2:2 bei Eintracht Frankfurt Klinsmann von Hertha-Punktpremiere begeistert

Von red/dpa 

Wenn es nach Torschütze Grujic geht, wird der Klinsmann-Effekt bei Hertha erst im kommenden Jahr richtig zu sehen sein. In Frankfurt gelingt zwar der erste Punkt, sonst aber noch nicht besonders viel. Der ehemalige Bundestrainer ist trotzdem happy.

Jürgen Klinsmann war mit seiner Mannschaft sehr zufrieden. Foto: dpa/Uwe Anspach
Jürgen Klinsmann war mit seiner Mannschaft sehr zufrieden. Foto: dpa/Uwe Anspach

Frankfurt/Main - Nach dem Abpfiff wurde das breite Grinsen von Jürgen Klinsmann zu einer Art Dauerzustand. Der frühere Bundestrainer grinste trotz verspielter 2:0-Führung am eiskalten Spielfeldrand, er grinste bei seinen Ausführungen zum ersten Punktgewinn mit Hertha BSC, er grinste sogar, als sein Trainerkollege Adi Hütter ihm bei einem gerechten Remis offen und vor versammelter Presse widersprach. „Ich denke, wir haben alle ein packendes Spiel gesehen“, sagte der begeisterte Trainer nach dem 2:2 seiner Elf bei Eintracht Frankfurt. „Für uns ist das ein großer Schritt nach vorne.“

Es war eine Ansicht, die seine Hauptstadt-Profis am Freitagabend zwar teilten, die nach 90 Minuten der spielerischen Unterlegenheit und einem vergebenen Zwei-Tore-Polster aber ein wenig skurril wirkte. Klinsmann sieht sich trotz seiner bis Sommer befristeten Trainertätigkeit als Mentor und Fußball-Visionär, der mit seinen ersten Eindrücken sehr zufrieden ist.

Klinsmann voll des Lobes

„Es ist wirklich spannend, diesen Prozess mit der Mannschaft mitzugehen. Da ist etwas am heranwachsen“, lobte der 55-Jährige. Zugleich gestand er ein, in seiner neuen Rolle noch immer in der Findungsphase zu sein und Tag für Tag dazuzulernen. „Wir wachsen ja jetzt gerade erst zusammen. Ich muss ja auch erstmal bei jedem Spieler wissen, wie seine Stärken und Schwächen ausschauen“, sagte Klinsmann.

Viel Zeit bleibt dafür nicht. Nach nur einem Punkt aus den ersten zwei Spielen steckt Hertha mitten im Abstiegskampf der Bundesliga. „Das kann ein Anfang sein“, kommentierte Kapitän Niklas Stark, der trotz Führung aus taktischen Gründen ausgewechselt wurde, das Remis. Nach Treffern von Dodi Lukebakio und Marko Grujic lebte beim  Interimscoach sogar kurzzeitig die Hoffnung auf den ersten Sieg. „Wenn wir 2:0 führen, hätten wir natürlich gerne drei Punkte mitgenommen“, sagte Klinsmann. Und grinste wieder.

Hartes Restprogramm

Mit einem harten Restprogramm bis Weihnachten ist die Berliner Devise für die kommende Woche klar: gegen Überraschungsteam Freiburg soll vor eigenem Publikum erstmals seit über zwei Monaten wieder in der Liga gewonnen werden. „Auch ein Punkt kann gut für das Selbstvertrauen sein. Was der neue Trainer bisher bewirkt hat, konnte man über weite Strecke sehen, aber vermutlich wird es erst im Januar richtig deutlich“, sagte Torschütze Grujic. Der Eintracht-Ausgleich durch Tore von Martin Hinteregger und Sebastian Rode war mehr als verdient, am Ende wollte die Hertha den einen Punkt nur noch über die Zeit retten.

Für Fußball-Liebhaber Klinsmann, der von einer Identifikation der Hertha wie in Liverpool oder in Barcelona träumt, ist der Rückwechsel vom TV-Mikrofon auf die Trainerbank nicht nur eine brutale Herausforderung, sondern auch spannender Anschauungsunterricht. Die Bundesliga orientiere sich am internationalen Fußball, der Maßstab sei die Champions League, stellte er fest. „Es ist toll zu sehen, was die Eintracht da seit zwei Jahren international abliefert“, lobte  Klinsmann. An diese Sphären kann er in Berlin derzeit nicht denken.