualifizierte Pflege langfristig zu sichern und weiterzuentwickeln.

 

Mit einem neu gebauten Haus 0 wurden im vergangenen Jahr Ausweichflächen für den Neubau bestehender Gebäude geschaffen. Nun will das Klinikum die nächste Etappe angehen. Einstimmig hat der Gemeinderat den Weg für eine 197-Millionen-Euro-Investition freigemacht – stattliche Landeszuschüsse sollen fließen.

Haus 2 ist nicht nur ob seiner zentralen Lage das Herzstück des Esslinger Klinikums. Zahlreiche wichtige Funktionen sind dort unter einem Dach vereint. /Visualisierung: HWP Planungsgesellschaft

Kliniklandschaft im Wandel

Esslingens OB Matthias Klopfer verwies im Gemeinderat auf die tief greifenden Veränderungen in der deutschen Krankenhauslandschaft: „Wir wissen nicht, was sich gesundheitspolitisch auf Bundesebene in nächster Zeit noch tun wird.“ Sicher sei, dass in Stuttgart und in den Nachbarkreisen teils erheblich in die stationäre Gesundheitsversorgung investiert werde. Dieser Herausforderung müsse sich Esslingen als zentraler Klinikstandort im Landkreis stellen. Ihren Kurs haben die Stadt und ihr Klinikum mit ihrem Masterplan Bau abgesteckt – nun geht es an dessen Umsetzung. Dass solche millionenschweren Investitionen nicht leicht zu stemmen sind, machte der Finanzdezernent Ingo Rust deutlich. In Coronazeiten hätten viele den Wert einer hochwertigen medizinischen Versorgung zu schätzen gelernt. Das zu finanzieren, sei nicht leicht – zumal finanzielle Hilfen der Coronazeit wieder wegfallen.

Gleichwohl will die Stadt nun die nächste Modernisierungsetappe angehen. Den Handlungsbedarf machte der Klinikumsgeschäftsführer Matthias Ziegler im Gemeinderat deutlich: „Die Anforderungen an die Gebäude-Infrastruktur sind deutlich gestiegen. Mit unserem Masterplan sichern wir langfristig die Wettbewerbsfähigkeit des Klinikums, eine hoch qualifizierte medizinische Versorgung, effiziente Abläufe und Wirtschaftlichkeit, und wir steigern unsere Attraktivität als Arbeitgeber.“

Der anstehende Bauabschnitt sieht Abriss und Neubau des Hauses 2 mit acht OP-Sälen, Aufwachraum, Notfallzentrum, Intensivtherapiestation, Kreißsaal sowie zwei Allgemeinpflegestationen vor. Außerdem wird eine neue zentrale Betriebstechnik für alle Gebäude des Klinikums mit einer Ringtrasse zur Versorgung aller Gebäude gebaut.

Bis das bestehende Gebäude abgerissen werden kann, sind viele Vorarbeiten und Umzüge notwendig. „Und wir bewältigen in diesem Jahr außerdem 24 Teilprojekte, die alle notwendig sind, um das Haus gänzlich leer räumen zu können“, erklärt Matthias Ziegler. „Alleine das ist schon ein Mammutprojekt. Aber bei allen überwiegt die Vorfreude auf das neue Gebäude, das Patienten und Mitarbeitenden zahlreiche Möglichkeiten und Verbesserungen bieten wird.“

„Mit kaufmännischer Vorsicht“

Mit 197 Millionen Euro ist dieser Bauabschnitt kalkuliert. Klinikum und Stadt hatten auf eine geringere Summe gehofft, doch je konkreter die Planungen wurden, desto klarer zeichnete sich ab, dass der Aufwand deutlich größer werden würde – etwa durch zusätzliche Infrastrukturmaßnahmen, die bereits auf die Erfordernisse der folgenden Bauabschnitte ausgerichtet werden, oder durch einen aufwendigeren Anschluss an angrenzende Gebäude. Alles hätte sich auf 213 Millionen Euro summiert. Dank diverser Einsparungen wie dem Verzicht auf eine fünfte Ebene für Haus 2 pendelten sich die Kosten bei jenen 197 Millionen Euro ein, die nun das Maß aller Dinge sind. Damit sieht sich der Finanzbürgermeister nun auf der sicheren Seite: „Wir sind mit kaufmännischer Vorsicht herangegangen. Das ist eines der am besten vorbereiteten Hochbauprojekte in Esslingen geworden.“ Da sich die Landeszuschüsse für Klinikprojekte dieser Dimension zuletzt deutlich erhöht haben, rechnet die Stadt mit rund 108 Millionen Euro aus dem Landessäckel – Esslingen müsste dann knapp 89 Millionen Euro stemmen.

Im Gemeinderat fanden die Pläne positive Resonanz. Carmen Tittel (Grüne) sieht das Klinikum damit „für die Zukunft abgesichert“, Christa Müller (SPD) sprach von einem „elementaren Teil der städtischen Daseinsvorsorge“, Alexander Kögel (Freie Wähler) bekannte sich zum „gemeinsamen Ziel einer hervorragenden Gesundheitsvorsorge“. Jörn Lingnau (FDP) fand die hohen Kosten wohl begründet, Herbert Schrade (CDU) begrüßt die Investitionen, weil sie das Klinikum „für Patienten und Mitarbeiter attraktiver machen“. Und Martin Auerbach (Linke) kommentierte: „Es ist bemerkenswert, was man auf die Beine stellen kann, wenn die Verwaltungsspitze etwas will.“

Die Zukunftspläne des Esslinger Klinikums

Der Masterplan
 Das Klinikum verfügt über zehn miteinander verbundene Gebäude- und Gebäudeteile, in denen Patienten versorgt werden – der größte Teil der Bausubstanz ist inzwischen mehr als 50 Jahre alt und sanierungsbedürftig. Deshalb hat das Klinikum 2021 mit einem „Masterplan Bau“ begonnen, die Weichen für die Zukunft zu stellen. Dahinter stand die Erkenntnis, „dass die Umsetzung moderner und patientenorientierter Versorgungs- und Unterbringungsstrukturen nur mit einem umfassenden Neubauvorhaben realisierbar sind“. Die Masterplanung sieht innerhalb der nächsten 15 Jahre den Neubau aller wesentlichen Klinikfunktionen und eine Sanierung der noch verbleibenden Gebäude in mehreren Bauabschnitten vor.

Der Start
 Im Mittelpunkt dieses langfristig angelegten Bauvorhabens stehen drei Neubauten mit rund 19 000 Quadratmetern Nutzfläche, die im Erdgeschoss miteinander verbunden sind. In einem ersten Schritt wurde ein vierstöckiges Modul-Gebäude errichtet, das die nötigen Ausweichflächen bietet, um danach bestehende Gebäude durch Neubauten ersetzen zu können. Das Modul-Gebäude „Haus 0“ bietet auf 4600 Quadratmetern und vier Stockwerken Platz für 150 Betten. Die Patienten werden weitgehend in Zwei-Bett-Zimmern mit einem eigenen Sanitärbereich untergebracht.

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