Rems-Murr-Kreis - Leicht gemacht hat sich Melanie Hoffmann die Entscheidung, den Kinobetrieb auf die 2-G-Regel umzustellen, nicht. Doch nach einigem Abwägen erschien der Leiterin des vom Verein Kinokult betriebenen Schmidener Programmkinos die Umstellung als die beste Lösung. „Wir warten die ganze Zeit darauf, dass die Maskenpflicht am Sitzplatz aufgehoben wird. Da das aktuell nicht der Fall ist und wir nichts an der Verordnung ändern können, stellen wir auf 2G um“, sagt Melanie Hoffmann.
Schülerausweis und negativer Schnelltest
Von diesem Donnerstag an haben nur noch Kinogäste im Orfeo Zutritt, die entweder geimpft oder genesen sind. Zudem gilt ein entsprechendes Attest, und bei minderjährigen Schülern reicht nach wie vor der Schülerausweis und ein negativer Schnelltest. „Das Ganze ist ein Dilemma, denn klar werden wir manche damit ausschließen, und die werden es blöd finden“, sagt die Leiterin des Schmidener Orfeos. Ausgenommen von der neuen Regel ist das Jazz-Weekend, das vom Kulturamt Fellbach in 3G veranstaltet wird.
Die Anzahl an Leuten, die mit einem Test zur Vorstellung gekommen seien, sei so gering gewesen, dass man einfach entschieden habe, der größeren Menge ein Kinoerlebnis ohne störende Maske zu bieten. „Das ist nicht wie im Supermarkt, wo man hin muss und es weder Regeln noch Nachverfolgung gibt. In unser kleines Kino kommen die Leute, um einen schönen Abend zu genießen und der verliert an Reiz, wenn zwei Stunden die Maske getragen werden muss“, sagt Melanie Hoffmann und fügt hinzu, ihr wäre es lieber, die Maskenpflicht am Platz wäre weggefallen. „Aber wir müssen uns nach den Gegebenheiten richten.“
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Genauso sieht es Sven Pflug, der Leiter der Barbara-Künkelin-Halle in Schorndorf. Dort werden Veranstaltungen der Stadt im 3-G-Betrieb organisiert. Aber bei externen Angeboten oder Business-Kunden spürt der Hallenleiter eine Trendwende. „Wir beraten dann immer und sagen, dass mit 2G Kunden verloren gehen, sich die Übrigen aber vielleicht auch sicherer fühlen“, sagt Pflug. Unkomplizierter wäre es, wenn die Verordnung das Abnehmen der Maske am Platz einfach erlauben würde. „Andere Bundesländer sind da entspannter als Baden-Württemberg, aber das hilft ja nicht. Wir müssen uns nach unserer Decke strecken, und die Kunden müssen das jeweils für sich entscheiden.“
Im Bürgerzentrum in Waiblingen hält man noch komplett an der 3-G-Regel fest. So solle gewährt werden, dass auch den Personen Zugang ermöglicht werde, „die sich nicht impfen lassen möchten, aber sich testen lassen können“, sagt Waiblingens Oberbürgermeister Andreas Hesky. „Die Option 2G kann dazu führen, dass Personen der Zugang zur Kultur oder zu Veranstaltungen, die nicht per Gesetz ganz offen sind, verwehrt wird“, sagt der OB und fügt hinzu, dass beispielsweise Gemeinderatssitzungen oder Veranstaltungen zur OB-Wahl mit Bürgerbeteiligung ganz ohne Einschränkungen sind.
OB Hesky: Die Menschen sind vorsichtig
Darüber hinaus besteht für OB Hesky der Eindruck, dass die Menschen nach wie vor sehr vorsichtig sind, dem will die Stadt gerecht werden. „Es gilt 3G und Maskenpflicht, und wir achten darauf, die Säle nach wie vor nicht vollständig auszubuchen.“ Darauf achtet auch Annegret Eppler, die das Kino Universum in Backnang leitet. Sie will auch erst einmal bei der 3-G-Regel bleiben. Sollte aber die Warnstufe ausgerufen werden und damit in geschlossenen Räumen ein PCR-Test nötig werden, will die Leiterin des familienbetriebenen Kinos in Backnang auf 2G wechseln. „Stand jetzt wollen wir niemanden ausgrenzen. Und wir möchten allen, auch den Geimpften, ihr erhöhtes Sicherheitsbedürfnis erfüllen. Da wäre es nicht gut, wenn gar keine Maske mehr getragen werden müsste, wie es bei der Umstellung auf die 2-G-Regelung der Fall wäre“, sagt Annegret Eppler.
Shermen Assef vom Figurentheater Phönix in Schorndorf kann sich derzeit eine Umstellung auf 2G überhaupt nicht vorstellen – und zwar aus dem Grund, dass sich die Vorstellungen fast nur an Kinder richten. „Die sind alle ungeimpft, da müssen wir mit Tests arbeiten.“ Umgesetzt werden die 3Gs im Figurentheater – passend zum Publikum – auf ganz spielerische Art. So dürfen die Kleinen Abstand zwischen sich lassen, und Kinder oder Gruppen, die zusammengehören, sitzen auf Inseln, die nach den Stücken benannt sind, die auf der Bühne gezeigt werden.
Auch im Kabirinett, der Probierbühne in Spiegelberg-Großhöchberg fährt man momentan noch gut mit der Überprüfung der 3-G-Regel. „Wir wollen solange so weiter machen, wie wir es dürfen“, sagt Thomas Weber vom Kabirinett. Das Publikum werde miteinbezogen und die Saalkapazität sei runtergefahren worden.
Maske trotz Popcorn
Auch in den Traumpalästen in Schorndorf, Waiblingen und Backnang werden bei den Kinogästen die 3Gs kontrolliert. „So soll es erst einmal bleiben, auch wenn unter unseren Gästen wirklich nur eine sehr kleine Minderheit ungeimpft ist“, sagt Erik Oberthür, Mitarbeiter der Lochmann-Filmtheaterbetriebe, zu denen die Traumpaläste gehören. Es werde an die Besucher appelliert, die Maske trotz Popcorn am Platz aufzulassen, und zwischen den Gästen werde weiterhin ein Abstand belassen. „Das müssten wir nicht mehr machen, trägt aber zum Sicherheitsgefühl bei“, sagt Erik Oberthür.
Weil eben das, nämlich ein sicherer Abstand, im Keller des Kunstvereins Fellbach nicht einzuhalten ist, hat sich der Verein entschieden, auf die 2-G-Regel umzusteigen. „Das ist uns nicht leicht gefallen, denn wir wollen sicherlich niemand ausgrenzen, aber wir müssen wieder wirtschaftlich werden, und die Verordnung gibt uns keinen Spielraum“, sagt die Vorsitzende Tina Matzen.