20. Todestag von Freddie Mercury "We will rock you" hat gezündet

Ein großer Mann der Popgeschichte: Freddie Mercury  Foto: dpa 2 Bilder
Ein großer Mann der Popgeschichte: Freddie Mercury Foto: dpa

Freddie Mercurys Geist lebt in Fans wie Jochen Lehnhardt weiter. Er besitzt alles, was jemals als Tonträger von Queen erschienen ist.  

Leben: Simone Höhn (sdr)

Gondershausen - Die Sammlung hat Jochen Lehnhardt gut versteckt und sicher in seinem Haus in Gondershausen im Hunsrück verwahrt. „Da sollen ja keine Patschehände drankommen“, sagt der 37-jährige Vater von drei Kindern. An die 300 Queen-Platten im Wert von heute etwa 6000 Euro hat er sich im Lauf seines Lebens zugelegt. „Ich hab sie alle“, sagt er, und die Genugtuung ist dabei nicht zu überhören. „Alle Langspielplatten, alle Bonus-CDs, alle Livealben, alle Best-of-Sammlungen, alle Singles, alle Maxis, alle Picture-Discs – Platten, auf denen Fotos abgebildet sind, ähnlich wie das Cover, nur zum Abspielen. Und sämtliche Konzertvideos hab ich auch.“ Raritäten aus dem Ausland sind ebenfalls darunter, manche Picture-CD wäre heute mehrere Hundert Euro wert.

Die Geschichte seiner Leidenschaft beginnt ähnlich wie bei den meisten, die mit Queen erwachsen geworden sind. Gezündet hat es 1987 auf einer Party. Jochen Lehnhardt ist 13 Jahre alt, als ihm zum ersten Mal einer der großen Hits zu Ohren kommt. Nachdem der DJ „gefühlte 40-mal“ „We will rock you“ aufgelegt hatte, wird das Lied ein paar Tage später Jochens erste Single. „Auf der B-Seite lief ,We are the Champions‘. Ab da war ich Feuer und Flamme für Queen. Als Teenager ist man ja sehr begeisterungsfähig. Es folgte schnell die erste Best-of und nach und nach eben der ganze Rest.“ In seinem Freundeskreis war er mit seiner Begeisterung allerdings ziemlich alleine. „Ich musste schon als junger Mensch Charakter zeigen – als Queen-Fan wurde ich meistens nur belächelt“, erinnert er sich amüsiert. Die Tatsache, dass Freddie Mercury Männer liebte, machte es Jochen Lehnhardt nicht leichter. „Als Teenager musste man echte Stärke beweisen, es hieß sofort: ,Aha, der mag Schwule.‘ Mir war das egal, darum geht es ja auch gar nicht.“

„Meine Eltern haben mich aus dem Urlaub angerufen"

An den Tag, als Freddie Mercury starb, hat Jochen Lehnhardt lebhafte Erinnerungen. „Ich weiß noch genau, dass es am Tag zuvor im Radio zunächst hieß, dass er Aids hat. Das hat er ja nie gesagt, obwohl jahrelang darüber spekuliert worden war. Selbst ich habe nicht daran geglaubt oder wollte es nicht glauben und habe das immer vehement bestritten.“ Am nächsten Morgen erfuhr der damals 17-Jährige wieder übers Radio, dass Mercury keine 24 Stunden nach seinem Aidsbekenntnis gestorben war.

„Meine Eltern haben mich extra aus dem Urlaub angerufen, weil sie an mich gedacht haben. Ich war schon sehr traurig, muss ich sagen. Ich habe meine Queen-Fahne ins Fenster gehängt und mich schwarz angezogen. Ausgerechnet an diesem Tag musste ich auch noch eine sehr wichtige Matheklausur schreiben.“

Die Queen-Fahne liegt gut verstaut im Schrank

Das ist am Donnerstag auf den Tag genau 20 Jahre her. Die Queen-Fahne liegt gut verstaut im Schrank, aber ein paar Gedenkminuten für den großen Freddie müssen trotzdem sein. „Ich habe mir schon gestern das allerletzte Lied von Queen angehört, ,Mother Love‘. Da war er bereits so schwach, dass er die letzte Liedzeile gar nicht mehr richtig singen konnte.“ Über sein Faible für Queen wundert sich Jochen Lehnhardt manchmal selbst. Steht der Historiker doch sonst eher auf härteren Stoff wie Heavy Metal und Punk. Das Pompöse, Opernhafte bei Queen hat es ihm angetan: „Freddie Mercury war einfach ein Genie. Seine Stimme war außergewöhnlich und die Musik so unglaublich facettenreich“, schwärmt er. „Es gibt keine Band, die so virtuos mit verschiedenen Stilen gespielt und Brüche auf so geniale Weise in ihre Songs eingebaut hat – wie zum Beispiel bei ,Bohemian Rhapsody‘.“

Und dann wird Jochen Lehnhardt ein bisschen melancholisch: „Freddie Mercurys Tod ist ein großer Verlust für die Musikwelt. Er war ja erst 46 und hat gerade erst begonnen, sich richtig auszutoben. Er hätte uns noch so viel gute Musik bescheren können.“ Zum Schluss fällt ihm noch ein treffendes Zitat zu Mercurys exzessivem Lebensstil ein, der sicherlich mitverantwortlich für seinen frühen Tod war: „Er hat die Kerze des Lebens an beiden Seiten angezündet. Und in der Mitte auch.“




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