20 Jahre BMX-Shop Kunstform Das sind die coolsten BMX-Spots in Stuttgart

Ein beliebter Treffpunkt für BMX-Fahrer:innen, auch beim Street Jam am Samstag: Die Marmorplatte am Börsenplatz. Foto: Lichtgut/Ferdinando Iannone

Dass Stuttgart eine krasse BMX-Historie hat und viele hier im Kessel leidenschaftlich gern und gut BMX fahren, ist außerhalb der Szene relativ unbekannt. Warum eigentlich, wollten wir von Kunstform-Geschäftsführer Daniel Fuhrmann wissen, der uns außerdem die coolsten BMX-Spots der Stadt verraten hat.

Stadtkind: Tanja Simoncev (tan)

„Eine Treppe hinunterfahren kann man eigentlich mit jedem Fahrrad, rein theoretisch, so hat das bei mir auch angefangen“, erinnert sich Kunstform-Geschäftsführer Daniel Fuhrmann. Mit dem Rad unterwegs zu sein, habe er schon immer cool gefunden. Zur Jugendweihe in Brandenburg, wo er aufgewachsen ist, gab’s dann Geld fürs erste BMX-Rad. Damals war Daniel 14 Jahre alt.

 

Ein perfektes Einstiegsalter gibt es seiner Meinung nicht. Der BMX-Freestyler betont: „BMX fahren kannst du immer, es gibt auch Leute, die sind 60 Jahre alt und fangen damit an. Manche vielleicht auch, weil sie es in ihrer Jugend schon gemacht haben.“ Das sei besonders auffällig gewesen als der Film „E.T.“ in die Kinos kam, da erlebte der Sport bzw. das BMX-Bike einen regelrechten Boom. „Aber es gibt tatsächlich auch Räder für Vierjährige.“

Im Rausch der Geschwindigkeit

Mittlerweile gibt es außerdem auch viele Pumptracks im und rund um den Kessel. Zur Erklärung: Ein Pumptrack ist eine spezielle, künstlich angelegte Bikestrecke. Das Ziel ist es, ohne in die Pedale zu treten und unter Ausnutzung des stark welligen Längsprofiles, mit koordinierten, „pumpenden“ Auf- und Abwärtsbewegungen des Körpers Geschwindigkeit aufzubauen. „Die Pumptracks gelten offiziell als Spielplatz und das animiert die Kids natürlich, dann auch dort zu fahren“, freut sich Daniel über den BMX-Nachwuchs.

Apropos, wie groß ist eigentlich die BMX-Szene im Kessel? Wenn man sich an diesem Samstagmittag vor dem Shop Kunstform, in unmittelbarer Nähe zu unserem Happy Place Feuersee, so umschaut, dann fällt auf: gar nicht mal so klein (Daniels Einschätzung in Stuttgart samt Einzugsgebiet liegt etwa bei 50.000 Bewohner:innen, die ein BMX-Rad besitzen). Zwischen 12 und 13 Uhr haben sich dort bestimmt bis zu 100 Fahrer:innen versammelt, darunter auch echte Pros wie Felix Prangenberg und Simon „Huddl“ Zimmermann.

„Das ist für die Kids, die mitfahren, natürlich ein echtes Highlight“, so der 39-Jährige, der bei der deutschen Meisterschaft in der Jury saß. Nicht alle Fahrer sind aus Stuttgart, aber gemeinsam will man die Stadt am Neckar auf dem Bike erkunden. So wie es BMX-Fahrer:innen, aber auch Skater:innen, eh schon immer machen – mit einem besonderen Auge für Architektur etwa. Klar, dass da die Marmorplatte am Börsenplatz ein beliebter „Anfahrpunkt“ ist, aber genauso das Haus der Geschichte.

„Stuttgart hat auch voll die krasse BMX-Historie“, so Daniel. PTR hatte sich im Dunstkreis Stuttgart gegründet, das war in den 80er Jahren. Die BMX-Rahmen der schwäbischen Firma seien mittlerweile für Sammler:innen besonders wertvoll. Und wer wusste, dass sich der Sport zwischen Freestyle und Race (Strecken für Rennen gibt es zum Beispiel in Stuttgart-Münster) bewegt? BMX bietet ein große Bandbreite – für viele verschiedene Fahrer:innen.

Zwischen Treppenstufen und Bordsteinkanten

„Der Einstieg geht immer über Spaß. Niemand fängt mit dem BMX-Fahren an, weil er Profi werden will“, weiß der leidenschaftliche BMX-Fahrer. Denn man brauche eigentlich nicht viel und mache aus dem, was da ist, das Beste – wie zum Beispiel eine Treppenstufe, eine Bordsteinkante „oder ein kleiner Hügel aus Sand. Das ist mit einem BMX-Bike eben auch möglich.“ Wer relativ hohe Hügel anfahren, ja fast schon bezwingen, will, der kann zum Beispiel mal bei Aichwald Trails vorbeischauen.

Auch gut zu wissen: BMX-Räder sind aus Stahl, während normale Fahrräder aus Aluminium sind. Dadurch sind sie stabiler, aber eben auch schwerer. Vor allem im Einsteigerbereich. Interessierte können sich übrigens jederzeit bei Kunstform informieren.

Stuttgart als BMX-Hochburg

Wer wie Kunstform-Gründer Sebastian Pospischil Anfang der 2000er Jahre nach Stuttgart kam, der hat auch Dank des Profi-Fahrers den Kessel als regelrechte BMX-Hochburg wahrgenommen. Mit dem Shop bzw. Kunstform begonnen hatte alles btw während dem BWL-Studium in seiner damaligen WG, „mit einem Stahlschrank als Warenlager“, erinnert sich der 42-Jährige lachend zurück.

Und wer sich eben für den Sport interessierte bzw. einfach gern BMX fuhr, kam an Stuttgart nicht vorbei. Wer hätte das gedacht!?! Deshalb verschlug es auch Daniel aus Eberswalde hier her. „Ich könnte jederzeit zurück in Richtung Berlin, aber mir gefällt’s in Stuttgart echt gut, vor allem auch wegen der BMX-Szene.“

Hier im Kessel würde in Sachen BMX einfach sehr viel passieren. Um das Jubiläum des Shops nun auch gebührend zu feiern, finden diesen Samstag (11.11.2023) noch bis 19 Uhr der BMX Street und BMX Flatland Jam am Haus der Geschichte statt. Danach wird im Shop (Rotebühlstr. 63) weitergefeiert. Sidefact: In der Skatehalle Stuttpark in Bad Cannstatt (Kegelenstr. 19) ist übrigens jeden Donnerstag BMX-Tag, zwischen 15 und 18 Uhr können sich interessierte Kids dort auf dem Bike ausprobieren und auch den ein oder anderen Trick lernen und üben.

Kunstform BMX Shop, Rotebühlstr. 63, Stuttgart-West, Mo- Fr 11-13+14-18, Sa 11-16 Uhr

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